Und der Oscar geht an ...
Verdiente Projekte

Bild: dpa

Roter Teppich, Stars und Sternchen: In der Nacht zum Sonntag gibt es in Hollywood die Oscars. Die Redaktion verleiht auch Trophäen – rein virtuell. Nicht an die Prominenz, sondern weil es manchmal eine Sache, ein Mensch oder ein Projekt einfach verdient hat.

Kuppel des Martinsturmes


Was steckt dahinter? Sie war die Entdeckung des vergangenen Jahres, der Stern am Himmel: Die neu beschlagene Kuppel des Martinsturmes. Über Monate hinweg zog sie die Blicke der Amberger auf sich und tut es heute noch.



Begründung: Der Martinsturm ist nicht nur ein Blickfang, sondern das Wahrzeichen unserer Stadt. Seine Renovierung hat die Menschen auf eine Zeitreise zurück ins Mittelalter befördert. Vor den Augen der Öffentlichkeit wurde die Kugel geöffnet, in der ganz oben an der Spitze über 300 Jahre alte Dokumente eingeschlossen waren. Der Oscar geht stellvertretend für alle Beteiligten an Architektin Carola Setz und die Spengler-Brüder Josef und Peter Böhnisch. (upl)

Ethik-Forum der OTH


Was steckt dahinter?
Eine 2009 eingerichtete Veranstaltungsreihe im dann inzwischen meist überfüllten OTH-Audimax Siemens-Innovatorium. Im Stil von Statements und Podiumsgesprächen werden Themen der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion aufgegriffen. Zwölfmal schon.



Begründung: Technisch ausgerichtete Universitäten und Hochschulen bekleckern sich in der Regel nicht mit geistes- und gesellschaftswissenschaftlichem Ruhm. Unausgesprochen gilt ausschließlich der Utilitarismus - meist unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit - als die einzig wahre Geisteshaltung für einen Vollbluttechniker. Das Ethik-Forum setzt Akzente, dieses Denken ernsthaft und fundiert in Frage stellen zu dürfen. Denn Technik ist nicht wertfrei, wie oft behauptet wird. Technik ist von Menschen gemacht und menschliches Tun ist stets von Werten geleitetes Handeln. Fragt sich nur von welchen? Diese Diskussion wird als Gedankenanstoß mit Studierenden viel zu wenig geführt. (zm)

Amberger Bands


Was steckt dahinter?
Viele Namen: The Fantastic Pepperboyz, Fundamental Soul Thunder, Grand Slam Mackl & Friends, Major Knockout, Jo and the Dudes, Special Gue$t, Motörblöck, Volker & die Folgsamen, Mindjuice, Delicious, Ernst des Lebens, ÉireMusik, Beatnix, Analkommando, Folatta, The Grunge, Mad Ferrit, Bourbon, Electrified Groovers, Sunny Recorders, Striker, ACDC II, Black Netic, j-Steam, 2 hours till Breakdown ... - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Sie alle schaffen eine Rock'n-Roll-Dichte, die es in keiner vergleichbaren Stadt gibt.



Begründung:
Musik ist der schöne Ausdruck dafür, die Seele leicht und das Herz stark zu machen. Wenn eine Stadt viele grandiose Musiker, Solokünstler und Bands mit Leidenschaft hervorbringt wie Amberg, dann kann sie gar nicht so verkehrt sein. Das ist uns den Oscar wert. (roa)

FC Amberg


Was steckt dahinter?
Von 1998 bis 2003 gelangen dem Verein fünf Aufstiege von der A-Klasse bis in die Landesliga Mitte (fünftklassig). Wer gedacht hatte, dass damit bereits die größte Erfolgsgeschichte des Vereins geschrieben war, musste sich eines Besseren belehren lassen. Die Mannschaft stieg in der Vorsaison in die Regionalliga auf, ist damit viertklassig und auf Augenhöhe mit ehemaligen Erstligisten wie der SpVgg Unterhaching oder Ex-Zweitligisten wie Schweinfurt, Bayreuth und Regensburg.



Begründung:
Der FC Amberg hat es geschafft, mit vielen kleinen, wohldurchdachten Schritten die Basis dafür zu legen, auf Dauer höherklassigen Fußball zu bieten. Der Club verpasste sich unter der Führung von Helmut Schweiger eine neue Struktur, arbeitet wie ein Profi-Betrieb und schaffte es dabei auch noch, junge Spieler zu integrieren. Nur Oliver Gorgiev (35), Matthias Götz (33) und Benjamin Werner (30) sind über 30. Einen großen Anteil am Erfolg hat auch Trainer Timo Rost, der trotz Angeboten von größeren Vereinen dem FC Amberg die Treue hält. (tk)

Dr. Ulrich Siebenbürger


Wer steckt dahinter?
Der Vorsitzende der Projekthilfe Dr. Luppa fürchtet sich weder vor Ebola noch Al-Kaida. Er hat trotz der verheerenden Virusepidemie 2015 und der permanenten Gefahr durch islamistischen Terror das Projektgebiet der Amberger Entwicklungshilfeorganisation in Westafrika mehrfach besucht. Dabei erlebten er und seine Ehefrau erst Mitte Januar in Burkina Faso, wie groß das Risiko dieser Reisen für die gute Sache manchmal ist. "Der Liebe Gott hat uns vor dem Terroranschlag in Ougadougou bewahrt", sagt Dr. Ulrich Siebenbürger. Tatsächlich geschah der Angriff auf ein Restaurant und Hotel in der Hauptstadt mit am Ende 27 Toten nur wenige Meter von ihrer Unterkunft entfernt.



Begründung: 1997 hat Dr. Ulrich Siebenbürger das Amt des Vorsitzenden vom einstigen Vereinsgründer Dr. Dietrich Luppa übernommen. Und obwohl er die ehrenamtliche Arbeit der Projekthilfe genauso erfolgreich fortsetzte, rückte er dabei nie seine Person in den Vordergrund. Als Kinderarzt ist er zwar ebenso bekannt wie der frühere Allgemeinarzt Dietrich Luppa, aber gesellschaftlich drängt er mit seiner Funktion nie in die Öffentlichkeit. Es geht ihm immer nur um die Armen, für die er sich nun seit fast zwei Jahrzehnten als Vorsitzender der 52 Jahre alten Entwicklungshilfeorganisation einsetzt. Er verdient einen Oscar als einer der unprätentiösesten Ehrenamts-Vertreter in Amberg. (ath)

Sulzbach-Rosenberg hilft


Wer steckt dahinter?
Alle Menschen sind Ausländer, fast überall. Ein Satz, den sich die Initiatoren von "Sulzbach-Rosenberg hilft" zu eigen gemacht haben. Seit August 2015 kümmern sich etliche Freiwillige rund um Hans Lautenbach um Menschen in der Herzogstadt, die nach Deutschland geflüchtet sind.



Begründung:
Hier haben sich aus eigenem Antrieb heraus Leute gefunden, die all jenen unter die Arme greifen wollen, die nicht nur unverschuldet in Not geraten sind, sondern die auch alle ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und aufgeben mussten. Die Initiative hilft bei ganz einfachen Dingen wie der Beschaffung von Kleidung, Schultaschen und bei der Ausstellung eines Krankenscheins. Daneben kümmern sich die Helfer mit bei der Suche nach Ansprechpartnern, sei es bei Sportvereinen, bei Fragen um die Stellung eines Asylantrags, eines Praktikums- oder Arbeitsplatzes. Auch Sprachkurse und Hilfestellung beim Thema Studium zählen zur Programmpalette. Die Initiative freut sich stets über neue helfende Hände. (ben)

Asphaltkapelle Etsdorf


Was steckt dahinter?
Ein 2x5x3 Meter kleines Gebäude aus Gußasphalt, geschaffen von Wilhelm Koch, Künstler und Leiter des Luftmuseum, bei den Oberbayrischen Kulturtagen in Altötting, danach neu aufgebaut in einem Waldstück bei Etsdorf und 2002 als Kapelle geweiht.



Begründung:
Weil man hier so wunderbar Einkehr halten kann. Im doppelten Wortsinn. Wer einmal bei der Asphaltkapellen-Kirwa war, weiß, wie schön es ist, bei dieser vielleicht kleinsten Kirwa im Landkreis - ganz ohne Trubel, aber mit barfuß handgemachter Musik - die Zeit anzuhalten. Da macht es auch nichts, wenn mal wieder die Bratwürstl ausgehen. Wo sonst kann man ein Konzert für zwölf nicht nur hören - sondern sogar fühlen, weil ein unaussprechliches Instrument zuerst die schwarzen Asphaltwände und dann die Seele des Zuhörers in Schwingung versetzt? An allen anderen Tagen findet man genau hier Zeit und Raum für Gott und die Welt. (eik)


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