Vortrag über Islam und Christentum
Großer Andrang bei Veranstaltung der Frauen-Union

Organisator, Veranstalterin und Referent waren vom großen Interesse am Vortrag "Islam und Christentum im Vergleich" überrascht. Von links: Helmut Christa von der Hanns-Seidel-Stiftung, die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Michaela Frauendorfer, und der Redner des Abends, Diplom-Politologe Karl Pfeifer. Bild: Uschald

Das Gefühl der Bedrohung durch Flüchtlinge aus dem arabischen Sprachraum ist bei Frauen offenbar sehr groß. Das zeigte eine Veranstaltung der Frauen-Union (FU) zum Thema "Islam und Christentum im Vergleich".

Wie stehen Männer aus dem islamischen Kulturkreis zu europäischen Frauen? Diese Frage von FU-Vorsitzender Michael Frauendorfer beschäftigt auch in Amberg weit mehr Frauen, als sich die Vorsitzende selbst vorstellen konnte. "Weder schönreden noch ein Feindbild bedienen." Das war die Botschaft von Hauptreferent Karl Pfeifer, Diplom-Politologe aus München. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidl-Stiftung in der Alten Kaserne abgehalten.

Stoff für ganzes Seminar


Das Thema gäbe Stoff für ein Wochenendseminar, meinte Pfeifer. Einige grundlegende Dinge im Islam wären schwer mit unserer Weltanschauung zu vereinbaren, wenn der Koran so ausgelegt werde, als wäre man noch in der Zeit Mohammeds, so wie es Fundamentalisten tun würden, gab Pfeifer unumwunden zu. Was Europa längst hinter sich habe, eine Liberalisierung und Aufklärung, fehle im Islam noch. Umgekehrt erlebe man hierzulande eine Abkehr vom christlichen Glauben. Das könne ein Problem werden.

Eine stabile Brücke


Ein wichtiger gemeinsamer Nenner beider Weltreligionen sei der Monotheismus, der Glaube nur an den einen Gott. Dies sei die wichtigste und stabilste Brücke, auch wenn es Unterschiede gebe. Beides seien Buchreligionen (Koran und Bibel), die Engel als Boten und Werkzeuge Gottes kennen, namentlich den Erzengel Gabriel. In beiden Religionen sei festgelegt was Sünde ist und wie Vergebung der Sünden erlangt wird. Zu den Säulen des Islam zählt Pfeifer das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige Gebet am Tag, das Geben von Almosen, das Fasten im Ramadan, die Pilgerfahrt nach Mekka. Der Islam kenne das Jüngste Gericht und die Hölle. Von all dem lasse sich eigentlich keine Aggression und Bedrohung ableiten. Gemeinsam sei beiden Religionen auch das Wirken von Propheten. Nun zu den Unterschieden. Die wichtigsten Aussagen Pfeifers dazu: Allah schuf den Menschen nicht nach seinem Ebenbild, weshalb es auch keine bildliche Darstellung geben darf. Die Dreieinigkeit im Christentum gilt im Islam als Vielgötterei. Jesus wird als Prophet behandelt. Letzter Prophet war Mohammed. Den Koran sieht man im Islam als Offenbarung Allahs im Original Wortlaut durch den Erzengel an. Die Bibel, für die Christen Überlieferung von Gottes Wort, ist hingegen aus islamischer Sichtweise eine Verfälschung durch die Christen.

Wenn die islamische Welt hiervor nicht Abstand nimmt, haben wir ein Problem.Diplom-Politologe Karl Pfeifer über das Frauenbild im Islam

Der Referent ging ausführlich auf das Frauenbild im Islam ein. Demnach sind Männer den Frauen überlegen, Frauen vor Allah gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. Töchter erben nur halb so viel wie Söhne. Das Tragen eines Kopftuchs wie im Islam hat man nach Worten Pfeifers auch im Katholizismus noch im letzten Jahrhundert in der Kirche gesehen, wo Männer und Frauen getrennt saßen. Der Koran will, dass Frauen nach Verlassen des Hauses züchtige Kleidung tragen. Die Form ist unterschiedlich: vom kleinen Kopftuch bis zur Burka.

Religion und Politik


Der Islam kennt im Gegensatz zum Christentum keine Trennung von Religion und Politik. Mohammed war Verkünder, Staatsgründer und Feldherr in Personalunion. Deshalb hat der Islam als Staatsreligion auch Verfassungen beeinflusst. "Das ist mit westlicher Auffassung nicht zu vereinbaren", betonte der Referent. Parallelen dazu hat es auch im Abendland gegeben, wo Herrscher "von Gottes Gnaden" das Sagen hatten. Mit der Aufklärung hat man sich davon verabschiedet. Ausführlich behandelte Pfeifer den Begriff Dschihad. Ursprünglich bedeutete er: sich abmühen auf dem Pfade Gottes, um ins Paradies zu kommen. Das geschieht mit dem Herzen, mit der Zunge, mit der Hand (durch gutes Tun) und letztlich mit dem Schwert im Kampf gegen die Ungläubigen. Diesen Begriff wandte man in der Zeit Mohammeds für Götzenanbeter an. Christen und Juden waren Andersgläubige, denen der Islam in seinen Anfängen wegen des Eingottglaubens liberal gegenüber trat. Der Begriff Ungläubige wird von Radikalen heutzutage für alle Nichtmuslime angewandt. Zum Vergleich: Die Bibel erlaubt den Krieg zur Selbstverteidigung. Kreuzzüge hingegen waren durch die Bibel nicht gerechtfertigt.

Vor allem im Anspruch des Islam auf Einheit von Staat und Religion sieht Pfeifer große Probleme, sollte es hierbei im Islam nicht zu Veränderungen kommen. Den schlimmsten Missbrauch des Koran, so Pfeifer, betreibt der IS, der koranwidrig auch Frauen und Kinder nicht schont.

Er erinnerte an eine bemerkenswerte Aussage von Ex-Kanzler Helmut Schmidt: "Der Missbrauch der Religion für politische Zwecke gefährdet den Weltfrieden." Solange es radikale Strömungen im Islam gibt, müsse man mit der latenten Angst vor Anschlägen leben. Es wäre schlimm, so der Referent sinngemäß, wenn man sich hierzulande einschüchtern ließe.
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