Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Schlüsseldiensten und überzogenen Bankangeboten
Wucherpreise und teure Dollars

Curt Frings, der zu Sprechstunden nach Amberg kommt, und Marion Gaksch von der örtlichen Verbraucherberatung hatten auch 2015 wieder alle Hände voll zu tun. Bild: Hartl

Und ewig kassiert der Schlüsseldienst ... Man möchte es ja kaum glauben, weil dieses Thema uralt ist, aber es beschäftigt die Verbraucherzentrale jedes Jahr wieder. Auch 2015, wenngleich es da weitere Dauerbrenner wie überteuerte Geldanlagen und Altersvorsorge gab.

Zu Letzterem wünscht sich Curt Frings, "dass die Leute einfach mal vorher kommen und uns fragen", ob es sich wirklich lohnt, was sie machen wollen. Der Altersvorsorgeberater der Nürnberger Verbraucherzentrale mit ihren Außenstellen in Amberg und Weiden, riet beim Pressegespräch dringend dazu, Angebote vorher prüfen zu lassen. Zumal bei ab 2017 auf unter ein Prozent sinkenden Zinsen viele Banken und Versicherungen bereits jetzt damit werben würden, unbedingt vor Jahreswechsel noch zu besseren Konditionen abzuschließen.

Kosten oft versteckt


Ein gerne verwendeter Trick dabei laut Frings: Oft handle es sich um sogenannte persönliche Vorschläge, in denen die Kosten des Ganzen nicht ausgewiesen werden müssten. "Dadurch wird das Produkt verzerrt dargestellt", warnte der Experte in der Amberger Verbraucherberatung vor voreiligen Unterschriften. Eine Vertrags- oder Angebotsprüfung durch ihn koste zwischen 30 und maximal 60 Euro, bei bereits bestehenden größeren Portfolios 90 bis 120 Euro. "Fast jeder Vertrag hat einen Mangel, selbst wenn er im Grunde vielleicht nicht schlecht ist", sagte Frings aus seiner Erfahrung und nannte das simple Beispiel quartalsweiser Zahlung, die teuerer ist, als einmal im Jahr den Gesamtbetrag zu begleichen. Es gebe aber weitaus drastischere Fälle, wie den einer 86-Jährigen, die von ihrer Bank zu einer Fremdwährungsanleihe in australischen Dollars überredet wurde. Laut Frings "ein Produkt, das sie überhaupt nicht verstanden hat" und bei dem die Frau am Ende nach drei Jahren statt mit Gewinn mit rund 10 000 Euro Verlust ausgestiegen ist. Hier half nach seinen Worten allein die Vermittlung zu einem Ombudsmann, der bei der Bank die Rückzahlung des Geldes erreichte - ein Erfolg, den die 86-Jährige "alleine definitiv nicht geschafft hätte". Auch bei Gummibaumplantagen in Südamerika und Ölfeldern in Alaska sollte man vorsichtig sein, griff der Berater aus einem bunten Strauß zwei weitere exotische Beispiele heraus. Oft handle es sich hier nämlich nicht um Geldanlagen im klassischen Sinn, sondern um Unternehmensbeteiligungen, die bei Verlusten oder gar einer Firmenpleite zum Schuss in den Ofen werden könnten. Altersvorsorge sollte prinzipiell eher mit konservativen Geldanlageformen gestaltet werden, so der Fachmann. Die Verbraucherzentrale darf nach seiner Auskunft gar keine risikobehafteten Dinge empfehlen.

Schlüsseldienst einbremsen


Apropos: Regelrechten Wucher betreiben nach den Worten von Marion Gaksch diverse überörtliche Schlüsseldienste, die meist von einer angeblich zentralen Servicetelefonnummer vermittelt werden, aber nicht vor Ort sitzen und dadurch oft schon teuere lange Anfahrtswege geltend machen. Die Leiterin der Amberger Verbraucherzentrale spricht von einer Art "fliegenden Handwerkern", die um bis zu 400 Prozent überzogene Rechnungen stellen.

Diese Fälle wurden nach ihrer Schilderung auch 2015 nicht weniger, wobei es dagegen ein einfaches Mittel gibt: einfach vor Erbringung der Leistung kurz schriftlich einen festen Betrag dafür vereinbaren. Außerdem dürfe man nach dem Fernabsatzgesetz selbst an der Haustür den Auftrag noch widerrufen und müsse auch keine Anfahrtskosten bezahlen, wie das oft behauptet werde. Marion Gaksch nimmt bei dieser Kritik lokale Schlüsseldienste aus, warnt aber prinzipiell vor höheren Nachttarifen. Nicht selten komme es billiger, eine Nacht im Hotel zu verbringen und den Dienst während der normalen Geschäftszeiten tagsüber zu holen. Oder der allerbilligste Weg: Ersatzschlüssel bei einem vertrauenswürdigen Nachbarn deponieren.

Betrüger rufen an und schreiben E-MailsExakt 969 ausführliche Beratungen und Rechtsvertretungen sowie 912 Auskünfte: Auch 2015 hatte Marion Gaksch von der Verbraucherzentrale viel zu tun. Ein Dauerthema waren nach ihrer Auskunft Probleme mit Telekommunikationsanbietern.

Häufig ging es um Ärger beim Anbieterwechsel oder bei der Umstellung auf IP-Technik. Verbraucher mussten sich laut Gaksch auch gegen fragwürdige Inkassoforderungen und betrügerische Phishing-Mails wehren.

2015 beriet die Verbraucherexpertin zu Kauf- und Werkverträgen ebenso wie zu Reiseabschlüssen, Schwierigkeiten mit Energieversorgern oder Fragen zum Rundfunkbeitrag. Ein Problem, dem nach ihren Worten nicht beizukommen ist, waren ferner Anrufer mit falscher Identität. Trickbetrüger gaben sich etwa als Rentenberater, Staatsanwälte oder Verbraucherschützer aus.

Immer ging es laut Gaksch darum, an Kontodaten zu kommen, zu Überweisungen zu verleiten oder Verträge abzuschließen. "Wer damit konfrontiert wird, sollte Forderungen mit größtem Misstrauen hinterfragen und keinesfalls persönliche Daten preisgeben", warnte Marion Gaksch beim Pressegespräch in ihrer Beratungsstelle an der Kasernstraße.

Gestiegen ist im vergangenen Jahr nach ihrer Auskunft die Nachfrage nach Energie-Checks. Dabei komme ein Berater zu den Verbrauchern nach Hause - im Angebot seien Basis-, Gebäude-, Heiz- und Solarwärme- sowie neu Detail-Check zu einzelnen spezifischen Energieproblemen. (ath) (Seite 7)
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