Wirtschaftsschüler experimentieren mit 3D-Druckern
Das läuft wie gedruckt

Selber machen, statt kaufen. Wirtschaftsschüler Marquis Farmer hat sich sein eigenes Finger-Skateboard ausgedruckt. Bilder: pwom
 
Stolz präsentieren die Schüler der Wirtschaftsschule ihre ausgedruckten Schmuckstücke. In Kooperation mit der OTH Amberg und der Siemens AG wurde den Jugendlichen der Umgang mit der 3D-Drucktechnik näher gebracht.

Marzipanfiguren, Zahnersatz, Hörgeräte, Modeschmuck, Gelenkimplantate und Brillengestelle: Auf den ersten Blick haben diese Dinge nicht viel gemeinsam. Oder doch? All das kann mittlerweile von 3D-Druckern gefertigt werden. Angepasst an individuelle Bedürfnisse. Amberger Wirtschaftsschüler wagten das Experiment.

Auch ein 3D-Drucker muss gefüttert werden: Metalle, Kunststoffe, Schokolade, Keramik oder Marzipan isst er am liebsten. Die Schüler der städtischen Wirtschaftsschule Friedrich Arnold haben seit zwei Jahren die Möglichkeit, diese Technik hautnah zu erleben und auszuprobieren. Als Teil des Programms "school meets industry" hat die Siemens AG der Wirtschaftsschule einen 3D-Drucker der Firma FIT aus Parsberg zur Verfügung gestellt. Die OTH Amberg betreut das Projekt und ist erster Ansprechpartner. "Die Fachhochschule hat uns Tipps gegeben, wenn es Probleme gab. Aber das kam zum Glück nicht allzu häufig vor", erklärt Lehrerin Karin Kasowski, die als Projektleiterin mit ihren Schülern experimentierte.

Freude an Experimenten


Der Projektunterricht findet jedes Jahr für die Abschlussklassen statt. "Uns wurden mehrere Projekte vorgestellt und dann mussten wir uns für eines bewerben. Ich fand den 3D-Drucker besonders interessant. Toll, was man da so alles machen kann", erläutert die 16-jährige Sophie den Ablauf. "Am liebsten hätten die Schüler Handyhüllen gedruckt, aber dafür ist dieser Drucker nicht geeignet, deshalb haben wir uns dann für Modeschmuck entschieden", sagt Karin Kasowski. "Schmuck fanden wir auch eine schöne Idee", betont Projektteilnehmerin Anna. Ihr Mitschüler Marquis erklärt: "Nicht alles, was wir machen wollten, hat geklappt. Dieser Drucker kann eher kleinere Teile." Er selbst hat keinen Schmuck gemacht, sondern ein Finger-Skateboard: "Das Komplizierteste war, die Achsen zu justieren." Um die fertigen Teile zu erhalten, mussten nach dem Druck die Kanten geschliffen werden. Die Baupläne hat die Klasse vorher aus dem Internet heruntergeladen. "Da durfte sich jeder was aussuchen und dann wurde geschaut, ob sich das umsetzen lässt. Pro Teil hat der Drucker so 10 bis 30 Minuten gebraucht", erklärt Karin Kasowski.

Selbst entwerfen durften die Wirtschaftsschüler ihre Schmuckstücke noch nicht. "Das hätte den Rahmen gesprengt. Der Hauptaspekt liegt hier auf der Annäherung an Technik, nicht an Design. Das Projekt sollte Appetit auf mehr machen", erklärt Professor Dr. Wolfgang Blöchl von der OTH: "Daten und Technik sind das Gold der Zukunft." Es sei gut, die Jugendlichen frühzeitig damit zu konfrontieren. Da es auch für die spätere Berufswahl wichtig sei.

Thema war auch, inwieweit 3D-Drucker schon jetzt oder in der Zukunft die Arbeitswelt beeinflussen. Blöchl sprach an, dass 3D-Drucker vielen Unternehmen die Existenzgrundlage entziehen könnten. "Die Entwicklung ist hier brutal dynamisch. Die Technik schreitet sehr schnell voran und die druckbaren Teile werden immer komplexer", erklärt er. Im Fall des Zahntechnikers zum Beispiel ist dieses Szenario nicht unwahrscheinlich. In vielen Bereichen werde die neue Technik allerdings eine Koexistenz mit den bisherigen Verfahren eingehen. "Der 3D-Druck bietet eine Individualität, die mit herkömmlichen Mechanismen nicht mehr geleistet werden kann. Geschwindigkeit und Masse sind hier nicht das Ziel", betont Hermann Kasowski von Siemens.

Wirtschaft und Technik


Auch in der Luftfahrt ist der Einsatz der 3D-Druck-Technik möglich, denn hier sind die benötigten Stückzahlen nicht so hoch. Ein "großer Markt ist auch die Ersatzteilbeschaffung. Ersatzteile können dann bei Bedarf gedruckt werden und müssen nicht kostenaufwendig gelagert werden", beschreibt Hermann Kasowski.

"Wir sind zwar eher eine kaufmännische Schule, aber innerhalb von einem halben Jahr haben die Schüler gelernt, mit Drucker und Druckprogramm umzugehen. Ihr habt das ganz toll gemacht", lobte Schulleiterin Brigitte Conchedda die Klasse.
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