Amberg: Betriebsversammlung in der Luitpoldhütte - schwierige wirtschaftliche Situation
"Beidhändig Geld rausgezogen"

Seit dieser Woche laufen die Werksferien. Dennoch drängten Freitagvormittag über 250 Beschäftigte der Luitpoldhütte (LH) in eine der Produktionshallen. Die Personalvertretung hatte zur Betriebsversammlung geladen. Grund ist die prekäre wirtschaftliche Lage, in der die Gießerei steckt.

Die Kurzarbeit läuft seit November. Die übliche Pause von zwei oder drei Wochen im Sommer wurde heuer auf vier ausgedehnt. Grund dafür sind rückläufige Auftragseingänge, die bei der LH die Schmerzgrenze längst erreicht haben. Die Krise ist handfest - eine Lösung kurzfristig nicht in Sicht. Noch hat das Unternehmen keine übermäßigen Schulden. Andererseits droht die Insolvenz, wenn das Ruder nicht herumgerissen wird, sprich, die Anteilseigner in Russland (JSC Cheboksary Aggregate Works, 74 Prozent) und der Freistaat Bayern, kein Geld für die Hütte in die Hand nehmen.

Als die Einladung zur Info-Betriebsversammlung für Freitag hinausgegangen war, rechnete die Belegschaftsvertretung höchstens mit 50 bis 60 Kollegen, zumal unmittelbar am Ende des Werksurlaubs am Montag, 31. August, die Arbeit mit einer weiteren Betriebsversammlung wieder aufgenommen wird.

Klare Botschaft

Überrascht vom großen Zuspruch von über 250 Menschen zeigte sich nach dem gestrigen Termin der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Horst Ott. Aber nicht nur von der Zahl der Teilnehmer, sondern auch von der Art des Auftretens: "Mit dieser Mannschaft würde ich mich nicht so einfach anlegen", sandte er eine klare Botschaft an die Adresse der Eigentümer. Unsere Zeitung hat Ott unmittelbar nach Ablauf der Versammlung gebeten, zu schildern, wie die Veranstaltung gelaufen sei.

Demnach habe Vorstandsvorsitzender Thomas Lehner nichts beschönigt und verdeutlicht, dass die Lage ernst sei. Zugleich habe er gesagt, es gebe einen Plan, wie man aus dem Dilemma herauskomme. Nicht minder deutlich seien die Worte von Arbeitsdirektorin Christiane Berger gewesen. Souverän habe sie die Situation und Konsequenzen daraus geschildert - bis hin zur Zahlungsunfähigkeit.

Ott selbst, mit Sitz und Stimme im LH-Aufsichtsrat, schilderte dann vor versammelter Mannschaft, was diese Woche das Aufsichtsgremium in außerordentlicher Sitzung behandelt hatte. Er brachte die Auftragslage mit einem Satz auf den Punkt: "Es ist ein Drama." Gemeint war damit der Teufelskreis aus den teils politisch bedingten Gründen (Russland-Ukraine-Konflikt), aus dem schwächelnden Gießereimarkt sowie aus der Anteilseignerstruktur. Hier führte er namentlich die Russen an: "Von all den Ankündigung ist nur ein Kleinauftrag geblieben - und selbst dafür ist Rechnung bis heute noch nicht bezahlt." Im Gegenteil: Als an der Sulzbacher Straße noch Geld verdient wurde, "da haben sie herausgezogen und zwar beidhändig. Und gäbe es die Mitbestimmung nicht, wäre die Hütte schon von der Bildfläche verschwunden". Otts größte Hoffnung ist nun, dass sich der Freistaat seiner Eigentümer-Verantwortung bewusst wird und Kapital ins Unternehmen steckt. Von russischer Seite habe es das Signal in der Aufsichtsratssitzung gegeben, dass man die LH keinesfalls in die Insolvenz rutschen lasse.

Frist bis 18. August

Also müssten die Eigentümer persönlich Mittel aufbringen, da die LH-Muttergesellschaft selbst bankrott ist und die Staatsbank die Hand drauf hat. Im Aufsichtsrat sei zwischen den Vertretern von Freistaat und Cheboksary vereinbart worden, sich bis Dienstag, 18. August, über das weitere Vorgehen zu verständigen.

Nicht nur dieser Sachverhalt ist es, der Horst Ott zuversichtlich stimmt, sondern auch, dass "die LH ein gut geführtes Unternehmen ist". Und der Sprecher der IG Metall betonte: "Ich glaube, dass die LH eine gute Chance hat. Ich sehe da durchaus Perspektiven", blickte er nach vorne. Zugleich machte er deutlich, dass die Gewerkschaft nicht bereit sei, Opfern seitens der Arbeitnehmer zuzustimmen, ehe nicht von der anderen Seite Geld geflossen sei: "Und zwar so, dass ich es auf dem Konto sehe."
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