Teil 5 der Serie "Amberger Nischen"
Die Madonna der Rührung

Das gleiche Motiv in der Oberen Nabburger Straße 21.
Amberg. Fast möchte man von der "Amberger Madonna" sprechen: Das Motiv des Gnadenbildes aus der Mariahilfbergkirche zeigt die versonnen blickende Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm. Ihr melancholischer Blick verweist schon auf die Passion. Das Christuskind scheint die Mutter trösten zu wollen, indem es ihre Wange tätschelt und das Beinchen keck über den Arm Mariens wirft.

Jedoch ist auch das Gnadenbild vom Berg keine neue Bildfindung gewesen, sondern die Kopie eines berühmten, wesentlich älteren Gemäldes. Lucas Cranach hat es 1503 für die Kreuzkirche in Dresden gemalt. Vorbild war ihm der aus der Ikonenmalerei bekannte Typus der Eleusa, der mitleidenden Maria. Wegen der Reformation in Sachsen kam das Madonnenbild in die königliche Gemäldesammlung. Dort gefiel es einem Besucher, nämlich dem Passauer Fürstbischof Leopold so gut, dass er es geschenkt bekam. Als er Landesherr von Tirol wurde, nahm er es mit nach Innsbruck, wo es heute noch als Altarbild der Kirche St. Jakob zu sehen ist. Nicht nur in Passau, im Niederbayerischen und in Tirol wurde das rührende Marienbild fleißig kopiert - auch in Amberg wählte es 1634 der Jesuitenpater Caspar Hell aus, um an den Trost Mariens während der Pest zu erinnern.

Mehrere Nischen und Fassaden in der Altstadt wurden in der Nachfolge mit dem Gnadenbild bemalt, von denen heute noch sieben erhalten sind. (Georgenstraße 57). Einzigartig ist die Umsetzung des Mariahilf-Bildes in der Oberen Nabburger Straße 21. In ein aus drei Holzbrettern zusammengefügtes Oval ist das Motiv als flaches Relief geschnitzt. Es wirkt wie ein Fassdeckel. Zwar ist als Bewohner oder Eigentümer kein Fassbinder bekannt, aber vielleicht geht die Zier auf einen im Haus nachweisbar ansässigen Bräuhandel zurück.

Zum Schutz des Holzreliefs wurde ein Blechdächlein gebaut, das an der höchsten Stelle kunstvoll die Buchstaben Marias verschlingt. So, wie das Dächlein das Bildnis bewahrt, so fühlte sich der Hausherr durch die "Madonna der Rührung" geschützt.
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