Thema Inkontinenz
Wenn es immer wieder pressiert

Urologe Josef Koller und Frauenärztin Tanja Hauzenberger nahmen den Zuhörern die Angst vor einem Tabuthema. Bild: Gräß/Klinikum)

"Wer von Ihnen leidet an Bluthochdruck?" Josef Koller, Oberarzt der Urologie am Klinikum, führte beim Ratgeber Gesundheit etwas im Schilde, als sich gut 80 der mehr als 100 Zuhörer meldeten. "Und wer leidet an Inkontinenz?" Ganz verhalten gingen da nur ein paar Hände hoch.

Amberg. "Das zeigt, dass dieses Thema leider immer noch ein Tabuthema ist", stelle der Experte fest und ergänzte: "Ein Kompliment an alle, die sich getraut haben, sich zu melden. Und allen anderen Betroffenen wollen wir heute mit auf den Weg geben: Es ist nichts Peinliches an dieser Erkrankung. Wichtig ist, dass Sie zum Arzt gehen und sich helfen lassen."

Inkontinenz ist laut Koller vor allem ein Problem des Alters: Bis zu 40 Prozent der Frauen über 65 und etwa 10 bis 20 Prozent der Männer leiden daran. Warum deutlich mehr Frauen? "Das lässt sich oft durch Schwangerschaften erklären", sagte Dr. Tanja Hauzenberger, Oberärztin der Frauenklinik. "Die hormonelle Umstellung und der Druck des Babys von oben auf die Blase verursachen - auch bei jüngeren Frauen - Kontinenzprobleme." Meist sei wenige Monate nach der Entbindung wieder alles in Ordnung. Allerdings könnten Geburtstraumata, also Verletzungen des Gewebes, die während der Entbindung passieren, auch eine Ursache für eine spätere Inkontinenz sein. Auch Übergewicht oder eine angeborene Bindegewebsschwäche spielen laut der Expertin eine Rolle.

Vor der Behandlung stehe ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch, in dem den Ursachen auf den Grund gegangen wird. Danach können auch noch körperliche Untersuchungen wie Ultraschall, Urin- und/oder Blutuntersuchung, manchmal auch weiterführende Untersuchungen wie Blasenspiegelung oder Röntgen folgen. Denn bevor die Inkontinenz behandelt werden kann, muss erst festgestellt werden, welche Art der Erkrankung vorliegt. "Wir unterscheiden zwei Hauptformen", sagte Koller. "Die Belastungsinkontinenz mit unwillkürlichem Urinverlust bei körperlicher Belastung, beim Niesen oder Husten und die Dranginkontinenz mit überfallartigen Harndrang."

Die Dranginkontinenz ist die Form, die bei Männern verstärkt auftritt. Oft ist die Ursache eine Prostatavergrößerung, auch ein Infekt oder Harnsteine können dafür verantwortlich sein. Werden die Ursachen behandelt, verschwindet in der Regel auch die Harninkontinenz. "Gegen die Dranginkontinenz gibt es auch Medikamente: in Tabletten- oder Pflaster-Form", erklärte der Urologe.

Allerdings können diese Medikamente auch Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Sehstörungen mit sich bringen. Wenn alle Therapieformen ausgeschöpft sind und der Patient immer noch an den Inkontinenzsymptomen leidet, gebe es noch die Möglichkeit, Botox in den Blasenmuskel einzuspritzen. "Das passiert während einer Blasenspiegelung und lähmt den Blasenmuskel bis zu einem gewissen Grad."

Und wann ist eine OP notwendig? "Wir empfehlen immer, erst alle konservativen Therapieformen auszunutzen", riet die Frauenärztin. Das Wichtigste zusammengefasst: "Sie sollten die Inkontinenz nicht hinnehmen! Diese Erkrankung wird im Alter zwar wahrscheinlicher, aber sie ist in keinem Alter normal." Und: "Inkontinenz ist behandelbar."
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