Zwei 20-Jährige auf der Anklagebank
Mit Messern eingeschüchtert?

Symbolbild: dpa

Die Geschichte klingt abenteuerlich und man muss abwarten, ob sie sich als wahr herausstellt. Vor dem Jugendschöffengericht sitzen zwei 20-Jährige, die im Zuge von Drogenermittlungen einen jungen Mann mit Messern bedroht haben sollen. Dabei fiel angeblich der Satz: "Wenn du uns bei der Polizei verpfeifst, passiert etwas."

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht einer, der in Amberg Marihuana verkaufte und dafür 22 Monate mit Bewährung erhielt. Neben dem 20-Jährigen sitzt sein gleichaltriger Kumpel auf der Anklagebank. Er soll zumindest in einem Fall mit dabei gewesen sein, als angeblich ein gerade erst 16 Jahre alter Kunde des Dealers massiv eingeschüchtert wurde. Der Tatbestand versuchter Nötigung steht zur Debatte. Das klingt eher harmlos gegenüber dem, was den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge an unterschiedlichen Tatorten passierte. Die Angeklagten ließen über ihre Verteidiger Jörg Jendricke und Michael Schüll erklären: "Da hat nie stattgefunden."

Jugendrichter Peter Jung ließ es damit nicht bewenden. Er startete eine umfangreiche Beweisaufnahme, in deren Verlauf der 16-Jährige eine wesentliche Rolle spielte. Er will unmittelbar nach dem Jahreswechsel in einem Lokal von beiden Beschuldigten auf der Toilette mit gezogenen Messern bedroht worden sein. Dabei fiel angeblich der Satz: "Wenn du uns verpfeifst, passiert etwas." Das sollen andere zwar beobachtet, aber nicht eingegriffen haben.

Wichtig ist dabei die Verwendung des Wortes "uns." Denn einer der beiden 20-Jährigen hatte mit den seinerzeit laufenden Rauschgiftermittlungen nichts zu tun. Hinzu kam: Der 16-Jährige verwickelte sich in Widersprüche und sagte beim Jugendschöffengericht teilweise etwas ganz anderes als vor der Polizei. Ähnlich verhielt es sich mit dem zweiten Fall der Anklage. Nicht lange nach dem angeblichen Nötigungsversuch auf der Wirtshaustoilette soll der zwischenzeitlich verurteilte Dealer am Maxplatz an den 16-Jährigen abermals herangetreten sein und ihn erneut mit einem aus der Tasche gezogenen Messer bedroht haben. Diesmal ohne Begleitung.

Interessant war: Zu dieser Zeit hatte der 20-Jährige bereits seine Marihuana-Verkäufe vor der Kripo eingeräumt und alle Abnehmer genannt. Deswegen hätte kein Grund bestanden, einen der Käufer als möglichen Zeugen in die Enge zu treiben. "Das Gericht sieht momentan eher keinen Grund zur Verurteilung", sagte Richter Jung. Doch Staatsanwältin Franziska Wilhelm will nun noch einen Zeugen hören, der angeblich bei dem Nötigungsversuch auf der Toilette des Innenstadtlokals dabei war. Bis Ende November hat die Polizei jetzt Zeit, ihn zu finden. Dann geht der Prozess weiter.
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