Amberg: Luitpoldhütte stellt Insolvenzantrag beim Amtsgericht
Luitpoldhütte in Insolvenz

Die Fahnen wehten am Donnerstag im spätsommerlichen Wind vor dem Hauptportal der Luitpoldhütte an der Sulzbacher Straße in Amberg. Unterdessen tagten dahinter die Krisenstäbe, um über die Zukunft des sprichwörtlich vom Regen in die Traufe geratenen Unternehmens zu befinden. Die bayerische Flagge steht für den Freistaat, der 26 Prozent an der LH hält, die russische für den Mutterkonzern der Gießerei, JSC Cheboksary Aggregate Works (74 Prozent). Am kommenden Montag, kehrt die Belegschaft aus den Werksferien z

Offensichtlich haben die jüngsten Verhandlungen Mitte dieser Woche nicht zu den gewünschten und insgeheim erhofften Finanzspritzen geführt: Jedenfalls hat die Luitpoldhütte (LH) am Mittwoch um 15 Uhr beim Amtsgericht in Amberg Insolvenzantrag gestellt.

Die Belegschaft befindet sich in der vierten Woche des Betriebsurlaubs und dürfte von dieser Nachricht mehr als überrascht sein. Auch wenn die Zeichen an der Sulzbacher Straße schon seit Monaten auf Sturm standen, so kommt die Zahlungsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt doch unvermittelt. Hintergrund dürfte sein, dass die Anteilseigner - der russische Konzern JSC Cheboksary Aggregate Works (74 Prozent) und der Freistaat Bayern (26 Prozent) - die zum Weitermachen erforderlichen Gelder wohl nicht zur Verfügung gestellt haben.

Bereits in der Gießerei

Die Meldung von der Insolvenz war am Donnerstag dem entsprechenden Internetportal der bayerischen Justiz zu entnehmen. Dort hieß es, das Verfahren trage die Nummer IN 314/15. Im Laufe des Nachmittags bestätigte dies eine Kölner Agentur im Namen des vorläufigen Insolvenzverwalters, des Nürnberger Rechtsanwalts Dr. Hubert Ampferl. Er selbst war am Nachmittag nicht zu erreichen. Er hielt sich gestern nach unseren Informationen mit einem kleinen Mitarbeiterstab in den Räumen der Gießerei auf.

Kontakt mit Kunden

Über die Agentur hatte Ampferl wissen lassen, dass er sich einen ersten Überblick über die Situation verschafft. Gleichzeitig habe er bereits Kontakt mit den wichtigsten Kunden und Lieferanten aufgenommen. "Wir werden weiterhin alle Aufträge und neue Bestellungen in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität ausführen", wird der Jurist zitiert.

In den nächsten Tagen und Wochen will Ampferl in enger Abstimmung mit dem Vorstand die Sanierungsoptionen prüfen. "Wir fangen dabei nicht bei Null an", unterstrich er in der Mitteilung, und: "Der Vorstand hat bereits ein detailliertes Restrukturierungskonzept vorgelegt, an das wir anknüpfen können." Auf dieser Grundlage strebt der Anwalt die Sanierung des Unternehmens über eine Investorenlösung an.

Die Luitpoldhütte Amberg fertigt hochwertige Gussteile für Kunden der Land- und Baumaschinenindustrie. Das Unternehmen musste 2014 und 2015 deutliche Marktrückgänge von jeweils rund 20 Prozent hinnehmen. Die ursprünglich für das vierte Quartal 2015 erwartete Markterholung werde, so Ampferl, nach neuesten Erkenntnissen frühestens in 2017 einsetzen. Zur Senkung der Kosten wird in der LH bereits seit November 2014 kurzgearbeitet.

Für drei Monte gesichert

Die ergriffenen Maßnahmen reichten jedoch allein nicht aus, um das Unternehmen in den bestehenden Strukturen wirtschaftlich fortzuführen. Der Vorstand habe deshalb dem Aufsichtsrat das genannte Restrukturierungs- und Investitionskonzept vorgelegt, das allerdings mit einem größeren Finanzierungsbedarf verbunden sei. Der Aufsichtsrat habe diesem Papier unter Finanzierungsvorbehalt bereits zugestimmt. Die Bemühungen zur Finanzierung des Konzepts seien jedoch am Mittwoch nach langen Verhandlungen gescheitert: "Infolgedessen musste das Unternehmen Insolvenz anmelden," vermeldete der vorläufige Insolvenzverwalter.

"Die Insolvenzanmeldung hat keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb", betonte Ampferl weiter, und: "Die Produktion wird planmäßig nach Ende der Betriebsferien am 31. August wieder aufgenommen und die Mitarbeiter weiter bezahlt." Die Löhne und Gehälter der rund 450 Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.

Verschiedene Krisenstäbe

Während des gesamten Donnerstagnachmittags tagten in der Luitpoldhütte verschiedene Krisenstäbe. Deshalb liefen bis zum frühen Abend alle Versuche ins Leere, Stellungnahmen des Vorstandsvorsitzenden Thomas Lehner und von Arbeitsdirektorin Christiane Berger zu bekommen. Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack hatte die Belegschaftsvertretung zusammengerufen und war telefonisch ebenfalls nicht erreichbar.
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