Und jedem Ende folgt ein Neuanfang
"Wenn eine Ära endet" - drei Porträts dreier Generationen

Eine entspannte, mit Datum 29.07 nun ehemalige Lehrerin
 
....mit einer nach 42 Jahren zum ersten Mal LEEREN Schultasche!
 
Andreas entspannt in der Fußgängerzone Amberg.
Kindergarten, Schule, Berufsleben - alles hat seine Zeit. Haben diese Lebensphasen etwas gemeinsam? Wir haben nachgeforscht. Denn mit Ferienbeginn endeten auch drei Ären dreier Menschen von 6 bis 63 Jahren. Herausgekommen sind ganz persönliche Portraits. Und die Antwort auf die Frage, welche Rolle das Thema Freiheit für alle spielt.

Kindergarten - die erste Ära


Für fast alle von uns war das der erste wirklich große Schritt in die Welt. M. (7 Jahre, aus einem Dorf bei Amberg; den Schutz von Kindern achten wir besonders). Das Mädchen besuchte von März 2013 bis Juli 2016 einen Kindergarten. "Unsere Tochter ging total gern hin. Sie hat den Kindergarten geliebt", erzählt die Mutter.

"Sie war dort, ja ich würd sagen, daheim! Trennungsschmerz hatte sie nur an zwei Tagen, und auch nur weil wir vorher Knatsch hatten. Ansonsten hüpfte sie souverän ins Gruppenzimmer zu ihren geliebten Freunden und Erzieherinnen. Oh ja, sie wird sie vermissen. Das war ja schon schwer beim Personalwechsel."

Für M. wird die Betreuungszeit auch während der Schule noch weitergehen. "Sie kommt als Hortkind jeden Nachmittag nach der Schule wieder in die Kita. Da gestaltet sich der Abschied und Neuanfang sanfter." Manche Tage hätten sich besonders in das Gedächtnis der Kindes eingeprägt. "Die Übernachtungsparty jetzt zum Ende, für alle Vorschulkinder zum Beispiel. Erst trafen sich alle am Piratenspielplatz, in der Dämmerung ging es dann zum Kindergarten, und dort gab`s noch ein Lagerfeuer. Im Schlafsack lümmelten dann alle im Turnraum herum. M. war sowas von begeistert, als ich sie am nächsten Morgen abholte."

Die Eltern sind guter Dinge. "Unsere Tochter fühlte sich wohl. Ich wusste, sie ist gut aufgehoben. Ich hatte nie Sorge, dass was schiefgehen würde. Der Kindergarten war unser unterstützender Arm. Ich und mein Mann, wir konnten entspannt unsere Arbeit machen ohne sorgenvoll an unser Kind denken zu müssen. Diese Freiheit zum Arbeiten schätzten wir sehr."

Jetzt beginnt für das Mädchen ein neuer Lebensabschnitt. "Die Schonzeit ist vorbei, der Schutzmantel ist abgelegt. Für uns bedeutet es ein weiteres Loslassen", sagt die Mutter. "Beim ersten Kind wollte ich es schon am zweiten Tag wieder aus der Schule holen. Ich saß wie auf Kohlen. Im September werd ich gelassener sein."

Schule - die zweite Ära


Andreas Inderst (17 Jahre, Amberg), hat die Mittlere Reife an der Staatlichen Realschule Amberg bestanden. Der junge Mann wirkt sehr entspannt. Wie er sich momentan fühlt? "Gut, lässig, frei."

Was wirst du nicht vermissen?
"Chemie und Bio. Und den, der uns in diesen Fächern was beibringen sollte! Das Fach selber war spannend, nicht aber der Lehrer."

Deine Lieblingsfächer?
"Sport und Englisch."

Abschiedsrituale sind ja wichtig. Gibt es eine Schulzeit-Ende-Freunde-Tour?

"Nein. Auf die Idee kam irgendwie keiner. Schade."

Deine Pläne für die nahe Zukunft?
"Ich mache ein freiwilliges Praktikum beim Autohaus Fischer. Wenn mir das gefällt, und ich die Sache gut mache und man mir einen Ausbildungsplatz anbietet, dann starte ich ab Herbst noch meine Ausbildung zum KFZler."

Möchtest du in Amberg bleiben? Was ist mit einem Auslandsaufenthalt?

"Ja. Ich leb gern hier. Meine Freunde und meine Familie sind hier. Ob mal was derartiges ansteht? Keine Ahnung, vielleicht. Den Horizont weiten ist immer gut."

Freust du dich auf`s Berufsleben?
"Absolut. Das war genug Schule. Ich will selbstständig sein, eigenes Geld verdienen, mal eine Wohnung oder Haus haben, Familie gründen."

Was war dein doofstes Erlebnis deiner Schulzeit?
"Puuh, da gab es genug. Vielleicht das hier: Ich war Sechstklässler. Ein Junge aus der 5. Klasse rannte auf dem Gang an mir vorbei. Ich stellte ihm ein Bein, `ne richtige Schwalbe halt. Einfach so. Er schoss auf dem Fliesenboden wie ne Rakete dahin. Er heulte heftig, hat g`scheit wehgetan. Tja, verschärfter Verweis!"

Was war dein coolstes Erlebnis?
"Der Chemie/Bio-Fachlehrer wurde jetzt, am Ende meiner Schulzeit, für seine ständigen jahrelangen Ungerechtigkeiten gegenüber mir von meinem Papa so richtig zusammengestaucht! Denn entgegen seiner Prophezeiung, dass ich`s nicht schaffen werd` hab ich einen guten Realschulabschluss gemacht. Und jetzt pack ich`s weiter an. Ja, das mit Papa, das war cool!"

Berufsleben - die dritte Ära


Traude Kirschner (63 Jahre, Amberg), geboren in Unterfranken, in den 80ern wegen der Liebe und einem großem Forsthaus in die Oberpfalz gekommen, war 38 Jahre lang Lehrerin für Englisch und Sport an verschiedenen Hauptschulen in der Oberpfalz, zuletzt 17 Jahre an der Krötensee-Schule Sulzbach-Rosenberg.

Traude, du hast dein Staatsexamen Lehramt Englisch/Sport 1974 gemacht, vor 42 Jahren. Warum willst du nun, nach 40 Jahren Ferien, in den Ruhestand?

"Ich will nicht, ich muss! Mehr als mein halbes Leben war ich nun Lehrerin, das war die intensivste Zeit meines Lebens. Da verblasst die Kindheit. Diese Berufszeit hat mich als Mensch geprägt."

Warum bist du Lehrerin geworden?
"Nach der Volksschule machte ich eine Lehre als Apothekenhelferin. Gleichzeitig, mit 16 Jahren, besuchte ich eine Abendschule und lernte erstmals Englisch. Ich hab gern gelernt, und entdeckt, dass ich gut erklären kann. Daher bin ich zum Sprachstudium nach England. Dann Lehramtsstudium. Das war das einzig Richtige für mich. Die beste Entscheidung meines Lebens."

Was war dein coolstes Erlebnis?
"Im ersten Dienstjahr, ich 21 Jahre alt. Meine erste Pausenaufsicht in der Aula. Ein Kollege kommt und sagt zu mir: So, meine Kleine, jetzt gehen wir aber in den Pausenhof!. Darauf ich: Nein, Herr Kollege, das werde ich nicht. Da war er aber irritiert! Etwas später hat er mir dann die Hand gereicht und mich kollegial willkommen geheißen.

Was ist dir negativ in Erinnerung geblieben?
"Eine Situation im Unterricht. Ich stolpere über das Kabel vom Projektor und falle längs hin. Schockmoment! Ich hatte Angst vor Spott und Blamage! Aber keineswegs: alle Schüler waren besorgt, setzten mich auf einen Stuhl, reichten mir Tuch und Wasser. Ich wurde richtig umsorgt.

Wenn du wie im Flieger die 40 Jahre gedanklich überfliegst, wie ist dein Gefühl?
"Intensiv. Sie haben mich zu dem Menschen gemacht der ich jetzt bin. Zum Ende hin, so im letzten Viertel, die letzten 10 Jahre, hab ich mein wahres Potenzial erkannt und bin so richtig professionell geworden. Lag auch daran, dass ich von den Kollegen respektiert und gebraucht wurde. Bis zum Schluss habe ich so 100-prozentigen Einsatz zeigen können. Es war Disziplin und viel Arbeit, besonders das endlose Korrigieren. Aber noch viel mehr war es Freude und Erfüllung. Als Lehrer will man mit den Schülern gemeinsam das Ziel, den Schulabschluss, so gut wie möglich erreichen. Das ist eine große Motivation, Verantwortung und Aufgabe, die zu Höchstleistungen antreibt. Ein tolles Gefühl, wenn es gelingt. Und dann siehst du all das nicht mehr als Arbeit, sondern als Berufung!"

Traude, du hast eine sichere Rente, bist fit, hast Familie und einen großen Kreis von ehemaligen Kollegen und Freunden. Kommt jetzt die große Freiheit?
"Meine Arbeit war mir immer Freude. Ich war ja nie gefangen von ihr. Aber ja, jetzt bin ich frei von Verpflichtungen. Frei von dem Gefühl, dem inneren Auftrag, am nächsten Tag wieder Bestes leisten zu wollen. Das Beste ist jetzt, dass endlich, endlich das Ende aller Korrekturen und des 45-Minuten-Taktes da ist! Nie mehr der Schulgong! Gern würde ich weiter unterrichten, aber ohne Gong und Zeitdruck."

Hast du dir schon eine neue Herausforderung ausgesucht?
"Auf mich wartet eine ganz besondere: Im Februar 2017 werde ich Großmama. Klar, dass mein Enkel früh Englisch sprechen wird. Ich begrüß es gleich mal mit "Hello, my sweetie!"

Traude, dein Credo nach 40 Jahren Schulbank drücken?
"If you want to go fast - go alone! If you want to go far - go together!"
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