„Talk in der Ziegelgasse“ zum Tag der offenen Tür der Wirtschaftsschule
Prominenz auf Zahn gefühlt

Diszipliniert und interessiert zeigten sich die 131 angehenden Absolventen der fünf Abschlussklassen bei dem über einstündigen Wirtschaftsgespräch.
 
Standen beim "Talk in der Ziegelgasse" den Abschlussklassen Rede und Antwort (von links): Jens Franke (Siemens), OB Michael Cerny; Moderator Günter Simmerl, Sonja Schleicher vom Jobcenter und Horst Ott von der IG Metall. Bilder: usc (2)

In die Welt der Finanz- und Wirtschaftsthemen sowie der Arbeitsmarktpolitik in Amberg begaben sich zum Tag der offenen Tür die 131 Jungen und Mädchen der fünf Abschlussklassen der Wirtschaftsschule. Vertreter von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft und Jobcenter standen Rede und Antwort.

Mit OB Michael Cerny hatten die Zehntklässler einen eloquenten Ansprechpartner, denn die örtliche Bewältigung der Flüchtlingskrise interessierte die Fragesteller beim "Talk in der Ziegelgasse" ebenso wie die Entwicklung im Bereich Forum. Die Probleme, vor allem junge Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, stellten Sonja Schleicher vom Jobcenter und Jens Franke, kaufmännischer Leiter am Siemensstandort Amberg, dar. Horst Ott (IG Metall) war der Vierte in der Runde.

Deutliche Begrenzung


Die in Europa fehlende Solidarität bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise war ein Schwerpunktthema. "Wir würden heuer nicht mehr erneut das Tempo von 2015 schaffen", erläuterte Cerny aus der Erfahrung im kommunalen Bereich heraus. "Das stehen wir auf Dauer als Städte nicht durch", so seine Einschätzung. "Wir brauchen eine deutliche Begrenzung, um die Probleme handeln zu können", sagte er. Cerny forderte die Solidarität der EU-Mitglieder ein. Man müsse aber auch Länder wie die USA mit einbeziehen, die den Konflikt mit angezettelt hätten.

Das Jobcenter habe es derzeit nach Auskunft seiner Leiterin Sonja Schleicher mit einer geringen Zahl von Flüchtlingen zu tun, die ein großes Bleiberecht haben oder bereits als Asylbewerber anerkannt sind. Für diese sei das Jobcenter bei Maßnahmen zur Integration ins Arbeitsleben zuständig. Die Zahl werde aber steigen. Mit einem Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt rechnet sie nicht. Horst Ott hingegen berichtete von entsprechenden Befürchtungen bei Arbeitslosen.

Ob man offene Lehrstellen mit jungen Flüchtlingen besetzen könne, darauf zielte eine weitere Schülerfrage. Man brauche erheblich mehr Geld für Bildung, um Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt zu ertüchtigen, so Schleicher. Deren Qualität bezogen auf Schule, Ausbildung und Studium sei mit deutschen Standards nicht vergleichbar. Zur Anerkennung der Abschlüsse gebe es eine eigene Stelle.

Schleicher sprach von einem langwierigen Prozess der Integration. Dies treffe auch auf dringend gesuchte Fachkräfte zu. Zur Sprache kam, dass in Flüchtlingsfamilien völlig falsche Vorstellungen von den Verhältnisse in Deutschland herrschten. Viele seien in völliger Unkenntnis der Realität vorgeschickt worden, um hier Geld zu verdienen - für Schleuser und zurückgebliebene Angehörigen, wusste Schleicher.

Zur aktuellen Situation vor Ort berichtete der Oberbürgermeister, dass rund 600 Flüchtlinge untergebracht seien. Bei 42 000 Einwohnern sei Amberg damit nicht über-, sondern eher gefordert. Wichtig erscheine, dass Flüchtlingen mit Bleiberecht möglichst rasch Deutschunterricht angeboten werde. Diskutiert wurde die Frage, ob man über Betriebspraktika geeignete Nachwuchskräfte gewinnen könne. Jens Franke warf ein, dass man keine sehr guten Erfahrungen damit gemacht habe. Zeitarbeit und Mindestlohn waren weitere Schwerpunkte. Zur Situation von Leiharbeitern bei Siemens verwies Franke auf schwankende Geschäfte. "Die Verweildauer liegt nicht ganz in unserer Hand." 18 Monate seien aber kein Thema. Danach übernehme das Unternehmen diese Kräfte.

Kein Untergang


Der Mindestlohn hat nach Beobachtungen der IG Metall nicht zu gravierenden Folgen geführt. Der von Arbeitgebern befürchtete Weltuntergang sei ausgeblieben, meinte Ott. In der Summe funktioniere der Mindestlohn. Allerdings gab er zu bedenken: "Wer auf der Basis von Mindestlohn arbeitet, wird später in die Altersarmut fallen."

Mit Blick auf das brachliegende Gelände des Ex-Bürgerspitals kam die Frage nach der städtebaulichen Entwicklung in Verbindung mit der Umnutzung des Forums. Laut OB Cerny habe die Stadt mögliche Investoren aufgefordert, Ideen zu entwickeln. Es seien mehrere Vorschläge gekommen. Nächste Woche werde sich der Stadtrat damit befassen und finale Schritte mit Investoren starten.
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