Wie die Gewalttaten in Bayern die Stimmung beim Bündnis "Amberg hilft" beeinflussen
Flüchtlinge fragen: "Seid ihr jetzt böse auf uns?"

Schwierige Zeiten für Flüchtlingshelfer: Vorsitzender Michael Geiss, Petra und Werner Konheiser (von links) vom Bündnis "Amberg hilft Menschen" lassen sich nicht unterkriegen. Bild: hfz
 
"Der Islam ist eine friedliche Religion und lehnt Gewalt ab." Zitat: Gayess Alyousef (39), syrischer Dolmetscher von "Amberg hilft Menschen"

Drei schwere Gewalttaten innerhalb einer Woche in Bayern: Die Ermittler gingen von Beginn an der Frage nach, ob es jeweils einen islamistischen Hintergrund gab. In Ansbach und Würzburg bestätigte sich diese Vermutung. Die Ereignisse beschäftigen nach wie vor viele Amberger.

Wirken sich diese ereignisse auch auf die Organisation "Amberg hilft Menschen" aus? Stellvertretender Vorsitzender Werner Konheiser kann zumindest innerhalb des Bündnisses keinen Stimmungswandel feststellen.

Wie beeinflussen die Ereignisse die Stimmung in der Organisation "Amberg hilft Menschen"?

Werner Konheiser: Die drei Gewalttaten in einer Woche haben bei unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern natürlich eine gewisse Betroffenheit ausgelöst. In unserem Team haben diese Vorkommnisse aber nicht dazu geführt, dass die Motivation und das Engagement für die hier in Amberg lebenden Flüchtlinge nachgelassen hätten. Wir sind zwar Humanisten, sehen aber der Realität ins Auge. In jeder Bevölkerungsgruppe gibt es, wie der Volksmund sagt, "solche und solche". Die große Mehrzahl der Bürger stellt nicht die Flüchtlinge allgemein unter terroristischen Generalverdacht.

Woher nehmen Sie dann Ihre Motivation?

Wir von "Amberg hilft Menschen" sehen in erster Linie den Menschen, der dem Krieg entronnen ist, alles verloren hat und sich hilfesuchend an uns wendet. Wenn wir diesen Menschen konkret helfen konnten, sehen wir in überglückliche, dankbare Gesichter. Dies allein ist schon genug Motivation für unsere Ehrenamtlichen, nicht nachzulassen.

Sind die Anschläge der Terrormiliz IS in Ansbach und Würzburg Thema bei den Flüchtlingen?

Selbstverständlich ist das ein Thema bei den Flüchtlingen. Wir erhalten hier viele Informationen von unserem syrischen Dolmetscher Gayess Alyousef. Er ist ein Kenner der Flüchtlingsszene, da er bei unseren Hilfsmaßnahmen immer involviert ist. So beteuern die Flüchtlinge, dass der Islamische Staat (IS) nicht im Namen ihrer Religion handle, da der Islam eine friedensliebende Glaubensgemeinschaft sei und deshalb Gewalt in jeglicher Form ablehne. Der Terror des IS war genau der Grund, warum sie ihre Heimat verlassen mussten.

Wie gehen die Flüchtlinge jetzt damit um?

Einer unserer Schützlinge sagte mir: "Ich schäme mich für diese Landsleute, sie handeln nicht im Namen Gottes, sie beschmutzen den Koran, sie haben keine Ehre." Bei unseren Besuchen spüren wir die prüfenden Blicke unserer Schützlinge, einer fragte: "Seid ihr jetzt böse auf uns?" Es herrscht eine Verunsicherung vor, viele Flüchtlinge ängstigen sich, dass die bisher gute Stimmung in der Bevölkerung umschlagen könnte.

Gibt es bei den Ehrenamtlichen Gesprächsbedarf oder Ängste?

Wir sind natürlich auch politische Menschen, die Diskussionen drehen sich deshalb eher mehr um die politischen Lösungen der Flüchtlingsproblematik.

Hätten Sie eine Lösung für die Flüchtlingspolitik parat?

Die Europäische Union hat in der Flüchtlingsfrage vollkommen versagt. Erst dieses Versagen brachte die Rechtspopulisten auf den Plan. Eine Lösung kann nur durch eine einheitliche, für alle EU-Mitgliedsländer geltende Flüchtlingspolitik gefunden werden. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung brachte es bei seinem Vortrag in Ursensollen auf den Nenner. Er sagte: "Schauen Sie, selbst wenn wir von 2,5 Millionen Flüchtlingen ausgehen, diese auf alle EU-Länder gerecht verteilen, also auf über 500 Millionen EU-Bürger, dann reden wir hier von einem Flüchtlingsanteil von 0,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung."

Wenn Sie für Ihre Sache werben, erleben Sie mittlerweile einen Stimmungswandel - oder ist die Hilfsbereitschaft weiterhin groß?

Einen Stimmungswandel können wir nicht feststellen. Die Hilfsbereitschaft bei den Ambergern ist nach wie vor groß. Fast täglich bekommen wir E-Mails mit Hilfsangeboten unterschiedlichster Art.

Welche zum Beispiel?

Unter anderem werden uns komplette Wohnungseinrichtungen angeboten, Kinder- und Babyausstattungen, es melden sich Menschen, die eine Flüchtlingspatenschaft übernehmen möchten, andere honorieren unsere Arbeit mit einer Geldspende oder bieten uns gar eine Mietwohnung für Flüchtlinge an. Erst diese Woche haben wir ein kleines Haus bekommen, in dem wir eine fünfköpfige Familie unterbringen werden. Die Bürger lassen sich anscheinend nicht von den Angst- und Hasstiraden der Rechtspopulisten leiten. Wie auch wir von "Amberg hilft Menschen", sehen sie vor allem den Menschen im Mittelpunkt, der bei uns Schutz sucht und dem geholfen werden muss.

Der Islam ist eine friedliche Religion und lehnt Gewalt ab.Gayess Alyousef (39), syrischer Dolmetscher von "Amberg hilft Menschen"
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