Tag der Familie
Hürdenlauf zum großen Glück

Eva Wolf und Sabine Kreiner (von links) können das eher ernste Thema Adoption durchaus mit guter Laune angehen. Das Glück von Eltern und Kindern, das eine erfolgreiche Adoption stiften kann, bringe auch ihnen eine tiefe Befriedigung, sagen die beiden Sozialpädagoginnen. Bild: Huber
 

Für viele sind sie die letzte Hoffnung - auf Kinder und das damit verbundene Familienglück. Sie können den Weg dorthin zeigen, aber nicht ebnen; er ist voller Hürden.

Eva Wolf und Sabine Kreiner bilden das Adoptionsteam des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Amberg. Wer den Plan der Adoption eines Kindes ernsthaft verfolgt, muss zu ihnen kommen, denn hier gibt es die besten Chancen dafür. Bei den Jugendämtern sind die Vermittlungszahlen viel geringer.

Auch beim SkF sind sie auf den ersten Blick nicht ermutigend. Einer Warteliste mit 25 Paaren stehen durchschnittlich vier Kinder gegenüber, die zuletzt pro Jahr zur Adoption freigegeben wurden. Aber wer nicht akzeptieren will, dass die Unmöglichkeit leiblichen Nachwuchses auch den Verzicht auf den Traum von der Familie mit Kindern bedeutet, der muss ohnehin den Kampf mit den Zahlen und ihrer erdrückenden Wucht aufnehmen. Und so kommen jedes Jahr wieder Paare zu Eva Wolf und Sabine Kreiner, die entschlossen sind, den nicht ganz schmerzfreien Weg zur Adoption zurückzulegen. Was ihnen bevorstehen kann, zeigen die neun folgenden Punkte.

Der Hürdenlauf zur Adoption

Der Entschluss

Schon der fällt nicht leicht. Er ist für die meisten verbunden mit dem Eingeständnis, dass die Jahre der gescheiterten Versuche in der Kinderwunschbehandlung nichts gebracht haben. "Die Paare haben dort alles ausgeschöpft, auch die finanziellen Mittel", beschreibt Sabine Kreiner eine typische Situation. Häufig müsse man das erst noch verarbeiten, seine Grenzen erkennen. "Das muss man erst einmal mit sich und dem Partner ausmachen", weiß Eva Wolf.

Die Kontaktaufnahme

Jugendämter, das Kinderwunschzentrum oder auch die Medien weisen die Bewerber für gewöhnlich auf den Adoptionsdienst des SkF hin. Wer dann bei Eva Wolf vor der Tür steht, ist meist sehr ernst, ein bisschen nervös; er weiß, dass er einen bedeutungsvollen Schritt macht.

Das Offenbaren

Ihnen allen steht eine der größten Hürden bevor. "Sich öffnen gegenüber einem wildfremden Menschen", nennt es Eva Wolf. Man muss viel über die Beziehung zum Partner offenbaren, über Gefühle sprechen, die schwierigste Lebensphase ausbreiten. "Manche tun sich sehr schwer damit." Vor allem die Männer.

Der Fragebogen

Das ist Papierkrieg pur: Seitenweise Fragen zur eigenen Person und Lebenssituation beantworten, zum Einkommen, zur Partnerschaft, zu den Vorstellungen von einem Adoptivkind; zusätzlich Dokumente (polizeiliches Führungszeugnis und mehr) beibringen. "Die Bewerber empfinden das als sehr schwierig", sagt Eva Wolf, "weil ihnen bewusst ist, es könnte viel davon abhängen."

Die Überprüfung

Tatsächlich gibt es bei der Auswertung Ausschlusskriterien: Die Bewerber müssen eine gesicherte Existenz nachweisen, also mindestens ein gesichertes Einkommen. Die Gesundheit darf die Erziehungsfähigkeit nicht beeinträchtigen. "Ganz extreme Anschauungen" führen zur Ablehnung, "alle Formen von Intoleranz", wie es Sabine Kreiner formuliert. "Es sollte schon ein christliches Weltbild vorhanden sein." Schwerer zu bewertende Faktoren sind eine gewisse Offenheit, psychische Stabilität, die Stabilität der Beziehung.

Eine weitere Art der Überprüfung ist das Gespräch der Bewerber mit Eva Wolf und/oder Sabine Kreiner. "Für uns ist es wichtig, die Leute kennenzulernen", sagt Eva Wolf dazu. Denn nur so könne sich ein Vertrauen entwickeln, das beide Seiten offen für etwaige ungewöhnliche Lösungen mache. "Das klappt nicht auf Papier." Der zweite große Gewinn für die Paare dabei: Sie gehen mit der Erkenntnis raus, dass die 25 Bewerber, die schon auf der Liste standen, nicht zuerst abgearbeitet werden müssen. "Denn wir suchen Eltern für Kinder, keine Kinder für Eltern."

Das Bewerberseminar

Sabine Kreiner schmunzelt in Erinnerung an viele erste Reaktionen: Oh Gott, wir müssen auf ein Seminar, drei Tage, da kommt eine Psychologin, lauter fremde Leute. "Im Nachhinein sagen sie dann: Das hat uns richtig geholfen, wir haben gelernt, uns zu öffnen." Vor allem tue es den Männern gut, endlich mit anderen Männern reden zu können.

Die Unsicherheit

Eine Adoption ist nicht von Anfang an unwiderruflich. Selbst bei anonymer Geburt kann die leibliche Mutter ihre Entscheidung in den ersten acht Wochen widerrufen. In anderen Fällen hängt die genaue Form vom Willen der abgebenden Mutter ab. Manchmal können die Bewerber das Kind längere Zeit nur in Pflege nehmen, und eine Adoption ist lediglich ein (unsicheres) Fernziel. Eva Wolf erläutert, warum das für die neuen Eltern so hart ist: "Die meisten haben lange probiert, mussten Fehlgeburten und andere Enttäuschungen verkraften. Da hat die Vorstellung, dass das Kind nicht bei ihnen bleibt, einen immensen Schrecken."

Das offene Ende

Wer sich für eine Adoption bewirbt, hat keine Garantie, dass es klappt. Er muss lernen zu akzeptieren, dass ein Lebensplan vielleicht nicht in Erfüllung geht. "Das ist ganz schwer, weil heute die Menschen etwas anderes gewohnt sind: Ich habe ein Problem, ich löse es", sagt Eva Wolf. "Aber das kann man jetzt nicht alleine lösen." Man müsse sich auf Glück oder Fügung verlassen, ergänzt Sabine Kreiner. "Und was vielleicht das Allerschwerste ist: Ich klammere mich zu sehr an ein Bild von Familie und kann es nicht loslassen."

Die Reaktion der Umgebung

Früher, so erzählt Eva Wolf, seien adoptionswillige Paare gefragt worden: "Wollt ihr wirklich ein fremdes Kind aufnehmen?" Da habe sich viel verändert. Heute bekämen die Adoptiveltern meist zu hören: "Klasse, dass ihr das macht!" Laut Sabine Kreiner berichten ihr die Paare jetzt sehr oft: "Alle freuen sich mit uns."

Das Glück, das alles aufwiegt

Wenn es geklappt hat mit einer Adoption, strahlen neben den Eltern auch Eva Wolf und Sabine Kreiner. "Jede Vermittlung ist für uns ein großes Glück", sagt Eva Wolf, "zu sehen, wie glücklich die Eltern sind, wenn sie ihr Kleines zum ersten Mal in den Arm nehmen." Wenn man bei Kindern mit gesundheitlichen Problemen erkenne, "mit welch elterlicher Stärke, Liebe und Überzeugung die Eltern damit umgehen, dann ist das für uns eine Bestätigung, die richtige Wahl getroffen zu haben".

Für Sabine Kreiner ist es immer wieder bezaubernd, wie sich Paare auf ein Kind einlassen. Die meisten Adoptiveltern gewönnen dadurch noch einmal einen viel tieferen Blick auf die Familie, erlebten deren Glück viel bewusster als jemand, der problemlos eigene Kinder bekomme. "Man spürt: Ein Kind ist ein großes Geschenk. Ein Geschenk des Himmels." (Hintergrund)
Wenn ich sehe, dass es bei anderen mit der Adoption klappt, bei mir aber nicht, das tut weh.Eva Wolf
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