Urteil in Amberg
Haftstrafe wegen Brandanschlags auf Ausländerwohnheim in Hirschau

Der Angeklagte (Mitte) im Gerichtsaal. Bild: Steinbacher
 
Der Angeklagte (Mitte) im Gerichtsaal. Bild: Steinbacher

Grund zur Freude hat nur der Angeklagte. Nach einem Brandsatz-Anschlag auf das Ausländerwohnheim in Hirschau kommt der 25-Jährige glimpflich davon. Das Amberger Schwurgericht war in seinem Urteil von einer Mordabsicht nicht überzeugt.

Amberg/Hirschau. Der Familienvater hatte nach seiner Festnahme die Versionen vom Tatablauf in der Nacht zum 7. Februar immer wieder geändert. Mal war er allein, dann spielte ein zweiter Täter mit. Ein Wust diverser Angaben, durch den sich die Richter drei Tage lang zu kämpfen hatten. Für sie stand zum Schluss fest: "Der Beschuldigte ist ohne das Zutun eines anderen tätig geworden."

Das Vorgehen war verbrecherisch. Der in Hirschau nicht weit vom Asylbewerberheim entfernt wohnende Kasachstan-Übersiedler handelte nach Überzeugung des Schwurgerichts aus Gründen der Fremdenfeindlichkeit. "Obwohl er selbst aus dem Ausland kam", wie ihm die Richterin Roswitha Stöber ins Stammbuch schrieb.

Alkoholprobleme


Der Vater zweier Kinder ist ein Trinker. Das stand für die Strafkammer ebenso fest wie der Umstand, dass er vor dem Anschlag Unmengen von Bier trank. Von 14 Halben war die Rede. Er selbst hatte das angegeben, das Gegenteil konnte mangels konkreter Unterlagen nicht erwiesen werden. In seiner Garage bastelte der Mann nachts vor 1.30 Uhr einen Brandsatz: Bierflasche mit Schnaps gefüllt, obendrauf eine Lunte aus Schaumstoff.

Diese Lunte, besprüht mit Bremsenreiniger, wurde angezündet, ehe die Flasche durch eines von mehreren hell erleuchteten Fenstern des Hauses flog. Der Behälter durchbrach die Doppelglasscheibe, landete auf dem Bett eines schlafenden Somaliers (26). Einen Brand gab es nicht. Doch den hatte der 25-Jährige nach Ansicht des Schwurgerichts durchaus beabsichtigt. Dass der junge Mann bei seiner Tat die Tötung von neun Menschen, die sich im Gebäude befanden, bewusst in Kauf nahm, hielt die Kammer nicht für eindeutig erwiesen. Sie ging vom Tatbestand der versuchten gefährlichen Körperverletzung und vom Versuch einer schweren Brandstiftung aus. Hinzu kam, dass der gebürtige Kasache im Sommer 2015 aus völlig unerfindlichen Gründen seine in der Hand gehaltene Bierflasche gegen eine an seinem Wohnsitz vorbeikommende Radfahrergruppe warf und einen 19-Jährigen verletzte. Das wurde als gefährliche Körperverletzung gewertet. Bereits dabei erwies sich: Er handelte impulsiv, jäh und unkontrolliert.

Wegen neunfachen Mordversuchs im Fall des Ausländerheims und wegen gefährlicher Körperverletzung an dem Radfahrer hatte Staatsanwalt Tobias Kinzler in seinem Plädoyer sechs Jahre und zwei Monate Haft verlangt.

Therapie möglich


Das Schwurgericht blieb deutlich unter dieser Forderung und verhängte viereinhalb Jahre. 18 Monate davon darf er in einer Alkoholtherapie zubringen. Verläuft sie erfolgreich, kann der gelernte Mechatroniker mit einer Bewährung für die Reststrafe rechnen. Denn er sitzt ja nach Darlegung des Schwurgerichts schon zehn Monate in U-Haft.

Eines war sehr interessant in der Urteilsbegründung. "Es handelte sich nicht um einen Molotowcocktail", sagte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber. Denn ein solcher in der Regel mit Benzin gefüllter Brandsatz entfache sofort einen Feuerball. Dabei stellte sich allerdings die Frage: Wusste der Täter um diese juristische Einordnung und war ihm ferner gegenwärtig, dass abgefüllter Alkohol in Form von Schnaps eher schwer entflammbar ist?
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Reinhard Scheffler aus Amberg in der Oberpfalz | 15.11.2016 | 15:32  
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