Wo muss ich hin? Wo darf ich fahren?
Tüfteln am Radverkehrskonzept

In kleinen Grüppchen überlegten die Workshop-Teilnehmer, wo das Radwegenetz verbessert werden müsste. Sie schrieben die Vorschläge auf die Stadtpläne. So können die Ideen der Amberger, die oft mit dem Rad unterwegs sind, in die Planungen einfließen. Bild: Hartl
 
"Oft stand ich an der Kreuzung und musste überlegen, wo kann ich jetzt eigentlich hin? In Amberg geht das Radfahren ein bisschen nach Gefühl." Zitat: Linn Schröder von der Planungsgemeinschaft Verkehr Alrutz


Zitate"Man darf nicht nur kritisieren. Man könnte beispielsweise eine Aktion in der Fußgängerzone machen: Wer richtig fährt, wird belohnt."

"Das haben wir auch schon festgestellt: Hannover ist ein bisschen flacher als Amberg."

"Wir sagen nicht, die Altstadt muss geteert werden. Da würden wir mit Pauken und Trompeten rausfliegen."

"Es gibt Städte, die in historischen Bereichen ebene Pflasterstreifen verlegen, aber je ebener der Belag, umso weniger wird Schritttempo gefahren."

"Wir wollen die Radfahrer fördern. Ich glaube, zum Autofahren muss ich niemanden überzeugen."

Heike Prahlow, Geschäftsführerin der Planungsverkehrsgemeinschaft Alrutz (roa)

So war das für alle neu. Aber irgendwie gut. Jeder durfte am Donnerstagabend ins Baureferat kommen und einen Vorschlag zum Radverkehrskonzept machen. Rund 20 Amberger folgten dem Aufruf zum Workshop mit einem externen Planungsbüro aus Hannover.

Amberg. (roa) Zum Teil zeigten sich die Gäste richtig fassungslos, dass ihre Stimmen Gehör finden und ihre Vorschläge aufgenommen werden sollten. Sie alle waren aber auch Profis auf ihrem Sektor: dem Radfahren im Stadtgebiet. Heike Prahlow, die Geschäftsführerin der Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) Alrutz GbR, stellte die Ziele vor.

Viele Handlungsfelder


Auf einen Nenner gebracht, drehte sich der Workshop um die Frage: Ist es in Amberg schön, Fahrrad zu fahren? "Neben der Infrastruktur gibt es aber noch viele andere Projekte." Zum Beispiel die Unfallanalyse, das Fahrradparken, das allgemeine Fördern dieser Fortbewegungsart, beispielsweise durch betriebliche Anreize. Prahlow betonte: "Wir fangen in Amberg nicht bei null an." Stattdessen würden vorhandene Ansätze zusammengefügt. Dies sei auch bitter nötig, waren sich alle Beteiligten einig. Laut Wolfgang Babl vom Baureferat sind in den vergangenen acht Jahren "0,0 Euro im Haushalt für das Radwegekonzept" eingeplant gewesen. Es gebe aber eine ganze Reihe von Maßnahmen, die abgearbeitet werden sollten, zum Beispiel auch ein Konzept von 2001.

Die Expertin aus Hannover stellte jedoch von Beginn an eines deutlich klar: "Das neue Konzept soll nicht im Kämmerlein liegen bleiben." Es werde allerdings auch nicht von heute auf morgen umgesetzt. Prahlow nannte einen Zeitraum von etwa zehn Jahren und empfahl, es in gesamtplanerische Aktivitäten einzubauen. "Das heißt, wenn sowieso aufgegraben wird, und das Radverkehrsnetz läuft drauf, dann muss man sich gleich überlegen, was man davon umsetzen könnte."

Planungsbüro-Mitarbeiterin Linn Schröder hatte bereits Vorarbeit geleistet. In den Herbstferien fuhr sie ("mit einem Fahrrad von Herrn Babl") zwei Tage lang die Stadt ab, um einen Eindruck zu erhalten. Positiv strich sie heraus, dass die Fußgängerzone in Schrittgeschwindigkeit durchfahren werden darf, die Einbahnstraße für den Gegenverkehr freigegeben ist oder beim Fahrradparken versucht wird, die Ständer in einer einheitlichen Optik zu präsentieren. "Zum Teil wären hier aber Kapazitätserweiterungen sinnvoll."

Wo kann ich fahren?


Weniger gelungen sei die Wegweisung. Sie entspreche beispielsweise auf der Sulzbacher Straße nicht dem neuen Standard. Als negativ bezeichnete Schröder die fehlende oder unzureichende Radverkehrsführung an Knotenpunkten und Kreisverkehren: "Hier fragte ich mich oft: Wo darf ich? Wo kann ich?" Sie führte weiter mit Fotos von ihrem Streifzug durch die Stadt auf: unzureichende Bordabsenkungen, Belagsqualität, Engstellen oder fehlende Anbindungen. SPD-Stadtrat Dieter Amann lobte Schröder: "Für zwei Tage ist das ganz enorm. Wir brauchen 16 Jahre."

Mit Hilfe von Stadtplänen zeichneten die Workshop-Teilnehmer weitere Vorschläge für das Radverkehrsnetz auf. Diese wurden eingesammelt und sollen nun in die künftigen Planungen einfließen.

Wie geht's weiter? Die Hannoveraner nehmen noch im November Vorschläge für Verbesserungen entgegen. Unfälle sollen ausgewertet sowie die Netze weiterentwickelt werden. Im Frühjahr wird der Radverkehr in Amberg gezählt. Workshop-Teilnehmer Norbert Lange vom ADFC bezeichnete die Veranstaltung als "gewaltigen Fortschritt". Prahlow kündigte einen weiteren Workshop im kommenden Jahr an, in dem noch eine Feinjustierung möglich ist.

Oft stand ich an der Kreuzung und musste überlegen, wo kann ich jetzt eigentlich hin? In Amberg geht das Radfahren ein bisschen nach Gefühl.Linn Schröder von der Planungsgemeinschaft Verkehr Alrutz


Ein schlechter Radweg ist immer schlechter als gar kein Radweg.Diplom-Ingenieurin Heike Prahlow, Geschäftsführerin der Planungsgemeinschaft Verkehr Alrutz
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