Vermessungsamt ermöglicht Grenz-Erfahrungen
Die Vermessung von Amberg

Die Vermessung der Welt ist nicht Kurt Beyerleins Ziel. Wohl aber liegt ihm daran, die Stadt und den Landkreis genauestens zu kartieren. Zum 175. Geburtstag kann das Vermessungsamt seine eigene Leistung auch einmal feiern, findet der Direktor. Bild: Hartl

Der Strauch wächst zum Nachbarn, die Garage liegt zehn Zentimeter zu weit links: Streitfälle unter Grundstückseigentümern können Jahrzehnte dauern und viele Nerven kosten. Vorteile hat, wer den richtigen Verlauf seiner Grenze kennt. Und genau darum kümmert sich seit 175 Jahren das Vermessungsamt.

"Gute Zäune sorgen für gute Nachbarschaft": So lautet ein englisches Sprichwort. Gemeint ist damit wohl: Sobald Anwohner ihre gemeinsame Grenze eindeutig festgelegt haben, werden sie auch in anderen Bereichen eher harmonisch zusammenleben können.

Bereits seit 175 Jahren gibt es in Amberg ein Vermessungsamt. Im Jahr 1841 war es nötig geworden: Die Kartierung des bayerischen Königreiches war immer weiter fortgeschritten und brauchte immer mehr Vermesser. Am 10. Juni 1841 wurde ein sogenannter Bezirksgeometer in Amberg eingerichtet. "Wir feiern einen runden Geburtstag", sagt Vermessungsdirektor Kurt Beyerlein. Deswegen lädt das Amt für Samstag, 11. Juni, zu einem Tag der offenen Tür ein.

"Kirchensteig und Ruoffstraße werden dabei zur Messstrecke", kündigt der Direktor an. "Hier können die Besucher einen Einblick in unsere Arbeit gewinnen." Das gesamte Personal sei an diesem Tag im und ums Amt herum im Einsatz. Seit 2014 heißt die staatliche Stelle vollständig und korrekt: Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung. Die moderne Technik spielt eine immer größere Rolle: "Die Vermessung bei uns ist dreidimensional", erklärt Beyerlein. "In wenigen Jahren wird man aus Luftaufnahmen 3D-Modelle herstellen können." Die Forstverwaltung könne so etwa den Baumwuchs ermitteln. Oder man könne die Lärmbelastung an Straßen prüfen.

Bus als Außendienstbüro


Vermessungsingenieur Maximilian Kronen erläutert den Inhalt seines Dienstfahrzeugs: "Wir haben einen wasser- und staubdichten Feldrechner im Auto. Die Berechnungswerte des Tachymeters werden durch Bluetooth übertragen. Wir können alle Berechnungen vor Ort machen." Seit ein paar Jahren hat sich auch ein Drucker im Dienstbus etabliert. So können die Vermesser das Abmarkungsprotokoll bequem vor Ort ausdrucken und alle Beteiligten unterschreiben lassen. "Der Geometer hat eine hoheitliche Aufgabe. Die Vermessung ist ein Verwaltungsakt", erklärt Kronen. "Der Dienstbus ist wie ein Außendienstbüro."

Am Samstag wird das Gefährt auf dem Gelände des Vermessungsamts zu sehen sein. Die Mitarbeiter demonstrieren außerdem antike Messmethoden und zeigen alte Werkzeuge. Auch GPS ist Thema. Besonders beliebt sei erfahrungsgemäß der Flugsimulator, berichtet Kronen. "Die Leute wollen immer vom Amt zu sich nach Hause fliegen."
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