Tipps der Verbraucherzentrale
„Wehren und nicht zahlen“

"Die klassische Internet-Abzocke kehrt zurück." Zitat: Verbraucherschützerin Elisabeth Graml
 
Die Kündigungswelle bei Bausparern beschäftigt noch die Gerichte. Betroffene können auf den Verbraucherschützer-Seiten ein standardisiertes Widerspruchsformular herunterladen. Archivbild: dpa

Bausparer gekündigt, im Internet abgezockt oder zu hohe Telefonrechnung: Bei Unternehmen, die ihre Kunden hinters Licht führen wollen, sind die Verbraucher oft hilflos.

Amberg/Weiden. (ath/dko) Es sei denn, sie wenden sich an die Verbraucherzentrale: Sie berät bei kniffligen Rechtsfragen und deckt Tricks der Firmen auf. Einige Beispiele mit Experten-Tipps aus der Region:

Ab in den Urlaub oder nicht?

Der Reise-Konzern Unister hat vorläufige Insolvenz angemeldet. Zu ihm gehören rund 40 Preisvergleichsportale wie Ab-in-den-Urlaub- oder fluege.de, die nicht der Anbieter der gebuchten Leistungen sind. Das sind die Reiseveranstalter oder Fluggesellschaften, für die Unister als Vermittler auftritt. Dort müssen Kunden laut Verbraucherberatung nachfragen, ob ihr bereits gezahltes Geld angekommen ist und somit keine Gefahr mehr besteht, dass es in die Insolvenzmasse fallen könnte. Unabhängig davon habe Unister den Medien gegenüber angekündigt, das operative Geschäft weiterführen zu wollen.

Lichter gehen nicht aus

Der Energieversorger Care-Energy kann Kunden im Gebiet des Übertragungsnetzbetreibers Tennet nicht mehr beliefern: Darauf macht die Verbraucherzentrale aufmerksam. Sie rät Betroffenen, jetzt ihre Zählerstände abzulesen und den Vertrag mit zu kündigen. Ist das von Unternehmensseite schon geschehen, "braucht niemand befürchten, demnächst ohne Strom im Dunkeln zu stehen", sagt Marion Gaksch von der Amberger Verbraucherberatung. Im Kündigungsfall tritt automatisch die gesetzliche Ersatzversorgung in Kraft, die in der Region von den Grundversorgern geleistet wird. Sie meldeten sich per Post bei den Kunden. Falls den Verbrauchern die Konditionen nicht zusagten, könnten sie sich einen anderen Anbieter suchen.

Rentenhöhe gefährdet

Bei Lebens- und Rentenversicherungen sinkt die prognostizierte Auszahlungshöhe immer weiter. Es ergeben sich laut der Weidener Verbraucherberaterin Elisabeth Graml mittlerweile "deutliche Abweichungen nach unten." Verbraucher kommen in die Gefahr, dass die Altersvorsorgeplanung nicht mehr aufgeht. Hier bietet die Verbraucherzentrale professionelle Finanzberatung an.

Bausparer einseitig gekündigt

Die Verbraucher hatten in Bezug auf Geldanlagen viel Redebedarf. Nicht nur Renten- und Lebensversicherungen waren Thema: "Die Bausparer aus den 90er Jahren wurden von den Bausparkassen gekündigt, weil sie die hohen Zinsen nicht mehr zahlen wollen", erläuterte Graml. "Betroffene können normalerweise nicht erkennen, ob die Kündigung rechtens war." Die Verbraucherzentrale ergreife Partei für die Sparer: "Aus unserer Sicht sind die Kündigungen nicht rechtens. Die Kunden können auf unserer Homepage ein standardisiertes Widerspruchsformular herunterladen." In dieser Sache habe es aber noch keine höchstrichterliche Entscheidung gegeben.

Internetabzocke zurück

Laut Auskunft der Weidener Verbraucherschützerin Elisabeth Graml kehrt die klassische Internetabzocke zurück. So werden die Verbraucher seit neuestem auf unbekannte Online-Routenplaner gelotst. "Sie geben dort ihre Adresse zur Planung der Strecke ein. Kurz darauf erhalten sie Rechnungen und Mahnungen mit der Post. Fragwürdige Shoppingseiten bieten derzeit äußerst günstige Elektrogeräte oder Schlankmacher an.

Nach dem Kauf behaupteten die Händler, die Kunden hätten ein Abonnement abgeschlossen. "Und die nächste Rechnung ist dann gesalzen, weil die Kunden ein Jahr im Voraus zahlen sollen", erläutert Verbraucherschützerin Graml. Hierbei handle es sich um Verträge, die eigentlich nicht zustande gekommen sind. Sie rate den Verbrauchern: "Wehren und nicht zahlen!"

Die klassische Internet-Abzocke kehrt zurück.Verbraucherschützerin Elisabeth Graml


HintergrundIm Jahr 2015 beriet die Verbraucherzentrale insgesamt knapp 1700 Ratsuchende. 29 Prozent davon besuchten die Weidener Beraterin Elisabeth Graml um über Fragen der Telekommunikation zu sprechen. Häufigstes Thema: vertragliche Fragen, Rechnungen und Feinheiten des Rundfunkbeitrags. Weitere 28 Prozent suchten bei Graml Rat zu Finanzen, Versicherungen oder Altersvorsorge. 25 Prozent informierten sich über Themen aus Markt und Recht.

In Amberg beriet Verbraucherschützerin Marion Gaksch knapp 1900 Ratsuchende. Auch dort waren häufig Telekommunikationsanbieter Thema. Gaksch berichtet über Ärger beim Anbieterwechsel oder bei der Umstellung auf IP-Technik. Auch informierte sie zu Kauf- und Werkverträgen und zu Reisen.

Ein Problem, dem nach ihren Worten nicht beizukommen sei, waren ferner Anrufer mit falscher Identität. Trickbetrüger gaben sich etwa als Rentenberater, Staatsanwälte oder Verbraucherschützer aus. "Wer damit konfrontiert wird, sollte Forderungen mit größtem Misstrauen hinterfragen und keinesfalls persönliche Daten preisgeben", warnte sie. (ath/dko)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.