Teure Windelsäcke
Keine Kostenerstattung durch die Stadt

In Amberg wird es keinen kostenlosen Windelsack für inkontinente Personen und Wickelkinder geben. Bild: Huber

Sie stinken zum Himmel und wer sie in der Wohnung hat, will sie schnellstmöglich loswerden: volle Windeln. Doch was tun, wenn die Mülltonne schon wieder überquillt? Die SPD-Fraktion beantragte deshalb die Kostenübernahme durch die Stadt Amberg für die Windelentsorgung.

Daraus wird allerdings nichts. Das sah in der Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag im Rathaus auch die SPD als Antragstellerin ein. Aufwendig hatte die Verwaltung recherchiert und stieß auf ähnliche Gedankenspielereien aus dem Jahr 2006. Vor zehn Jahren wurde bereits geprüft, ob die Einführung eines kostenlosen Windelsackes möglich wäre. "Die Solidaritätsgemeinschaft der Gebührenzahler darf für eine Sonderleistung, die nur Einzelnen zu Gute kommt, nicht herangezogen werden", zitierte Matthias Seuffert das damalige Ergebnis.

Müllgebühren im Vergleich


Doch damit ließ es die Verwaltung nach der neuerlichen SPD-Anfrage nicht auf sich beruhen. Sie prüfte trotzdem die Höhe der Kosten, die das Angebot eines Windelsacks mit sich bringen würde. Bei derzeit 971 Wickelkindern im Stadtgebiet würde ein zusätzlicher Restmüllsack à vier Euro bei 26 Restmüllabfuhren im Jahr auf 100 984 Euro kommen. Auch das Bereitstellen einer zusätzlichen 60-Liter-Tonne, die 42 Euro pro Jahr kostet, summiert sich auf 40 782 Euro im Jahr. Hinzu kommt, dass die Zahl der inkontinenten Personen, die zu Hause gepflegt werden, bei der Stadt Amberg gar nicht bekannt sind. "Somit können die Kosten für einen Windelsack für diesen Personenkreis gar nicht abgeschätzt werden", sagte der Leiter des Sachgebiets Umwelt.

Allerdings hatte er noch einen Trumpf im Ärmel. "In der Stadt Amberg haben wir im bayernweiten Vergleich sehr niedrige Müllgebühren." In den Städten Bamberg und Ulm beispielsweise, die kostenfreie Windelsäcke anbieten, betragen die Gebühren für eine 80-Liter-Restmülltonne 128 Euro im Jahr, beziehungsweise 102 Euro im Jahr. In Amberg liegen diese bei 56 Euro.

"Gute Darstellung"


Die Verwaltung sprach deshalb keine Empfehlung für die Einführung eines Windelsacks aus. Die niedrigen Müllgebühren verblüfften die Mitglieder des Umweltausschusses dann doch. SPD-Stadtrat Volker Binner hatte vollstes Verständnis für die Empfehlung Seufferts und lobte die "gute Darstellung". Bürgermeister Martin Preuß fand den "Gedanken unterstützenswert", aber verwies auf die ohnehin niedrigen Müllgebühren.

CSU-Stadtrat Norbert Wasner hingegen stellte den Sinn des Antrags in Frage. "Wenn man den pflegenden Angehörigen helfen will, sollte man besser in die Fachstelle für pflegende Angehörige investieren", meinte er - wohl mit einem kleinen Seitenhieb auf die SPD. (Angemerkt)
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