Warum die 40 Tage vor Ostern wichtig sind
Fasten- vs. Bockbierzeit

Die Asche-Auflegung steht im christlichen Glauben seit Jahrhunderten für Neubeginn und Umkehr - sie erinnert aber auch an die eigene Vergänglichkeit. Pfarrer Franz Meiler zeichnete am Aschermittwoch den Gottesdienstbesuchern in der Amberger Basilika St. Martin dieses Symbol auf die Stirn. Bild: Hartl
Amberg: Pfarramt St. Martin | Für das Partyvolk ist die Zäsur am Aschermittwoch nicht so groß: Der Fasching geht ja nahtlos in die Bockbierzeit über. Schon für das bevorstehende Wochenende laden etliche Amberger Wirte zur weiß-blauen Gaudi rund um den dunklen Gerstensaft ein. Doch der Kult um das Starkbier hat seinen Ursprung in der Fastenzeit der Christen.

Seit Jahrhunderten nutzen die Gläubigen die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Karsamstag, um innere Ruhe zu finden und sich auf die wesentlichen Fragen des Lebens zu konzentrieren. "Es geht nicht so sehr um Einschränkungen beim Essen oder Trinken", sagt der Amberger Stadtpfarrer Franz Meiler. "Vielmehr geht es um einen Verzicht, der einen zum Denken herausfordert."

Der Pfarrer von St. Martin erinnert daran, dass Mäßigkeit eine der vier Kardinaltugenden sei. "Leider ist diese Tugend, die Fähigkeit, Verzicht zu üben, vielen Menschen abhanden gekommen." Der Anspruch, auf nichts verzichten zu müssen, sei gar zu einem Dogma erhoben worden. Dabei sei es doch eine wahre Wohltat für Körper und Seele, manchmal einen Gang zurückzuschalten. Meiler wirbt dafür, das Fasten positiv zu sehen. "Die Frage lautet nicht: Was darf ich nicht tun? Sondern: Was kann ich tun?", betont er.

Ein Ansatz könne der berühmte Leitgedanke der Heiligen Theresia von Lisieux sein - zu versuchen, "das Gewöhnliche außergewöhnlich zu tun". Auch das bewusste Aufeinanderzugehen könne eine Form des Fastens sein. Oder der Verzicht auf Tratsch. Meiler erinnert sich dabei immer wieder gern an das, was ihm der ehemalige Regensburger Domprediger Michael Grünwald bei der Versetzung nach Amberg mit auf den Weg gab. "Er hat gesagt: ,Lass das Böse bei dir enden'." Die Worte seien ein starkes Vermächtnis - gerade für die Fastenzeit.
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