Vorträge im Großen Rathaussaal
Forum für die Gesundheit

Das Gesundheitsforum ist eine Veranstaltungsreihe des städtischen Klinikums zusammen mit der Amberger Volkshochschule, weshalb auch Bürgermeister Martin Preuß (links) und VHS-Leiter Thomas Boss (rechts) stolz darauf sind. Als Referentin des jüngsten Vortrags stellten sie Dr. Sigrid Heimering (Mitte) vor. Bild: hfz

Rund 300 000 Menschen in Deutschland leiden an Diabetes vom Typ 1. Grund genug, die Behandlungsmöglichkeiten zu beleuchten, und zwar in allgemeinverständlicher Sprache und Darstellung. Diese Aufgabe leistete einmal mehr das Amberger Gesundheitsforum, das heute Abend mit dem dritten Beitrag in dieser Reihe in die letzte Runde geht. Ab 19.30 Uhr wird Chirurg Khaled Saleh über Durchblutungsstörungen in den Beinen samt Therapiechancen informieren. Der Eintritt im Großen Rathaussaal ist wie immer frei.

Es beginnt im Kindesalter


Vergangene Woche jedoch rückte Dr. Sigrid Heimering, Diabetologin und Oberärztin der Klinik für Kinder und Jugendliche am Krankenhaus St. Marien, innovative Behandlungsmöglichkeiten bei Diabetes Typ 1 in den Blickpunkt. Diese Autoimmunkrankheit tritt nach ihrer Auskunft meist schon im Kindes- und Jugendalter auf (in selteneren Fällen könnten auch Erwachsene betroffen sein). Sie bewirkt, dass der Körper zu wenig oder kein Insulin produziert. Dieses Hormon wird laut Heimering aber dringend gebraucht, um Zucker im Blut abzubauen. Deshalb müssten Diabetiker ihrem Körper ein Leben lang Insulin zuführen.

Doch wie merken Betroffene überhaupt, dass sie unter Diabetes leiden? "Im Gegensatz zu Typ 2, bei dem sich Symptome sehr schleichend zeigen, treten die Krankheitszeichen bei Typ 1 rasch auf", erläuterte die Oberärztin und nannte Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Gewichtsabnahme als typischen Beginn. "Eltern erzählen auch immer wieder, dass ihre Kinder sehr viel mehr trinken, ständig Durst haben und als Folge oftmals nachts ins Bett machen", schilderte Heimering. Um ganz sicher zu sein, ob diese Anzeichen tatsächlich durch Diabetes hervorgerufen werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der mittels einfacher Blutzuckermessung schnell eine erste Diagnose stellen kann.

Danach gehe es mit einer Therapie, die auf drei Säulen fußt, weiter: der Zufuhr von Insulin, einer ausgewogenen Ernährung und der Schulung der Patienten. "Gerade Letzteres ist wichtig. Denn der Patient ist sein bester Therapeut. Er muss für die Warnzeichen seines Körpers sensibilisiert werden und Routine im Umgang mit den Geräten bekommen", erklärte Heimering. Die Verabreichung von Insulin könne dabei über sogenannte Pens (intensivierte Therapie) oder Insulinpumpen erfolgen. Der Vorteil dabei: Hier könne viel flexibler auf den instabilen Stoffwechsel der Patienten reagiert werden, da das kleine Gerät geringe Insulin-Dosen an den Körper abgebe. So werde der Patient rund um die Uhr versorgt, ohne sich ständig spritzen zu müssen.

Moderne Therapieansätze


Moderne Therapieansätze sollen Betroffenen zudem helfen, ihre Erkrankung besser zu kontrollieren: Beim Flash Glucose Monitoring (FGM) misst ein Sensor unter der Haut in der Zwischenzellflüssigkeit die Zuckerwerte und speichert sie Tag und Nacht. Das Continuous Glucose Monitoring (CGM) ist laut Heimering ebenfalls ein System zur kontinuierlichen Blutzuckermessung, geht aber noch einen Schritt weiter, da erstmals aktiv in die Insulinabgabe eingegriffen werde. Die Expertin: "Das ist vor allem für unsere kleinen Patienten und deren Eltern eine große Erleichterung. Denn Kinder können dank des CGM nachts endlich wieder durchschlafen, ohne dass alle zwei Stunden die Blutzuckerwerte gemessen werden müssen." Ziel der nächsten Jahre sei es, einen sogenannten "closed loop" zu erreichen - also ein System, das ohne Zutun des Patienten die Werte misst und automatisch reguliert.

Treffen für Betroffene


Eltern und Betroffene, die sich noch genauer über die Autoimmunkrankheit Diabetes Typ 1 informieren möchten und den Informationsaustausch mit anderen suchen, lud Dr. Heimering zu FLIDiabs ein.

Hier erhalten Interessierte an jedem ersten Mittwoch im Quartal um 18 Uhr im Klinikum St. Marien von ihr sowie von Kinderkrankenschwestern, Diabetes- und Ernährungsberaterinnen Hilfestellung und Antworten zum Umgang mit der Erkrankung. Bei Fragen zu FLIDiabs ist auch Margit Meier Ansprechpartnerin (38 12 02).
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