Was ist dran, an den Zecken-Mythen?
Achtung, Blutsauger!

Schätzungen zufolge liegt die Gefahr, in einem Risikogebiet wie hier bei uns an FSME zu erkranken, bei 1:150. Umso wichtiger ist die vorsorgliche Impfung.

Sie lauern ihren Opfern auf, beißen zu und saugen Blut. Mit Klebstoff können sie besonders gut entfernt werden. Und: Eine Impfung ist nicht nötig - mögliche Erkrankungen kann man auch nachträglich behandeln. Was ist Mythos beim Thema Zecken und was nicht?

Amberg. Darüber haben jetzt Dr. Frank Huber, Chefarzt der Neurologie am Klinikum, und Oberarzt Dr. Thorsten Heider beim "Ratgeber Gesundheit" in St. Marien aufgeklärt.

Mythos 1: Die Zecke lauert auf Bäumen und springt ihre Opfer an

"So ist es nicht", stellte Heider klar. "Zecken halten sich meist in einer Höhe von weniger als einem Meter auf - zum Beispiel im Gras oder im Gebüsch. Werden sie im Vorbeigehen leicht berührt, lassen sie sich abstreifen und krallen sich in Sekundenbruchteilen mit den Haken an ihren Vorderbeinen fest." Danach wandert die Zecke, bis sie einen geeigneten Ort zum Blutsaugen gefunden hat.

Mythos 2: Die Zecke beißt

"Das stimmt nicht", erklärte Heider. "Die Zecke ritzt mit ihrem Kiefer in die Haut des Wirtes. Dann sticht sie mit ihrem Stechrüssel zu." Das Blutsaugen kann mehrere Tage dauern - danach fällt die Zecke einfach ab. Die meisten Menschen merken gar nicht, dass sie eine Zecke haben, in 50 bis 70 Prozent der Fälle, bleibt ein Zeckenstich unbemerkt. "Denn beim Stechen sondert die Zecke ein Betäubungsmittel ab", schilderte Huber. Wer eine Zecke an sich entdeckt, sollte sie schnellstmöglich entfernen.

Mythos 3: Klebstoff hilft beim Entfernen

"Ganz im Gegenteil", warnte Heider. "Bitte lassen Sie die Finger von Kleber, Öl oder Nagellack! Diese Stoffe könnten die Zecke zum Erbrechen bringen, und damit steigt das Infektionsrisiko." Das Tier sollte vorsichtig herausgezogen werden, damit es nicht zerquetscht wird und möglichst keine Erreger in die Wunde gelangen können. Wenn sich die Zecke nicht gleich löst, kann man etwas drehen. Die Einstichstelle sollte desinfiziert werden. "Wenn der Stechrüssel in der Wunde bleibt, ist das eine mögliche Infektionsquelle und Sie sollten dann Ihren Hausarzt aufsuchen."

Mythos 4: Impfung? Brauche ich nicht oder kann man auch nachholen

Klares Nein von den beiden Experten: "Impfen können wir nur vorsorglich - und auch nur gegen FSME. Nicht gegen die Borreliose, die ebenfalls von Zecken übertragen werden kann", erklärte Huber. "FSME wird durch Viren ausgelöst, gegen die kein Antibiotikum hilft. Einmal ausgebrochen, muss die Erkrankung durchgestanden werden. Das kann - wie bei einer Grippe - oft Wochen dauern. "Schätzungen zufolge liegt die Gefahr, in einem Risikogebiet wie hier bei uns an FSME zu erkranken, bei 1:150. Umso wichtiger ist die vorsorgliche Impfung."

Neben der FSME ist die Borreliose die zweite Erkrankung, die durch Zecken übertragen werden kann. Zur Diagnose gehören auch hier eine Blut- und eine Nervenwasserprobe. Heilmethoden wie Antibiotika-Kuren über mehrere Wochen seien aus schulmedizinischer Sicht unseriös - auch sollten Patienten vorsichtig sein, wenn sie für angebliche Borreliose-Therapien selbst bezahlen sollen. "Von der Borreliose sind vor allem die großen Gelenke wie Schulter, Knie oder Hüfte betroffen", erläuterte Dr. Huber. Oft sind starke Schmerzen zu spüren, "die ausstrahlen und besonders nachts sehr stark sind".

Menschen, die häufig im Freien unterwegs sind und Zecken ausgesetzt sein könnten, sollten möglichst geschlossene Kleidung und hohe Schuhe oder am besten Stiefel tragen. "Helle Kleidung soll helfen", sagte Huber. Auch Insekten abweisende Mittel können gut sein. Huber: "Die gibt es in jeder Apotheke."

Am wichtigsten nach dem Spaziergang oder der Arbeit draußen: "Sich selbst - und Kinder - gründlich nach Zecken absuchen und die Kleidung heiß waschen. Sollten Sie eine Zecke entdecken: Schnellstmöglich entfernen und die Wunde desinfizieren. So kann das Infektionsrisiko so gering wie möglich gehalten werden."
Schätzungen zufolge liegt die Gefahr, in einem Risikogebiet wie hier bei uns an FSME zu erkranken, bei 1:150. Umso wichtiger ist die vorsorgliche Impfung.Frank Huber, Chefarzt der Neurologie am Klinikum


Nächster RatgeberBeim nächsten "Ratgeber Gesundheit" geht es um "Inkontinenz und Senkung - Wie kann die Frau vorbeugen und wann kann der Arzt helfen?". Der Vortrag von Dr. Tanja Hauzenberger, Oberärztin der Frauenklinik, und Josef Koller, Oberarzt der Klinik für Urologie, beginnt am Dienstag, 14. Juni, um 18 Uhr bei freiem Eintritt im Klinikums-Speisesaal.
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