Von einem langen Abschied
Mit Mut und Offenheit

Erzählerin Sabine Kreiner (rechts) übernahm die Lesung aus dem Buch "Der lange Abschied", in dem Hans Jürgen Herber (links) den Leidensweg seiner Frau und der Familie schildert. Fragen aus den Reihen der Zuhörer beantwortete er entwaffnend ehrlich und gefasst. Bild: Uschald

"Der lange Abschied. Als meine Frau mit 40 an Alzheimer erkrankte". Schon der Titel des Buchs von Hans Jürgen Herber macht neugierig und betroffen. Was die kleine Frankfurter Familie bis zum Tod von Yvonne durchlitt, das geht unter die Haut.

Das machte auch die Zuhörer betroffen, die sich bei einer Lesung aus Herbers Buch mit der Problematik Alzheimer auseinandersetzen wollten. Irmgard Huber, Vorsitzende des Hospizvereins, hatte die Lesung als Beitrag zu den aktuellen Demenz-Wochen von Sega, des Vereins für seelische Gesundheit im Alter, gewählt. Was Demenz bedeutet, das erlebt Huber aktuell an ihrem 90-jährigen Vater. Sie sprach dabei von einem langen Abschied.

Von Diagnose bis Abschied


Die Lesung selbst übernahm die Amberger Erzählerin Sabine Kreiner. Neben ihr saß der Buchautor, der im Verlauf der Veranstaltung wohl noch einmal den Weg von der Diagnose bei seiner Frau bis zum endgültigen Abschied durchlebte, dabei aber gefasst zwischen den einzelnen Kapiteln Fragen aus dem Publikum beantwortete. Hans Jürgen Herber erzählt in seinem Buch mutig und mit entwaffnender Offenheit, was es bedeutet, seine junge Frau und die Mutter seines Sohnes nach und nach an Alzheimer zu verlieren. Die Diagnose war für Herber ein richtiger Schock. Er konnte mit der Krankheit zunächst wenig anfangen, erfasste aber relativ schnell, was da auf ihn, seinen Sohn und sein Umfeld zukommen würde. Nach der Diagnose 2010 ging alles recht schnell. 2011 nahm die Krankheit richtig Fahrt auf und Ende 2012 war die Frau schon in einem sehr schlechten Zustand. Niemand glaubte, dass sie noch bis Januar 2015 leben würde.

Leidensweg begleitet


Ihr Mann ließ nichts unversucht, damit seine Frau auch mit sehr teuren Medikamenten behandelt wurde. Hilfreich war, dass ein WDR-Fernsehteam drei Jahre lang in Abstimmung mit der Familien den Leidensweg der Frau begleitete.

Beistand ist wichtigHans Jürgen Herber schildert in seinem Buch nicht nur ungeschminkt den Kampf seiner Frau gegen den nahenden Tod, sondern auch sehr ergreifend die psychischen Auswirkungen auf sich und seinen Sohn, der mitten in der Pubertät steckte. Ohne die Unterstützung durch Angehörige und ohne den Beistand durch seine Freunde hätte er das nicht durchgestanden, gestand er bei der Lesung in der Stadtbibliothek. Wichtig für die Familie war, dass in der Endphase der Krankheit eine 24-Stunden-Pflegerin aus Rumänien zur Entlastung im Haus war.

Im Nachgang zur Veröffentlichung seines Buchs hat Hans Jürgen Herber gesagt: "Allein steht man eine solche Zeit nicht durch. Man muss sich auch selber schützen und darf sich nicht mit aufgeben." Damit sei nämlich keinem gedient. Insgesamt müsse noch viel getan werden, um Betroffene zu unterstützen, auch von offizieller Seite, findet Herber.

Wer sich für das Schicksal und den Leidensweg der Familie Herber als Betroffener und Angehöriger eines an Alzheimer erkrankten Menschen informieren und damit auseinandersetzen will, dem sei die WDR-Fernsehdokumentation dieses Falls empfohlen, zu finden im Internet auf Youtube (Suchwort Herber). (usc)
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