Zimmerer und Schreiner feiern 125-Jähriges ihres Vereins
Stolz auf Werte und Tradition

Vorsitzender Josef Donhauser (rechts) nahm die Ehrungen für jahrzehntelange Mitgliedschaften im Verein vor. Bilder: hae (2)
 
Erinnerungsfoto vor der Bergkirche. Stolz präsentierten sich die Zimmerleute und Schreiner vor ihrer 125-Jahr-Feier. Bild: gf

Zimmerleute arbeiten hart, aber sie verbreiten auch viel gute Laune. Das bewies der Verein der Zimmerleute und Schreiner bei seiner 125-Jahr-Feier im ACC. Im Mittelpunkt standen Ehrungen und ein Vortrag von Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger.

Amberg. (hae) Neben vielen Mitgliedern war auch ein Dutzend Abordnungen anderer Vereine, vor allem aus den Neuen Bundesländern, erschienen. Da tauchten Namen auf wie die Bruderschaft zur Rose Quedlinburg, die Gewandhausgesellen aus Leipzig und Oberlausitz, die Zünftigen Handwerker zu Goslar oder die Heidberg Frei-Zunft aus Güstrow.

Mit der Feststellung, dass für das Gründungsjahr 1891 wenig Auffälliges vermerkt ist, stieg Dr. Johannes Laschinger in die Geschichte des Vereins ein. Trotz der auch in Amberg zu dieser Zeit beginnenden Industrialisierung wurde am 31. Mai 1891 der Zusammenschluss gegründet. Erster Vorsitzender wurde zwar der Zimmermann Franz Graf, doch in der gesamten Zeit von der Gründung bis heute findet sich bei den Vorsitzenden und Ausschussmitgliedern immer wieder der Name Donhauser.

In Notsituationen


Schon im zweiten Vereinsjahr beging der Verein erstmals eine Josefi-Feier mit Fahnenweihe. Hauptziel war, den Mitgliedern in akuten Notsituationen, also bei Krankheiten, Unfällen und Todesfällen, zu helfen. Dafür wurde ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von 25 Pfennig erhoben. Kein Vereinszweck war - obwohl die soziale Frage damals sehr aktuell war - die Durchsetzung von Änderungen bei den Lohn- und Arbeitsverhältnissen. Von solchen gewerkschaftlichen Forderungen grenzte man sich ab.

Während des Ersten Weltkrieges kam das Vereinsleben ziemlich zum Erliegen und belebte sich erst wieder während der Weimarer Republik. Die Beteiligung an der Gewerbeschau 1926 mit zwei Wagen und die 40-Jahr-Feier 1931 waren die herausragenden Ereignisse. Schnell wurde während der NS-Zeit der Verein von der Sprachregelung im Dritten Reich vereinnahmt, bald drohte die Auflösung. Trotzdem richtete man an Josefi den Kirchenzug aus.

Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges fand 1950 wieder die erste Jahrestagsfeier mit Kirchenzug statt, die Tradition lebte wieder auf und die Mitgliederzahl stieg. 1958 wurde die neue Fahne geweiht. In den 60er- und 70er-Jahren erlebte der Verein laut Laschinger eine Identitätskrise, die aber Mitte der 80er-Jahre wieder beendet war. Traditionen wie Richtfest und Richtspruch, über Jahrhundert erworbene Kenntnisse und von Generation zu Generation weitergegebenes Wissen, verband sich danach mit moderner Hightech. Die 100-Jahr-Feier war 1991 Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins und Selbstverständnisses. Seitdem engagiert sich der Verein in zweifacher Weise - bei der Traditionspflege einerseits und bei der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Von der Höchstzahl von 261 Mitgliedern ist man inzwischen zwar auf 146 gesunken, aber das hohe Ansehen in der Öffentlichkeit ist geblieben. Dazu trägt schon die unverwechselbar Kluft bei. Laschinger brachte es am Ende mit dem Jahresmotto des Handwerks auf den Punkt: "Die Zukunft ist unsere Baustelle."

Viele Gäste


Launig verzichtete Oberbürgermeister Michael Cerny auf die vorbereitete Rede und hob stattdessen stolz den Imagegewinn der Stadt durch diese Jubiläumsveranstaltung hervor. Die angereisten Clubs aus ganz Deutschland nähmen einen tollen Eindruck mit. Er bat den Verein, die traditionellen Werte hochzuhalten und an die nächste Generation weiterzugeben. Peter Kunze vom Bündnis Zünftiger Gesellen Deutschlands schilderte die Kontaktaufnahme der Amberger Zimmerer und Schreiner nach der Wende 1991 zur Bruderschaft Rose Quedlinburg. Seitdem gibt es gegenseitige Besuche.

Da der Jubelverein und die Gäste auf die Verteilung von Erinnerungsgeschenken verzichteten, übergab Vorsitzender Josef Donhauser zwei Spenden. Stadtpfarrer Franz Meiler erhielt 500 Euro und das Herbergsmuseum Blankenburg 730 Euro. Musikalisch aufgelockert wurde die Feier durch vereinseigene Musikanten. Mit dem bekannten Zimmererklatsch endete die Festveranstaltung.

Ehrungen10 Jahre

Karl-Heinz Pilhöfer, Alexander Bachmann und Fördermitglied Tanja Keil

20 Jahre

Thomas Büttner, Markus Dürr, Bernhard Graml , Alexander Keil, Stefan Schäffer, Bernhard Schatz und Christian Steger

30 Jahre

Georg Honig, Peter Keil sowie die Ehrenmitglieder Josef Triller und Anton Weigl

40 Jahre

Hans Wendl

50 Jahre

Alois Lehmeier (hae)
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