Warum Amberger früher sterben
Das Männner-Problem

 
Gerade was die Zahl der Raucher betrifft, ist diese bei den Jugendlichen enorm zurückgegangen. Auch das wird sich auf die Sterblichkeitsrate auswirken

Von allen Oberpfälzern haben die Männer aus Amberg und Weiden die geringste Lebenserwartung. Durchschnittlich 75,9 Jahre wird ein Bewohner der Stadt alt. Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey macht ein ganzes Bündel an Faktoren dafür verantwortlich und blickt gleichzeitig positiv in die Zukunft: "Die Oberpfalz holt auf. In zehn Jahren wird der Abstand geringer sein."

Bei der Statistik zur durchschnittlichen Lebenserwartung in ganz Deutschland ist die Stadt Pirmasens der Verlierer. Hier sterben die Männer mit 73 Jahren. Zwar bleiben die Amberger rein statistisch zwei Jahre länger auf der Welt, aber warum ist die Lebenserwartung hier niedriger als beispielsweise im reichen Starnberg (81,3 Jahre)? Dies setze sich laut Brey in der Gesamtheit aus verschiedenen Indikatoren zusammen. Nicht nur das Einkommen, sondern auch die Bildung und Arbeitslosigkeit spielen dabei eine Rolle. Dabei sei gerade die Situation in Ostbayern in der Vergangenheit, Stichwort "Eiserner Vorhang", zu berücksichtigen.

"Die Arbeitsbedingungen waren hier viel schwieriger als anderswo. Es gab ganz andere Berufe, die enorme körperliche Anstrengungen erforderten." Rauchen, Stress, geringer Verdienst oder gar keine Arbeit: Diese Faktoren begünstigen eine geringere Lebenserwartung. "Aber gerade was die Zahl der Raucher betrifft, ist diese bei den Jugendlichen enorm zurückgegangen. Auch das wird sich auf die Sterblichkeitsrate auswirken", zeigte sich Dr. Roland Brey überzeugt.

Konkrete Prävention


Der Leiter des Amberger Gesundheitsamtes bildet alle drei Jahre Mittelwerte, auf deren Grundlage in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und den Ärzten an konkreten Präventionsprojekten gearbeitet werde. Aktuell seien dies beispielsweise die Vielzahl an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Vor knapp zehn Jahren wurden schon einmal Daten veröffentlicht, die den Vilsstädter aufhorchen ließen: Eine genaue Analyse des Bayerischen Krebsregisters zeigte, dass Amberger Männer überdurchschnittlich häufig an Krebs verstarben. Die Rate lag um 20 Prozent höher als in Bayern. Tumore der Atemwege und der Verdauungsorgane, vor allem Lungen- und Darmkrebs, spielten dabei die größte Rolle. Hauptrisikofaktoren waren das Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Über- und Fehlernährung sowie Bewegungsmangel.

"Bei der vorzeitigen Sterblichkeit infolge von Herz-Kreislauferkrankungen und den Erkrankungen der Verdauungsorgane liegen die Planungsregionen Oberpfalz-Nord, Oberfranken-Ost und Oberfranken-West über dem Landesdurchschnitt. Bei den Verletzungen und Vergiftungen sind dagegen Südostoberbayern und Westmittelfranken auffällig", zitiert Brey aus dem Gesundheitsbericht "Regionale Unterschiede der Sterblichkeit in Bayern". Es sei "nicht untypisch", dass sich der Datensatz auf zehn Jahre nicht ändere. Allerdings ist Brey auch überzeugt: "In zehn Jahren wird der Abstand der Oberpfalz zu Bayern weitaus geringer ausfallen." Dafür werde einiges getan: Im Juni findet wieder ein Herzsymposium mit Ärzten aus dem Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte (UGOM) statt - eine Reaktion auf die hohe Herzinfarktsterblichkeitsrate, die langsam zurückgeht. Im Landkreis werde aktuell mit der Zielgruppe Männer 50+ an der Gesundheitsförderung gearbeitet. Doch Dr. Roland Brey weiß auch, dass die Medizin zwar Verhalten und Therapie beeinflussen, jedoch die ökonomischen Verhältnisse nicht ändern kann.

Das bessere Leben


Aber auch hier sieht der Leiter des Gesundheitsamtes positiv in die Zukunft. "Die Arbeitslosigkeit geht nach unten. Die Lebensverhältnisse verbessern sich. Auch bei uns."

Und die Frauen?Generell werden die Frauen älter als die Männer. Das ist auch in Amberg so. In der Stadt wird das weibliche Geschlecht statistisch gesehen 80,3 Jahre, im Landkreis Amberg-Sulzbach sogar noch zwei Jahre älter. Das liegt daran, dass sich Frauen mehr um ihre Gesundheit kümmern. Die um rund fünf Jahre niedrigere Lebenserwartung für Männer in Bayern ist überwiegend nicht erblich, sondern durch die Lebensweise bedingt. Die Männergesundheit ist für das Amberger Gesundheitsamt bereits seit 2007 ein Thema. (roa) (Angemerkt)
Gerade was die Zahl der Raucher betrifft, ist diese bei den Jugendlichen enorm zurückgegangen. Auch das wird sich auf die Sterblichkeitsrate auswirkenGesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey
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