Amberg: Trotz Finanzkrise, Staatspleite, Grexit weiterhin beliebtes Urlaubsziel
"Griechenland eine Reise wert"

Reisekataloge und Broschüren zu Griechenland. Sie zeigen die Schönheit des Landes und locken mit attraktiven Angeboten. Nicht alle Kunden lassen sich derzeit davon begeistern. Bild: Skorupa

Finanzkrise, Staatspleite, Grexit – alle reden über Griechenland. Ist es noch ein beliebtes Urlaubsziel? Ist die Krise auch eine Krise für die Amberger Reisebüros?

Amberg. „Griechenland bleibt ein beliebtes Urlaubsziel“, sagt Alina Matei (Sonnenklar). Wegen der Flüchtlingswelle auf die griechische Insel Kos im Mai hätten einige Kunden jedoch gezielt nachgefragt. „Ist das die Insel aus dem Fernsehen?“, wollten sie wissen. Matei hat festgestellt: „Die Leute sind schlecht über die Vorgänge informiert. Man muss gezielt aufklären und überzeugen.“ Sie betont, dass die negative Berichterstattung über Griechenland sicherlich einen Einfluss auf die Meinung der Kunden habe.

Die Auswirkungen der Flüchtlingswelle spürt auch Karin Hoffmann (Reisefieber). Ein Blick in ihre Unterlagen verdeutlicht ihr: „Griechenland ist gewaltig zurückgegangen.“ Hoffmann glaubt jedoch nicht, dass die Leute eine Abneigung gegenüber Flüchtlingen haben. Aber der Urlaub soll eine schöne Zeit sein. „Die Menschen haben ein gutes Herz. Sie wollen sich nur das Mitleid fernhalten“, sagt Hoffmann.

Der Fan leidet

Die Inseln seien von der politischen Situation weniger betroffen und dadurch immer noch gefragter als das Festland. Dennoch gibt es laut Hoffmann Leute, die Griechenland trotz günstiger Angebote „aus Prinzip ablehnen“. Ein junges Paar habe erst kürzlich partout nicht auf die Insel Kreta gewollt. „Von selbst biete ich Griechenland nicht mehr an“, bedauert Hoffmann als Fan des Landes. „Das Land ist so schön und die Leute sind so freundlich. Ich hoffe, dass wieder mehr Positives darüber berichtet wird.“ Eher gefragt sind momentan Türkei und Spanien. Laut Hannelore Augsberger vom gleichnamigen Reisebüro kann Griechenland mit Spanien preislich mithalten, trotzdem komme es nicht so zum Zuge. „Die Krise ist leicht spürbar“, fasst Augsberger zusammen. „Manche reagieren beim Thema Griechenland gar nicht, manche Stammkunden blockieren zurzeit sogar.“

Nicole Lontke (Dronzella) sagt, Griechenland werde aufgrund seiner „Gastfreundschaft“ und seiner „schönen Ecken“ immer noch gerne gebucht. Wenn der Kunde kein konkretes Reiseziel hat, ist es Lontke zufolge aber nicht die erste Wahl. „Manche fahren auch aus Prinzip nicht hin, das ist aber eher selten.“ Das Thema Flüchtlinge werde nicht angesprochen. Die Kunden fragten jedoch durchaus, was wäre, wenn „der Ernstfall“ eintritt und Griechenland aus der Euro-Zone aussteigt. Lontke sagt, dass statt Individual- lieber Pauschalreisen gewählt würden, da die Kunden hier durch den Veranstalter finanziell abgesichert seien und sich um nichts mehr kümmern müssten.

Auch Christa Hummel vom gleichnamigen Büro erlebt, dass die Nachfrage spürbar zurückgeht. Manche Kunden riefen vor der Beratung sogar: „Aber nicht Griechenland!“ Hummel berichtet von Stammkunden, die heuer das erste Mal nicht nach Griechenland fahren. „Die Leute befürchten, dass sich die Bedingungen vor Ort durch einen Ausstieg aus der EU verschlechtern und sie dadurch zum Beispiel nichts mehr einkaufen können.“

Anders als im Fernsehen

Hummel war vor Kurzem selbst auf der Peloponnes. Sie erzählt, dass sie nicht beschimpft wurde und sich willkommen fühlte. „Es ist nicht so, wie es im Fernsehen dargestellt wird“, unterstreicht Hummel und hebt die Hilfsbereitschaft und den guten Service der Griechen hervor. Diese verstünden die Lage selbst nicht und würden unter der politischen Situation leiden.

Einen auffälligen Einschnitt gab es beim Reiseveranstalter Bruckner, der seit 15 Jahren eine mehrtägige Busfahrt nach Griechenland im Programm hat. Laut Peter Bruckner hatte diese einen festen Kundenstamm. Aus mangelndem Interesse sagte Bruckner dieses Jahr das erste Mal ab. Warum wollte keiner mit? Bruckner ist ratlos. Am Preis könne es nicht liegen. Die Fahrt sei dieses Jahr günstig angeboten worden. Durchaus möglich, dass die Griechenland-Krise eine Rolle spielt. In kleineren Reisebüros spürt man das Buchungsproblem noch nicht so deutlich. Angelika Schnerr (Linzer) sagt, die Krise wirke sich „überhaupt nicht“ aus. Wer gerne nach Griechenland in den Urlaub fliegt, täte es auch weiterhin. Wie sagte doch Branchenkollegin Augsberger so schön: „Griechenland ist eine Reise wert.“