Vorfall erinnert an Kölner Silvester-Party
Sex-Tatort Hexennacht

Er hob die Hände und schwor bei Allah, dass er sich tadellos benommen habe. Doch zum Schluss half alles nicht: Der Mann aus dem Irak musste eher kleinlaut zugeben, dass er beim Weiberfasching auf dem Marktplatz ein Sittenstrolch war.

Amberg. (hwo) Er kam unmaskiert und gesellte sich vor zwei Jahren zu einer fröhlich feiernden Frauenschar, die zwischen Rathaus und Krambrücke den Weiberfasching hochleben ließ. Das machte den Mann aus dem Irak wohl irgendwie an. Zumal ihm solche bunt kostümierten Umtriebe aus seiner Heimat unbekannt waren. Der Vater von fünf Kindern drängte sich plötzlich eng an eine damals 46-Jährige, suchte sexuelle Kontakte und wurde heftig abgewiesen.

Eindeutige Absichten


Der 47-Jährige ließ nicht locker. Er öffnete seine Hose und zeigte, was im Regelfall zu verbergen ist. Es dauerte dann auch nicht lange, ehe er sein Opfer abermals belästigte und diesmal massiv vorging. Er zog die Frau frontal zu sich heran und drückte ihren Kopf nach unten. Doch die 46-Jährige entwand sich seinem Zugriff und bekam, wie es nun beim Prozess vor dem Schöffengericht hieß, "einen feuchten Kuss auf die Lippen gedrückt". Sekunden später tauchte der Täter in der Menge unter.

Seit neun Jahren mit seiner Familie in Deutschland und eher kaum ein Wort der hierzulande üblichen Sprache sprechend, ließ der Iraker mit gespielter Empörung übersetzen: "Niemals. Das ist überhaupt nicht meine Art." Dann hob er die Hände und schwor bei Allah, in keiner Weise sexuelle Absichten gehabt zu haben.

Bei der Hexennacht sei er schon gewesen, räumte der 47-Jährige ein. Schwer mit einer halben Flasche Wodka und vier Pils alkoholisch beladen. Sein Bestreben sei es gewesen, ein wenig den bunten Trubel zu genießen. Doch leider habe man ihn harsch abgewiesen. Das ging über eine Stunde lang so weiter. Bis man die Frau hörte und eine Bestätigung erhielt, dass alles so vonstatten ging, wie es die Kripo ermittelte. Das Opfer beschrieb den Ablauf des Übergriffs: "Das war einfach zu viel. So etwas geht nicht."

Der Täter wäre wohl unweigerlich ins Gefängnis gewandert. Deshalb zog er die Notbremse und erinnerte sich plötzlich, "dass doch alles so war". Dafür bat er um Entschuldigung. Das ekelhafte Intermezzo beim Weiberfasching endete mit zehn Monaten zur Bewährung und 100 gemeinnützigen Arbeitsstunden. Zwölf Monate hatte Staatsanwältin Michaela Frauendorfer in ihrem Plädoyer verlangt. Acht Monate seien genug, gab Anwalt Andreas Lösche dem Schöffengericht mit auf den Weg.

Fast wie in Köln


In der Urteilsbegründung kam eine Formulierung zum Ausdruck, die seit den Kölner Silvester-Vorgängen in aller Munde ist: "Er hat sie angetanzt." Mit Tanzen hatte das allerdings wenig zu tun. Dass man dem Iraker auf die Spur kam, war eher einem Zufall zu danken: Auf der Internetseite der Amberger Zeitung erschien ein Bild von ihm, das den Mann in unmittelbarer Nähe des Rathauses zeigte.
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