Studentinnen der Hebammenkunde im Kreißsaal
Dieser Nachwuchs studiert schon

Offensichtlich macht die Arbeit im Kreißsaal und auf der Wöchnerinnenstation viel Spaß. Das beweist Studentin Isabelle Arlt hier mit der neugeborenen Rosalie, deren Mama Selina Schorner und Hebammen-Leiterin Klaudyna Golkowski-Nizewski (von rechts) Bilder: hfz (2)
 
Praxisanleiterin Elke Stollner zeigt Studentin Malena Zinger (von links) Schritt für Schritt, was es bei der Untersuchung Neugeborener zu beachten gibt.

Das Klinikum St. Marien hat Nachwuchs bekommen. Im Kreißsaal wäre das an sich ganz normal, wenn es sich um Neugeborene handeln würde. Doch diese zwei jungen Damen studieren schon.

Malena Zinger und Isabelle Arlt sind die ersten Studentinnen für Hebammenkunde der Hochschule Fulda, die ihre Praxisphase im Amberger Klinikum absolvieren. 18 Wochen lang werden die 21-jährige Sulzbacherin und die 24-jährige Schwabacherin Seite an Seite mit Hebammen und Ärzten der Frauenklinik arbeiten, heißt es in einer Pressemitteilung von St. Marien.

Hebamme per Hochschule


"Wir freuen uns über den zukünftigen Nachwuchs und vor allem darüber, dass es jetzt die Möglichkeit gibt, Hebammenkunde zu studieren. Das wertet unseren Beruf auf und stellt ihn auf eine breitere theoretische Basis, da medizinische und physiologische Aspekte noch umfassender behandelt werden", schildert St. Mariens leitende Hebamme Klaudyna Golkowski-Nizewski. Insgesamt 750 Stunden werden die beiden Studentinnen nach ihrer Auskunft in den kommenden Monaten im Kreißsaal verbringen. "In dieser Zeit wollen wir Isabelle und Malena das Rüstzeug an die Hand geben, das sie brauchen, um nach ihrem Studium werdende und frisch gebackene Eltern und deren Babys eigenverantwortlich, einfühlsam und professionell zu begleiten und zu betreuen", erläutert Praxisanleiterin Elke Stollner.

Einfühlungsvermögen nötig


Sie ist bereits seit 1987 Hebamme im Klinikum und gibt ihr Wissen seit zwölf Jahren an den Nachwuchs weiter. Fragen dabei sind laut Presseinfo: Wie gebe ich Frauen während der anstrengenden Geburt Kraft? Wie spreche ich ihnen Mut zu und gehe einfühlsam auf sie ein? Was sagen Wehentätigkeit und Herztöne über die Verfassung von Mutter und Kind aus? Wie wird das Baby nach der Geburt am besten zum Stillen angelegt und worauf muss bei der Untersuchung des Neugeborenen geachtet werden? Darauf sollen Malena Zinger und Isabelle Arlt in den kommenden Monaten Antworten finden.

"Unser Beruf erfordert viel Fachwissen, aber vor allem jede Menge Einfühlungsvermögen. Und da bin ich sicher, mir von den erfahrenen Hebammen viel abschauen zu können", sagt Isabelle Arlt.

"Außerdem haben wir durch das Perinatalzentrum hier am Klinikum die Möglichkeit, von dem routinierten Umgang der Hebammen und Ärzte mit Risikoschwangeren und Frühchen zu lernen", ergänzt Malena Zinger. Beide freuen sich schon auf die gemeinsame Zeit mit den neun Hebammen und der Leiterin der Geburtshilfe, Dr. Ines Erhardt. Für die Hebammen sind die Studentinnen ebenfalls eine Bereicherung - "weil sie uns immer auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung halten", betont Klaudyna Golkowski-Nizewski.

Sie kann das beurteilen, denn sie war eine der Ersten in Deutschland, die nach der Berufsausbildung das Studium der Hebammenkunde erfolgreich abgeschlossen hat.

HintergrundIn den vergangenen zehn Jahren mussten bayernweit 27 Kreißsäle schließen. Der Grund: Es gab zu wenige Hebammen. Dieser Entwicklung wollen Universitäten und Kliniken jetzt entgegensteuern. Deshalb wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule Fulda und dem Klinikum St. Marien geschlossen.

"Hebammen sind in den wichtigsten und intimsten Stunden der Entbindung ganz nah an den Frauen und geben ihnen emotionale Stärke. Deswegen freut es mich, dass der Traditionsberuf durch das neue Studienangebot wieder attraktiver wird und wir unseren Teil dazu beitragen - mit dem Ziel die Studentinnen nach dem erfolgreichen Abschluss für unser Hebammen-Team zu gewinnen", sagt Prof. Dr. Anton Scharl, Chefarzt der Frauenklinik. Das Konzept scheint aufzugehen - denn die Sulzbacherin Malena Zinger hat bereits Interesse bekundet, nach ihrem Abschluss von der Uni in den Kreißsaal nach Amberg wechseln zu wollen.
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