Zwist unter JVA-Beamten: Oberstaatsanwalt akzeptiert Urteil
Es bleibt beim Freispruch

Die tätliche Auseinandersetzung zwischen zwei Beamten der Justizvollzugsanstalt Amberg wird kein weiteres strafrechtliches Nachspiel vor dem Landgericht haben. Noch vor Ablauf der Einspruchsfrist akzeptierte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier den in der Vorwoche ergangenen Freispruch für einen 53 Jahre alten Bediensteten des Gefängnisses.

30 Zeugen


Vier Tage lang hatte Amtsrichter Peter Jung verhandelt, dabei 30 Zeugen vernommen und erfahren, dass es mit dem Arbeitsklima in den zur JVA gehörenden Wirtschaftsbetrieben nicht zum Besten stand und die Verhältnisse eher miserabel waren. Auf der Anklagebank saß ein 53-jähriger Technischer Inspektor, dem der Oberstaatsanwalt vorwarf, an einem Januartag vergangenen Jahres in einem zur Anstalt gehörenden Büro einen 51 Jahre alten Kollegen nach anfänglich verbaler Auseinandersetzung mit Wucht gegen einen Schrank geworfen und schmerzhaft verletzt zu haben (AZ berichtete).

Nicht zu beweisen


Der Beschuldigte bestritt die ihm zur Last gelegte Körperverletzung und beharrte über die gesamte Prozessdauer hinweg darauf, er selbst sei das Opfer einer Attacke geworden. Das Gegenteil vermochte Richter Jung nicht zu beweisen. Er sprach den Beamten frei und sagte in der Begründung seiner Entscheidung: Er sei zwar davon überzeugt, dass in dem Büroraum eine Auseinandersetzung stattgefunden habe. Wie sie aber genau ablief, lasse sich aber nicht exakt nachvollziehen.

Oberstaatsanwalt Strohmeier nahm während seines Plädoyers den Angeklagten ins Visier. Er hielt ihn für den Täter, verlangte 9600 Euro Geldstrafe und stieß mit diesem Antrag ins Leere. Daraufhin hätte Strohmeier die Möglichkeit einer Berufung zur 3. Strafkammer des Landgerichts gehabt. Doch darauf verzichtete er. Auf Anfrage begründete er dies damit, dass es ihm nicht möglich sei, "neue Beweise für die Schuld des Angeklagten zu erbringen".

Nun Chance auf Aufstieg


Damit steht fest: Der Freispruch wird in dieser Woche rechtskräftig. Dadurch eröffnet sich für den 53-Jährigen die Möglichkeit, sich um eine höhere Stelle in der JVA zu bewerben. Diese Chance war bisher wegen des laufenden Verfahren gegen ihn auf Eis gelegt.
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