Willkommen auf 1150 freien Parkplätzen
Ambergs blaues Wunder mit System

Als dieses Foto entstand, waren 1068 Parkplätze in Amberg frei, wie dieses Schild am Stadteingang Regensburger Straße verrät. Auch am Altstadtring geht es mit einer Aufsummierung der jeweils folgenden freien Flächen weiter. Bild: Steinbacher

Mit dem neuen Parkleitsystem erlebt Amberg derzeit sein blaues Wunder. Nicht nur, weil die Schilder blau sind, sondern weil man sich über einige Hinweise darauf wirklich wundert. Das fängt schon an den Stadteingängen an, wo die Gesamtzahl aller erfassten Stellflächen angezeigt wird. Von Hunderten freien Plätzen ist dort zu den meisten Tageszeiten die Rede. Am frühen Morgen, wenn selbst berufstätige Langzeitparker noch nicht viel belegt haben, stehen da sogar vierstellige Zahlen: 1150 oder so. Darüber heißt es in Leuchtschrift "Willkommen in Amberg".

Willkommen? Offenbar ist hier jeder sehr willkommen, denkt sich schon der Einheimische, wenn wir so viele freie Flächen haben, obwohl von Politik und Wirtschaft gerne anderes behauptet wird. Gut, als Amberger kann man sich's noch erklären, wie es zu diesen hohen Werten kommt, die übrigens zu bestimmten Zeiten und am Wochenende schon schrumpfen. Ist ja nicht so, dass kein Schwein hierher will.

Aber genau dieser Eindruck wird durch die astronomischen Zahlen gefördert - bei auswärtigen Besuchern gar erst erweckt. Sie dürfen übrigens gleich weiter staunen, wenn sie auf den vierspurigen Ring rund ums Ei fahren. Denn auch dort sind von Park-Standort zu -Standort alle jeweils folgenden und noch freien Stellplätze aufaddiert.

Dadurch ergeben sich meist schwindelerregende Stellplatzzahlen unter dem Hinweis "Altstadtring". Der Besucher muss sich eigentlich denken: Wenn schon außen rum so viele Stellflächen frei sind, wie sieht's dann wohl innen in der City aus? Ist die auch so leer - also von Menschen, nicht von Autos? Ein zweiter fataler Eindruck, der natürlich falsch ist. Aber: Weiß das der Auswärtige?

Ihm und uns zuliebe sollten wir diese Schmarrn-Aufsummierung beenden und übrigens auch die Bezeichnung Altstadtring verschwinden lassen, mit der Fremde ebenso wenig anfangen können. Oder, vielleicht doch: Sie könnten sich dumm (oder schlau) stellen und den Hinweis mit dem blauen Park-P als Stellplatz direkt vor ihrer Nase betrachten. Parken auf dem Altstadtring eben. Ganz ohne Gebühren, weil ja nirgendwo Parkscheinautomaten in der Nähe stehen. Klar, wer das macht, würde teuer bezahlen. Fürs Abschleppen, das sicher folgen würde. Das wäre dann die nächste bleibende Erinnerung an Amberg. Okay, das ist etwas übertrieben. Aber ein kleiner Schildbürgerstreich und womöglich ein Eigentor ist das mit der Summiererei an den Stadteingängen und rund um den Altstadtring schon.

Auch wenn die Zahlen grundehrlich und nicht geschwindelt sind - sie machen schwindlig. Und sollten verschwinden, bevor sich dieser Schilderwahn bayernweit herumspricht. Obwohl: Dann wären wir Gesprächsthema und locken vielleicht Besucher in Scharen an, die sich das anschauen wollen. Die Frage ist nur, ob die dann auch parken und in die Altstadt gehen wollen? Für die, die nur außen rumfahren, können wir ja noch einige Drive-In-Buden samt Parkplätzen am Ring bauen. Denen geben wir dann einen (stadt)eigenen Namen - samt Nummerierung natürlich: Ambergs blaues Wunder Nr. 1, Ambergs blaues Wunder Nr. 2 und so weiter ...
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