Suchaktion nach vermisster Anna Poddighe fortgesetzt
Immer noch keine Spur

BePo-Kräfte durchsuchen ein Waldstück südöstlich von Amberg. (Foto: Polizei)
 
Taucher suchen in einem Baggersee nach der vermissten Anna Poddighe. (Foto: Polizei)

Wie bereits gestern angekündigt, hat die Polizei die Suche nach Anna Franca Poddighe fortgesetzt. Poddighe ist seit Mitte Juni des Jahres 2012 verschwunden.

Etwa 30 Angehörige eines Ausbildungsseminares der Bayerischen Bereitschaftspolizei durchforsteten mehrere Stunden lang ein größeres Waldstück südöstlich von Amberg. Parallel dazu suchten Polizeitaucher einen Baggersee in dem Waldstück ab. Die Suche verlief ergebnislos.

Keine Hinweise auf vermisste Ambergerin


Von Kristina Sandig

Ein Suizid? Nichts deutet darauf hin. Ein Unfall? Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Verschwand sie freiwillig und baute sich irgendwo ein neues Leben auf? Unwahrscheinlich. Bleibt nur eines: Anna Franca Poddighe wurde Opfer eines Verbrechens. Davon gehen auch Ermittler aus - und suchen nach der Leiche.

Mittwochmorgen, kurz nach 9 Uhr. Es ist zwar noch kühl, aber die Sonne blitzt schon durch die Bäume. Der Wald verströmt den typischen Geruch nach frischem Moos. An der Seite des Schotterweges parken hintereinander zwei Kleinbusse der Polizei. Auszubildende der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg bilden links und rechts des Weges eine Kette und stochern mit Stöberstöcken im Waldboden, vereinzelt auch im Dickicht. Tag zwei der polizeilichen Suchaktion nach Hinweisen auf Anna Franca Poddighe.

Ähnlich gelagerte Fälle


Seit dem Altstadtfest-Wochenende 2012 wird die damals 41-Jährige aus Amberg vermisst. Längst gehen die Ermitter davon aus, dass die Italienerin nicht mehr lebt, sondern wahrscheinlich umgebracht wurde. Am Dienstagnachmittag erklärte Polizeipräsidiums-Sprecher Stefan Hartl bereits, dass die neuen Suchmaßnahmen nach Anna Franca Poddighe auf keinen konkreten Hinweis zurückzuführen sind.

Auf Nachfrage bekräftigte dies gestern Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier. Vielmehr habe man sich mit Erfahrungswerten ähnlich gelagerter Fälle befasst. "In fast allen Fällen haben Tatort und Ablageort der Leiche einen relativ geringen Radius", sagte Strohmeier und verweist auf Maria Baumer und Peggy Knobloch. Baumers sterbliche Überreste waren in einem Waldstück bei Bernhardswald vergraben, unweit ihres Wohnortes Regensburg.

Die Knochen des seit 15 Jahren vermissten Mädchens Peggy Knobloch befanden sich nur 15 Kilometer Luftlinie von ihrem Heimatort Lichtenfels entfernt. "Wir haben uns die Frage gestellt: Wo würde jemand von Amberg aus eine Leiche verschwinden lassen?", erklärte Strohmeier und gab zu, dass dies sehr theoretische Überlegungen seien. Aber auch nicht ganz abwegig.

Ermittler wählen Baggersee


Für die Suche wählten die Ermittler einen Baggersee aus. Dieser befinde sich inmitten eines privaten Waldstücks und sei gesperrt für die Öffentlichkeit, "wenn auch offensichtlich Liebespaare und Nacktbadende sich daran nicht halten". Dass ein Gewässer nicht so abwegig ist, um ein Verbrechensopfer für immer verschwinden zu lassen, weiß Dr. Thomas Strohmeier von einem Fall aus Nürnberg. Vor drei Jahren versenkte ein Täter in einem Baggersee bei Spalt, südwestlich von Nürnberg, die Leiche einer Frau, die er getötet hatte. Leichensuchhunde waren am Dienstag in besagtem Gelände südöstlich von Amberg im Einsatz, sowohl zu Land als auch zu Wasser.

Gestern nun gingen Taucher der Bereitschaftspolizei Nürnberg ins Wasser des mehrere Meter tiefen Sees. Außerdem durchkämmten 30 Beamte in Ausbildung der Bepo Sulzbach-Rosenberg mit Stöberstöcken das Waldgebiet - jeweils ohne Erfolg. Nichts deutete auf Anna Franca Poddighe hin. "Wir behalten uns vor, zu gegebener Zeit an anderen Örtlichkeiten zu suchen", so Strohmeier.

Suchaktion beendet


Von 9.15 bis gegen 14.30 Uhr hatten die Polizeikräfte gesucht, teilte Stefan Hartl, Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg, am späten Nachmittag mit."Wir sind leider nicht fündig geworden", bedauerte er, "weder zu Lande noch zu Wasser." Mehr als vier Jahre nach ihrem Verschwinden bleibt es somit immer noch unklar, was mit Anna Franca Poddighe geschah.

Bepo-Beamte suchenAm Tag zuvor waren Leichensuchhunde unterwegs, gestern kamen Beamte in Ausbildung der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg in das Waldstück an der B 85. Rund 30 waren laut Polizeipräsidiums-Sprecher Stefan Hartl im Einsatz. Die angehenden Polizisten teilten sich auf, durchkämmten das Areal links und rechts eines Waldweges. Dies taten sie mit Hilfe von Skistöcken, die auch als Stöberstecken bezeichnet werden, wie Zugführer Christian Wiesneth erklärte. Als Auftrag für die Polizei-Nachwuchskräfte wurde ausgegeben, nach all dem zu suchen, was nicht hierher gehört. "Sehr oft wird da natürlich auch Müll gefunden", weiß der Zugführer aus Erfahrung. Das 2,5 Kilometer lange Areal, das die jungen Menschen auf einer Breite von jeweils 30 Metern entlang des Weges durchkämmten, bezeichnet er als sehr übersichtlich, die Bäume stünden recht weit auseinander. "Nicht wie in Schonungen, da muss man sich manchmal regelrecht durchwühlen." Trotzdem ist es eine Sisyphusarbeit. (san)


Ein Appell an das Gewissen - Angemerkt von Kristina SandigIm November 1982 verschwindet Lolita Brieger spurlos aus einem Dorf in der Eifel. 29 Jahre lang gibt es keine Spur von ihr. Im November 2011 wird der Fall erneut bei "Aktenzeichen XY ungelöst" vorgestellt, die zuständigen Ermittler appellieren an das Gewissen eines möglichen Mitwissers. Briegers fast 90-jährige Mutter möchte wissen, was mit ihrem Kind passiert ist. Der Appell fruchtet: Noch am Abend meldet sich eine Person und gibt einen Tipp. Die Polizei erfährt so von einem Freund, der dem Täter damals geholfen hatte, Briegers Leiche zu beseitigen.

Seit dem Altstadtfest-Wochenende 2012 lebt Daniela Poddighe in der Ungewissheit, was mit ihrer Schwester Anna Franca passiert ist. Es ist eine zermürbend lange Zeit. Die Hoffnung, dass die Verschwundene noch am Leben ist, hat sie längst aufgegeben. Sie möchte nur eines haben: Gewissheit. Auch die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die Vermisste umgebracht wurde. Deshalb ergeht an dieser Stelle der eindringliche Appell an mögliche Mitwisser, sich den Ermittlungsbehörden zu offenbaren und beizutragen, das Schicksal von Anna Franca Poddighe aufzuklären.

Möglicherweise gibt es auch Menschen, die rund um das Altstadtfest-Wochenende des Jahres 2012 (es war Samstag, 16., und Sonntag, 17. Juni) Beobachtungen gemacht haben. Diesen haben sie vielleicht keine besondere Bedeutung beigemessen. Sie könnten aber durchaus im Kontext mit dem Verschwinden der damals 41-jährigen Italienerin stehen und für die Ermittlungsbehörden ein wichtiges oder sogar das entscheidende Puzzle-Teil in diesem mysteriösen Vermisstenfall sein.

Chronologie eines mysteriösen Falls


Anna Franca Poddighe wollte, wie ihr Lebensgefährte gegenüber der Polizei aussagte, am 17. Juni 2012 das Altstadtfest besuchen. Alleine und zu Fuß habe sie sich von der gemeinsamen Wohnung in der Barbarastraße auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Seitdem ist die Frau spurlos verschwunden.

Am 24. Juni 2012 hatte ihre ebenfalls in Amberg lebende Schwester bei der Polizei Vermisstenanzeige erstattet. Weder die eingerichtete Sonderkommission "Sassari" noch die Ausstrahlung des Falls in "Aktenzeichen XY ungelöst" brachten die Ermittler einen entscheidenden Schritt weiter. Bereits 2014 hat das Landeskriminalamt eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Weitere Berichte zum Fall Anna Franca Poddighe lesen Sie hier.
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