Zweieinhalb Jahre Haft für Finanzmakler
Betrüger auch der Betrogene

Der ganz zum Schluss kommende Satz in der Urteilsbegründung sprach Bände. Er lautete: "Auch Betrüger können zu Betrogenen werden." Weil er sich nach Auffassung des Gerichts keinen einzigen Cent von insgesamt vier Millionen vereinnahmten Euro selbst zuschanzte, fiel die Ahndung für einen Amberger Finanzmakler (54) relativ milde aus. Er bekam zweieinhalb Jahre Haft und wurde auf freien Fuß gesetzt.

"Dreh- und Angelpunkt war der in Weiden zu elf Jahren Haft verurteilte Wolfgang S.", ließ die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber anklingen. Finanzgeschäfte der schier unglaublichsten Art und reihenweise Leute, die von ihren Einlagen nie etwas zurückbekamen. Doch warum machte sein Partner, der Amberger Finanzmakler, weiter, als Wolfgang S. im Jahr 2013 hinter Gitter wanderte? Die Richter gewannen dazu die Auffassung: "Hoffnung stirbt zuletzt." Oder anders: Er hatte den Glauben daran, mit seriösen Geschäftsleuten zusammenzuarbeiten, nicht verloren.

"Wollte Kunden helfen"


Am Morgen des zehnten und letzten Prozesstages legte der Makler ein Geständnis ab und beantwortete danach Fragen des Gerichts. "Er wurde durch Hinterleute getäuscht", leitete Anwalt Hans Meyer-Mews (Bremen) die Angaben seines Mandanten ein und fügte hinzu: "Mein Mandant wollte seinen Kunden zu ihrem Recht verhelfen." Diese Kunden hatten in 17 angeklagten Fällen rund vier Millionen Euro an Konten auf der ganzen Welt überwiesen, um angebliche Gebühren dafür zu zahlen, dass ein riesiger Geldtopf in dreistelliger Millionenhöhe locker gemacht werden konnte. Dafür versprach man ihnen hohe Renditen.

Den Geldtopf gab es nie. Wohl aber eine im Hintergrund professionell und perfekt operierende Betrügerbande. An sie, offenbar von England aus tätig, flossen alle Summen und verschwanden bis heute. Den überwiegenden Teil der angeklagten Fälle stellte die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts jetzt ein. Der Grund: Darlehensnehmer dabei war wohl eine Firma, die noch aus Zeiten von Wolfgang S. existierte.

Sieben Mal aber nahm der Finanzmakler auf seinen Namen Kredite an. Sie standen letztlich zur Aburteilung, behaftet mit dem Vorwurf: "Es ist doch nie versprochenes Geld gekommen und Sie haben trotzdem weitergemacht." Die Antwort: "Ich musste sicher annehmen, dass Geld zur Auszahlung vorhanden ist." Konter von der Richterbank: "Das hätten Sie doch merken müssen."

Drei Jahre Haft beantragte Staatsanwalt Andreas Gietl. Er sagte: "Fast schon einzigartig, dieser Fall." Dann kam dieser Satz: "Erst wurde der Angeklagte von Wolfgang S. getäuscht, dann von den Hintermännern." Diese Einschätzung teilten die Verteidiger Hans Meyer-Mews und Michael Schüll. "Er wollte die Dinge für seine Kunden auf den Weg bringen und saß Betrügern auf." Ihr Antrag lautete auf "unter zweieinhalb Jahre".

Ein freier Mann


Eine Stunde später war der Makler ein freier Mann. Er bekam zweieinhalb Jahre Haft für einen von ihm angerichteten Vermögensschaden in Höhe von 480 000 Euro und konnte die Untersuchungshaft verlassen. "Sie haben das Geld einer Betrügerbande in den Rachen geworfen", tadelte die Richterin. Bei dieser kriminellen Vereinigung dürfte es sich um die international organisierte Nigeria Connection gehandelt haben. Sie arbeitete so präzise, dass selbst Fachleute staunten.
Fast schon einzigartig, dieser Fall.Staatsanwalt Andreas Gietl
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