Verängstigte Menschen auf der Suche nach Schutz
Im Kühlraum versteckt

"Die Hysterie war da. Die Leute sind panisch gewesen." Zitat: Karlheinz Reindl, Donisl-Wirt und Geschäftsführer der Rubenbauer Genusswelten (2. von rechts)

Karlheinz Reindl erzählt am Tag nach dem Schreckenswochenende von München mit ruhiger Stimme. Wie Hunderte verängstigte Menschen am Freitagabend in seinem Lokal am Marienplatz, dem Donisl, Schutz suchten. Weil sie befürchteten, dass auch auf sie geschossen wird.

München/Amberg. Zu dem Zeitpunkt, als der 18 Jahre alte Amokläufer in und vor dem Olympia-Einkaufszentrum sowie in einem Schnellrestaurant neun Menschen wahllos tötete, man aber noch nicht wusste, dass es sich um einen Einzeltäter handelte, hielten sich im Donisl um die 400 Gäste auf.

Der aus dem Amberger Ortsteil Speckmannshof stammende Karlheinz Reindl (51) und seine Frau Birgit sind seit Herbst vergangenen Jahres die neuen Wirtsleute des Traditionslokals am Marienplatz. An diesem Abend war von einem auf den anderen Augenblick alles anders.

Als die Nachrichten von den Schüssen die Runde machten und erst einmal davon auszugehen war, dass vielleicht eine mordende Terrorgruppe durch die Landeshauptstadt zieht, reagierten die Donisl-Besucher entsprechend. "Die haben sich natürlich überall verschanzt", berichtete Reindl, der am Freitag selbst im Lokal war, am Montag am Telefon. Überall heißt: auch im Keller, im Kühlraum, in der Küche. "Die Hysterie war da, die Leute sind panisch geworden", so empfand der 51-Jährige die beklemmende Situation.

Die Gäste beruhigt


Von der Straße strömten Passanten in den Donisl und suchten dort Zuflucht. Am Ende dürften sich um die 600 Menschen in der Gaststätte gedrängt haben, deren Türen schnellstens verriegelt worden waren. Reindl und sein Personal versuchten, auf die Menge beruhigend einzuwirken, versorgten sie mit Getränken. Reindl selbst blieb nicht die ganze Zeit im Donisl. Er pendelte zwischen dem Lokal und dem Hauptbahnhof.

Denn dort betreibt Rubenbauer Genusswelten, dessen geschäftsführender Gesellschafter der 51-jährige ehemalige Amberger ist, ein Restaurant, mehrere Marktstände, einen Kiosk und die L'Osteria. Als der Hauptbahnhof evakuiert wurde, mussten die Mitarbeiter "alles zurücklassen, wie es war", und so rasch wie möglich raus aus der eventuellen Gefahrenzone. In der mit etwa 200 Gästen besetzten L'Osteria "haben wir uns auch um die Gestrandeten gekümmert", schilderte Reindl die nervenaufreibenden Stunden.

"Tolle" Polizei


Gegen 22.30 Uhr, erinnerte er sich, hätten die ersten Menschen den Donisl wieder verlassen und versucht, irgendwie nach Hause zu kommen. Immer noch befand sich die Stadt im Ausnahmezustand. Wie so viele andere, zollte Karlheinz Reindl der Polizei, sämtlichen Kräften und allen, die im Einsatz waren, allerhöchste Anerkennung. Sie hätten "sehr, sehr tolle Arbeit geleistet" und "die Leute beruhigt", wo es nur ging.

Am Montag, dem dritten Tag nach der Bluttat, fand München nach Einschätzung von Reindl allmählich wieder zur Normalität zurück. Wobei: "Heute früh waren wenig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, mehr mit dem eigenen Auto."

Nun befürchtet Reindl, dass die schrecklichen Ereignisse vom Freitagabend Auswirkungen auf das Oktoberfest haben werden. Mit Anschlägen rechne er zwar nicht, sagte er. Aber damit, "dass weniger Leute hingehen werden".

Die Hysterie war da. Die Leute sind panisch gewesen.Karlheinz Reindl, Donisl-Wirt und Geschäftsführer der Rubenbauer Genusswelten
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