Wilhelm Zenger feiert 90. Geburtstag
Zwei Mal in Gefangenschaft

Wo Wilhelm Zenger ist, da gibt es meistens was zu lachen: Bürgermeisterin Brigitte Netta gratulierte dem einstmals bekannten Sportler und Musiker am Sonntag zum 90. Geburtstag. Bild: gf

Der Vater war Eisenbahner und da lag es nahe, dass auch er nach der Schulzeit bei der Reichsbahn lernte. Am 29. Mai 1926 kam Wilhelm Zenger in Amberg zur Welt und musste sich die ohnehin nicht große Eisenbahnerwohnung in der Marienstraße auch noch mit zwei Schwestern und fünf Brüdern teilen. An diese Zeiten erinnerte sich Zenger am Sonntag bei seiner Feier zum 90. Geburtstag dennoch gerne zurück.

Der Jubilar besuchte die Luitpoldschule und fing dann als Junghelfer bei der Reichsbahn in Amberg an. Mit 17 Jahren erhielt er den Einberufungsbescheid zum Reichsarbeitsdienst und musste in einem Steinbruch im Bayerischen Wald Schwerstarbeit verrichten. Ein Jahr später bereits wechselte er zur Luftwaffe an die Unteroffiziersschule in Sachsen. Wilhelm Zenger wurde zu den Fallschirmjägern versetzt, die im Dezember 1944 bei der Ardennen-Offensive zum Einsatz kamen.

Bei Kriegsende geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, zuerst in einem Lager mit mehr als 20 000 deutschen Soldaten in England, dann in einem Lager in Texas. Nach seiner Entlassung 1948 kehrte er nach Amberg zurück, fand wieder Arbeit bei der Bahn und zwei Jahre später, so schmunzelt der Jubilar, sei er erneut "in Gefangenschaft geraten", denn da habe er seine Margareta geheiratet.

Im Laufe der Zeit kamen vier Töchter zu Welt, dann zehn Enkelkinder, außerdem neun Ur-Enkel, die alle im Raum Amberg leben. Als Wilhelm Zenger 1980 in Pension gehen konnte, hatte er es bis zum Fahrdienstleiter gebracht, war mehr oder minder für alles verantwortlich, was sich am Amberg Bahnhof so abspielte, zum Beispiel das Verladen ganzer Truppenteile der Bundeswehr und der Amerikaner oder eines kompletten Zirkus' mitsamt seinen Tieren. Der Jubilar sang mit im Werkvolk-Chor und im Chor der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit. Im Winter fuhr er gerne Ski, im Sommer stand Faustball im Vordergrund als Spartenleiter beim Eisenbahnersportverein (ESV). Weitere Leidenschaften waren sein Akkordeon und die Band "The Skippers", eine in den Nachkriegsjahren gefragte Kapelle für Hochzeiten oder Tanzveranstaltungen. Seit mehr als 65 Jahren ist Wilhelm Zenger Genosse beim Werkvolk. Margareta und Wilhelm Zenger gingen gerne auf Reisen, besuchten die USA oder schipperten auf Kreuzfahrtschiffen durch das Mittelmeer. 1995 ist die Ehefrau verstorben und Wilhelm Zenger lebt seither eigenständig in seiner Wohnung, wird aber abwechselnd von seinen vier Töchtern und deren Familien betreut. Bürgermeisterin Brigitte Netta gratulierte und überreichte den Ehrenkrug der Stadt, verbunden mit dem Wunsch, dass der Jubilar seinen überaus trockenen Humor nicht verlieren möge.
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