Wer hilt den Selbsthilgefruppen?
Niemandsland Amberg-Sulzbach

Rupert Natter deutet auf die Karte, die die Misere verdeutlich: Zwischen Neumarkt, Hersbruck und Regensburg gibt es keine Selbsthilfe-Kontaktstellen. Sprich: Amberg-Sulzbach ist hier ein Niemandsland. Bild: tk

Wie der Name schon sagt: Selbsthilfegruppen helfen dabei, sich selbst zu helfen. Jetzt erfahren die Gemeinschaften selbst Unterstützung: Das neue Präventionsgesetz verpflichtet Krankenkassen dazu, ihnen je Versichertem 1,05 Euro zu zahlen. Das will koordiniert sein. Zumal noch immer eine zentrale Anlaufstelle fehlt.

CSU-Stadtrat Rupert Natter muss gar nicht weit schauen, um die Bedeutung von Selbsthilfegruppen zu erklären: Seine Mutter starb mit 64 Jahren an der unheilbaren Krankheit ALS, die erst vor zwei Jahren durch die Ice-Bucket-Challenge so richtig bekannt wurde.

Natter, der auch Vorsitzender der kommunalpolitischen Vereinigung der CSU ist, machte die Selbsthilfegruppen bei einer KPV-Sitzung zum Thema und hatte sich dafür prominente Unterstützung geholt. Er traf sich für ein Fachgespräch mit Lisbeth Wagner von der Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe Regensburg.

Generell verwalten sich Selbsthilfegruppen laut Rupert Natter selbst, das bedeutet, dass im Normalfall für die öffentliche Hand keine Kosten entstehen: "Dabei leisten sie nahezu unbezahlbare Dienste für die Gesellschaft." Zeitgleich gebe es aber noch jede Menge Probleme: "Bei Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und Information stoßen die Selbsthilfegruppen oft an Grenzen des Machbaren von Ehrenamtlichen." Dieses Engagement könnte durch eine professionelle Unterstützung in den Netzwerkaufgaben begleitet werden. Natters Überlegung: Mit der seit Januar geltenden Neufassung des Präventionsgesetzes sind die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, Selbsthilfe stärker als bisher zu fördern - mit 1,05 Euro pro Versichertem. Damit ließe sich zum Beispiel eine Selbsthilfe-Unterstützungsstelle finanzieren. Sie könnte dabei helfen, Strukturen zu schaffen: für eine Lotsenfunktion, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit und Information.

Rupert Natter wurde bei dem Treffen der Kommunalpolitiker deutlich: "Während manch andere Regierungsbezirke schon eine gute Versorgung mit Selbsthilfe-Koordinationsstellen aufweisen können, hat die Oberpfalz kräftigen Nachholbedarf." Die Region Amberg-Sulzbach sei noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Laut Natter würde sich eine zentrale Einrichtung für den Träger, karitative Einrichtungen oder Kommunalverwaltungen sogar lohnen: "Bei einer solchen Koordinationsstelle kann man mit bis zu etwa zwei Drittel Förderung rechnen."

CSU-Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger unterstützte Natter und sagte, dass eine zentrale Anlaufstelle bei der Freiwilligen-Agentur der Stadt eine hilfreiche Ergänzung wäre. Stadtrat Thomas Bärthlein sah die Vernetzung mit Angeboten der Sportvereine als eine mögliche Aufgabe einer solchen Neugründung. Stadtrat Rudolf Maier brachte das Klinikum als Unterstützer für Aktivitäten wie Vorträge ins Gespräch.

Oberbürgermeister Michael Cerny ist nach Natters Worten "sehr aufgeschlossen" und erachte eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis als wichtig, um "eine kompakte Lösung und eine kompetente Anlaufstelle anbieten zu können".
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