Tierheim Amberg appelliert an Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren zu lassen
Gegen das Katzenelend

Mutter Emma ist mit ihrem aufgeweckten Nachwuchs - insgesamt sind es vier Kätzchen - ein Teil der Katzenschwemme im Amberger Tierheim. Dort appelliert man an alle Katzenhalter und -freunde, ihre Lieblinge kastrieren zu lassen, damit durch die unkontrollierte Vermehrung der freilebenden Tiere das Katzenelend nicht noch vergrößert wird. Die Kastration sollte etwa mit einem halben Jahr erfolgen, auf jeden Fall vor Beginn der Geschlechtsreife. Achtung: Katzenmütter, die noch säugen, können sich trotzdem bereit

Es ist ein trauriger Rekord. Einer, der einen Hilferuf nach sich zieht: Zehn trächtige Katzen sind in den vergangenen Tagen ins Tierheim eingezogen. Es beherbergt nun insgesamt 51 Kater, Kätzinnen und Kätzchen und platzt aus allen Nähten.

"Das Drama geht weiter, wenn wieder fünf Babys zur Welt kommen", sagt Sabine Falk, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Sie appelliert an alle Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren zu lassen. "Nur so kann die dramatisch hohe Anzahl an Katzen ohne ein liebevolles Zuhause auf Dauer reduziert werden." Der Deutsche Tierschutzbund spricht noch drastischer von "Katzenelend".

Auch bei den Weibchen nennt man es Kastration, wenn dabei die Eierstöcke entfernt werden. Ohne diese Maßnahme droht eine weitere unkontrollierte Vermehrung der Freigänger-Katzen und in der Folge extremes Leid, da die frei lebenden Tiere oft halb verhungert sind und von vielen Krankheiten, Flöhen und Würmern geplagt werden.

Sabine Falk und ihre Mitarbeiter wissen, dass die Kastrationskosten für viele eine hohe Hürde sind. Bei einem Männchen betragen sie rund 50 Euro, bei Weibchen gut 100. Die Tierarztgebührenordnung lege das so fest. Auch das Tierheim zahle den vollen Preis. Dazu komme dann noch zweimal impfen und entwurmen. "Das heißt, wir zahlen bei jedem Tier drauf." Denn wenn man sie an Interessenten abgebe, verlange man viel geringere Sätze; bei zehn Wochen alten Katzen etwa 50 Euro. Die Kosten für die Mitarbeiter des Tierheims, die sich darum kümmern, sind in der Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Und schon gar nicht der Aufwand, den es bedeutet, gemeldete Katzen aus dem ganzen Landkreis abzuholen. Meist macht das der Vater von Sabine Falk - ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen. "Oft ist er den ganzen Tag dafür unterwegs", erzählt Tierheimleiterin Carmen Gurdan.

Die Katzen, die im Tierheim landen, wurden ausgesetzt, von Autos angefahren oder von Familien abgegeben, die sie nicht mehr möchten. "Fundtiere müssen wir nehmen, Abgabetiere nicht", beschreibt Sabine Falk die Vorgaben. Einige Tiere kommen von Futterstellen, also von Privatleuten, die ein paar halbwilde Katzen füttern und damit immer mehr anlocken, darunter auch verletzte und erkrankte. Die Helfer vom Tierheim fangen sie ein, lassen sie impfen, entwurmen und kastrieren.

Mittlerweile ist nicht nur die Katzenquarantäne voll, sondern auch die Räume im Hauptgebäude. "Wir haben einfach zu wenig Platz", sagt Carmen Gurdan. Bisher hat man halt immer noch eine Katze in eigentlich schon voll belegte Räume gegeben, aber allmählich geht das nicht mehr. "Die letzte Möglichkeit wäre, dass wir andere Tierheime fragen", zeichnet Sabine Falk ein düsteres Bild. Es wäre wohl schon so weit, gäbe es nicht die Pflegefamilien, die trächtige Katzen aufnehmen und sich auch nach der Geburt noch einige Zeit um Mutter und Kinder kümmern. "Ohne diese liebevollen Menschen könnten wir das alles gar nicht stemmen. Ihnen sind wir sehr dankbar." Ganz dringend sucht man noch für mindestens zwei weitere trächtige Katzenmamas Pflegefamilien.

Wie man helfen kann


Wer sich dazu nicht durchringen mag, aber helfen will, kann das auch mit Geldspenden tun, "denn die alljährliche Katzenschwemme ist schon eine große finanzielle Belastung für uns". Dankbar wäre man im Tierheim ferner für Futter (Aufzuchtmilch, Baby Paté) oder Katzenstreu. Zudem sind dort zwei Stellen im Bundesfreiwilligendienst frei. Infos unter Telefon 09621/8 26 00. (Angemerkt)

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Weitere Informationen:

www.tierheim-amberg.de

Wir zahlen bei jedem Tier drauf.Sabine Falk


Die 240-Millionen-RechnungDie Katzenschwemme entsteht nicht zuletzt durch die Fruchtbarkeit der Tiere. Ein Weibchen bringt für gewöhnlich zweimal im Jahr vier bis sechs Junge zur Welt. Ein Rechenbeispiel: Überleben davon immer drei, die sich dann mit derselben Rate vermehren wie ihre Mutter, hat die nach zehn Jahren 240 Millionen Nachkommen. (ll)
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