Urteil für Vergewaltiger
39-Jähriger muss vier Jahre ins Gefängnis

Symbolbild: dpa

Sexuelle Handlungen im gegenseitigen Einvernehmen oder ein übles Verbrechen? Nach zweitägigem Prozess gab die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts eine Antwort darauf.

Amberg/Schwandorf. Sie schickte den 39-jährigen Asylbewerber für vier Jahre hinter Gitter und stellte ihm in Aussicht, dass er nach seiner Haftverbüßung aus Deutschland ausgewiesen wird.

Opfer drogenabhängig


Es war, wie die Kammervorsitzende Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung unterstrich, "ein ganz besonderer Fall, den wir vor uns hatten." Schon allein deswegen, weil zwei völlig unterschiedliche Personen darin verwickelt gewesen seien. Einerseits ein kaum Deutsch sprechender Ausländer, auf der anderen Seite eine junge Frau aus Schwandorf, die als drogenabhängig bekannt ist und wegen ihrer Sucht von einem Arzt regelmäßig sogenannte Substitutionsmittel erhält.

Nach Überzeugung der Richter spielte diese Rauschgiftabhängigkeit keinerlei Rolle, als sich am 15. Juni letzten Jahres am Rande des Schwandorfer Stadtparks ein Sexualverbrechen abspielte. Der 39-Jährige hatte die junge Frau angesprochen, sie nach dem Weg zum Marktplatz gefragt. "Aus Freundlichkeit", wie die Kammervorsitzende Roswitha Stöber sagte, sei sie dieser Bitte nachgekommen und plötzlich in ein Gebüsch gezogen worden. Dort griff ihr der Täter in die Jeanshose und nahm "Manipulationen" vor, die "vom Gesetz her einer Vergewaltigung gleichgestellt sind." Der Angeklagte schwieg während des gesamten Prozessverlaufs. Im Vorfeld hatte er aber mehrfach geäußert, die Geschehensabläufe hätten in beiderseitigem Einvernehmen stattgefunden, die Frau sei bei seinen Annäherungsversuchen von sich aus sexuell tätig geworden und habe von ihm Geld verlangt. Das verwies die Strafkammer in den Bereich der Legenden.

Sechs Jahre beantragt


"Die Angaben des Opfers sind glaubwürdig", stellte die Gerichtsvorsitzende fest. Davon war zuvor auch eine psychiatrische Sachverständige überzeugt. Sechs Jahre Haft hatte Staatsanwältin Michaela Frauendorfer beantragt. "Es gibt keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Frau", sagte sie in ihrem Plädoyer. Die Forderung auf Freispruch kam von Verteidiger Dominic Kriegel (Weiden). Er führte ins Feld, dass es sehr wohl abweichende Angaben der 21-Jährigen gegeben habe und man auf ihre Aussagen keine Verurteilung stützen könne.

Es gibt keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Frau.Staatsanwältin Michaela Frauendorfer über das Opfer
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