Verfahren gegen vier Syrer eingestellt
Mammutprozess platzt

Statt fünf Monate dauerte der "Prozess" ganze 27 Minuten. Bild: dpa

Sie kamen im Streifenwagen und fuhren im Taxi weg. Der auf 20 Tage angesetzte Prozess gegen vier Syrer entpuppte sich vor dem Amtsgericht Amberg zu einer Art Flop des Jahres. Die als rigorose Körperverletzer eingestuften Männer bekamen eine Verfahrenseinstellung.

Amberg/Schwandorf. Großandrang im Amtsgericht. Nach intensiven Ermittlungen und akribischen Vorbereitungen begann am Mittwoch die Verhandlung gegen vier syrische Asylbewerber im Alter zwischen 20 und 31 Jahren. Sie wurden verdächtigt, am 1. Dezember letzten Jahres in einer Schwandorfer Unterkunft gegen zwei Landsleute mit Knüppeln und einem Messer vorgegangen zu sein. Die beiden Opfer sollen, wie man eher am Rande erfuhr, nicht ganz unschuldig an den Ausschreitungen gewesen sein. Sie trugen Prellungen, Blutergüsse und Schnittverletzungen davon.

Die Anklageschrift wurde nicht verlesen. Denn bevor es dazu hätte kommen sollen, gab es ein Rechtsgespräch zwischen dem Jugendschöffengericht, der Staatsanwältin und sechs Verteidigern. Es dauerte eineinhalb Stunden. Danach wurde Beobachtern mehr und mehr deutlich: Kaum begonnen, war das als Mammutprozess mit 20 Verhandlungstagen bis zum September eingestufte Verfahren bereits am Ende. Genaueres erfuhr keiner. Denn das Ergebnis der Beratungen hinter verschlossener Tür wurde nicht mitgeteilt.

Genau 27 Minuten dauerte der Prozess im Gerichtssaal. Der Rest von insgesamt vier Stunden war telefonischen Verhandlungen mit der Ausländerbehörde geschuldet. Denn die Syrer konnten aus Gründen der Gefahrenabwehr nicht mehr in ihre damalige Unterkunft zurück.

Also wurden die Männer per Taxi in ein anderes Schwandorfer Asylbewerberheim gefahren. Zuvor hatte das Jugendschöffengericht eine Verfahrenseinstellung angeregt und Zustimmung sowohl von den sechs Verteidigern als auch von der Staatsanwältin erhalten.

Den Männern wurde ihre fünfmonatige U-Haft angerechnet, sie mussten jeweils auf 3700 Euro Haftentschädigung verzichten. Wären 20 Prozesstage fällig geworden, hätten die Kosten nach Schätzung von Beobachtern des Verfahrens mit gut 100 000 Euro zu Buche geschlagen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.