Von zu Hause aus zugegriffen
Arzt hackt Klinikum

Symbolbild: dpa

Die Internetseite der Stadt wurde von einem Hacker infiziert. Das Klinikum hat es ebenfalls erwischt. Doch der Angriff auf das Sicherheitssystem erfolgte aus den eigenen Reihen. Von einem Arzt.

Nur 24 Stunden nach der Meldung aus dem Rathaus geriet am Dienstag auch das Klinikum in die Schlagzeilen. Bei der Überprüfung eines Computer-Arbeitsplatzes entdeckte die IT-Abteilung laut einer Klinikumssprecherin Hardware-Manipulationen. Der Fall soll "lückenlos und transparent" aufgeklärt werden.

Deshalb hat die Klinikumsleitung sofort Strafanzeige bei der Kriminalpolizei erstattet, die unverzüglich mit den Ermittlungen begonnen hat. Das Pikante an dem Fall: Die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht durch einen Zugriff von außen überwunden, sondern "mit sehr hohem IT-Sachverstand durch verbotene Manipulationen innerhalb des Klinikums durch einen Mitarbeiter umgangen" worden. Ersten Erkenntnissen zufolge hat nur dieser Bedienstete, bei dem es sich laut Informationen unserer Zeitung um einen Assistenzarzt handelt, den nicht zugelassenen Zugang zum Klinikumsnetzwerk genutzt.

Auf Nachfrage bestätigte Klinikumsvorstand Manfred Wendl: "Der Arzt hat sich die Möglichkeit verschafft, Kopien der Daten auf seinen Rechner zu Hause zu ziehen." Der Mann hat die Manipulationen mit dem Hinweis eingeräumt, sich die Arbeit erleichtern zu wollen. Er wurde sofort vom Dienst freigestellt und das Arbeitsverhältnis beendet.

Da es sich um sehr sensible und persönliche Daten handelt, ist dem Klinikum laut Wendl keine andere Wahl geblieben: "Wer bereit ist, solche Manipulationen vorzunehmen, muss auch die Konsequenzen dafür tragen." In St. Marien sei es zwar durchaus machbar, von zu Hause aus zu arbeiten. Voraussetzung dafür sei aber eine Zulassung, die der betreffende Arzt nie beantragt habe.

Der Arzt hat sich die Möglichkeit verschafft, Kopien der Daten auf seinen Rechner zu Hause zu ziehen.Klinikumsvorstand Manfred Wendl

Der Mann habe ausschließlich auf Daten zugegriffen, die mit seiner Arbeit zu tun haben und über die er an seinem Arbeitsplatz in St. Marien frei verfügen könne. Wegen des Vergehens seien zwischenzeitlich alle Mitarbeiter aufgefordert worden, ihre Kennwörter für den Zugang zum Netzwerk und zu den verschiedenen Programmen sofort zu ändern. Außerdem würden weitere Maßnahmen zur Erhöhung der internen IT-Sicherheit noch mehr forciert.

Wie am Dienstag zudem aus dem Krankenhaus zu erfahren war, ist das Computer-Netzwerk des Klinikums vor unbefugten Zugriffen von außen durch ein mehrstufiges Sicherheitssystem geschützt. Nicht nur persönliche Zugangsdaten und ein Passwort seien notwendig, sondern auch ein spezieller Code.
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