Aus Fehlern der Vergangenheit lernen
Flexibilität bei Flüchtlingsbleibe

Auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015 blickten Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft Wohnungsbau und Siedlungswerk Werkvolk zurück (von links): Aufsichtsratsvorsitzender Johann Fröhlich sowie die Vorstände Dagmar Kierner und Wolfgang Erb. Rechts der bei der Mitgliederversammlung wiedergewählte Aufsichtsrat Ewald Fiegert. Bild: usc

Der enorme Zustrom von Flüchtlingen stellt auch das Werkvolk vor neue Aufgaben. Geschäftsführerin Dagmar Kierner warnt aber davor, jetzt mit Steuergeldern einfache Unterkünfte, vor allem in Ballungsgebieten, aus dem Boden zu stampfen.

Amberg. (usc) Ihr Unternehmen will stattdessen bei Neubauten darauf achten, dass die Grundrisse so flexibel gestaltet werden, dass sie später auch für ältere Menschen oder Studenten infrage kommen. Das Thema hat Bezug zur Geschichte des Unternehmens, wurde es doch am 4. März 1949 in Amberg von Einheimischen und Neuankömmlingen gegründet, um preiswerte Wohnungen zu schaffen. Die Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung und die gute soziale Durchmischung seien auch heute noch Leitlinien der Gemeinschaft.

Aktuell hat das Werkvolk nach Angaben von Kierner seit 2015 vier Flüchtlingsfamilien untergebracht, die von der Hausgemeinschaft herzlich aufgenommen worden seien. Wie bei der Mitgliederversammlung zu erfahren war, bereitet das Werkvolk seine Mitarbeiter durch Schulungen auf die Betreuung der Menschen aus anderen Kulturkreisen vor: "Wir müssen wissen, wie man diese Menschen anspricht, wie sie ticken."

In Kierners Jahresbericht heißt es: "Aus den Erfahrungen der Vergangenheit, der großen Aussiedlerwelle Anfang der 90er-Jahre, wissen wir, wie schwierig Integration ist und welche Fehler man dabei machen kann." Harsche Kritik übte Kierner in diesem Zusammenhang an der Regensburger Wohnungspolitik: "Viele, die in Regensburg eine preisgünstige Wohnung suchen, fragen bei uns an. Wir würden gerne weiter bauen und bieten das auch an, aber leider hat bei den derzeitigen Regensburger Politikern das genossenschaftliche Bauen anders wie in München keinen besonderen Stellenwert mehr."

Auch im 66. Jahr ihres Bestehens stellte sich die Genossenschaft Wohnungsbau und Siedlungswerk Werkvolk eG als erfolgreiches Unternehmen mit einem Anlagevermögen von 70,8 Millionen Euro dar. Der Verkehrswert der Wohnbauten liege allerdings bei etwa 179 Millionen Euro, die Bilanzsumme bei 87,2 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss 2015 betrug 1,72 Millionen und die Bilanzsumme 87 271 819,05 Euro.

Werkvolk-Geschäftsführerin Dagmar Kierner sprach bei der Mitgliederversammlung in ihrem Rechenschaftsbericht von einem guten Geschäftsjahr 2015 sowie von einer geordneten Finanz- und Vermögenslage. Demnach habe sich der Bilanzwert der Grundstücke mit Wohn- und Geschäftsbauten durch Abschreibungen (1,75 Millionen) auf 67,6 Millionen Euro verringert. Der Verkehrswert der Wohnbauten - ungefähr das Zwölffache der Jahresmiete - liegt laut Kierner bei etwa 179 Millionen. Insgesamt betrage das Anlagevermögen 70,8 Millionen Euro.

Das kurzfristig - bis zu einem Jahr - in der Genossenschaft befindliche Umlaufvermögen habe sich 2015 um 166 000 Euro auf 16,47 Millionen verringert. Die flüssigen Mittel, Guthaben bei Kreditinstituten und Kassenbestand, betrugen 13,9 Millionen. Das Eigenkapital sei auf 30,8 Millionen Euro gestiegen. Das seien fast 1,8 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Eigenkapitalanteil am Gesamtvermögen betrage 35,3 Prozent. Die Verbindlichkeiten gab Kierner zum Jahresende mit 54,0 Millionen an. Sie seien durch reguläre Tilgung und Darlehensrückzahlungen um insgesamt 3,5 Millionen Euro gesunken.

Die Umsatzerlöse aus der Hausbewirtschaftung betrugen im Geschäftsjahr ähnlich wie im Vorjahr knapp 15 Millionen Euro. Komplett renoviert wurden 63 Wohnungen.

Was die Ausgaben anbelangt, so nannte Kierner als größten Posten die Aufwendungen für die Hausbewirtschaftung, darunter Betriebskosten von 3,1 Millionen und Instandhaltung an den Mietobjekten mit 4,25 Millionen Euro. Insgesamt habe die Genossenschaft 7,37 Millionen an Aufwendungen für die Hausbewirtschaftung ausgegeben.

Aus der Werkvolk-MitgliederversammlungNicht unerwähnt ließ Geschäftsführerin Dagmar Kierner bei der ordentlichen Mitgliederversammlung Spenden von 15 000 Euro. 5000 Euro gingen demnach an den Sozialdienst katholischer Frauen, 2000 Euro an Donum Vitae, 7000 Euro an die Werkvolk-Kierner-Stiftung (zweckgebunden für die Tafel, das SKF-Projekt "endlich gecheckt" und den Ringerclub). Jeweils 500 Euro erhielten die Caritas und "Amberg hilft Menschen". Der Jahresüberschuss 2015 betrug 1,72 Millionen Euro. Nach der Zuführung zu den Rücklagen (1,06 Millionen Euro) ergibt sich ein Bilanzgewinn von 668 685,04 Euro. Zufriedenstellend nannte Kierner auch die Ergebnisse der Tochtergesellschaften. Die Kindergarten-GmbH erzielte einen Jahresüberschuss von 23 600 Euro, wobei 22 700 Euro der Rücklage für künftigen Bauunterhalt zugeführt wurden. Der Kindergarten beschäftigte durchschnittlich zehn Mitarbeiter. Die Dienstleistungs-GmbH erwirtschaftete mit ihren 18 Mitarbeitern einen Jahresüberschuss von 49 000 Euro. (usc)


Aus den Erfahrungen der Vergangenheit, der großen Aussiedlerwelle Anfang der 90er-Jahre, wissen wir, wie schwierig Integration ist und welche Fehler man dabei machen kann.Werkvolk-Geschäftsführerin Dagmar Kierner
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