Bayern als Ober-Export-Weltmeister
Der Freistaat ist Gewinner der Globalisierung

Christi Degen (links), Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken, und Professor Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, skizzieren im Amberg ACC Chancen und Risiken für die bayerische Wirtschaft. Bild: Herda

Das Münchener Ifo-Institut skizziert die "Megatrends im Welthandel", und die IHK sucht nach Antworten, wie die bayerische Wirtschaft darauf reagieren kann. Zum Teil mit überraschenden Vorschlägen.

"Amberg steht heute im Mittelpunkt der bayerischen Wirtschaft", flötet Thomas Neumann, Bereichsleiter Kommunikation der IHK im ACC. "Erst die BIHK-Pressekonferenz und abends das Auslandstreffen der Repräsentanten der Bayerischen Wirtschaft mit Ministerin Aigner."

Zunächst aber stellt Professor Gabriel Felbermayr vom Ifo-Institut die "Megatrends im Welthandel - Chancen und Herausforderungen", eine Studie der Bayerischen Industrie- und Handelskammer (BIHK) vor. Das Positive vorweg: Wenn Deutschland Exportweltmeister ist, dann hat Bayern daran einen großen Anteil. "Im Jahr 2014 exportierte die bayerische Wirtschaft Waren im Wert von 170 Milliarden Euro." Ein Viertel aller Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt vom Handel abhängig - gute Jobs mit rund 20 Prozent höheren Löhnen als in nicht-exportorientierten Unternehmen. Mehr als die Hälfte des bayerischen Bruttoinlandsprodukts sei darauf zurückzuführen. "Damit ist der Freistaat klarer Gewinner der Globalisierung."

"Brexit", TTIP, Tisa


Doch der Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft warnt auch: "Rechnet man die Effekte durch den schwachen Euro weg, der rund 20 Prozent verloren hat, bleibt nicht viel von den Überschüssen." Der Euro würde nicht tiefer sinken, die Extra-Impulse also wegfallen. Übrig bleibt: Im Euro-Raum leidet die Kaufkraft. Dazu das Gefahrenszenario "Brexit" (der Austritt Großbritanniens aus der EU), mögliche Schließung der Schengengrenzen, mögliches Scheitern von TTIP und Tisa. "In der Summe könnte das konservativ bewertet der Wirtschaft 1,5 Prozent des BIP kosten."

Ein Rückzug auf die EU mache keinen Sinn. Allen Unkenrufen zum Trotz habe sich die Exportwirtschaft gut durch die Krisen laviert. Sorgen bereitet dem Österreicher, dass die 250 Milliarden Euro an Überschüssen krisenfest angelegt sind. Wenn man sie in ein paar Jahren brauche, komme man möglicherweise nicht an sie heran.

Christi Degen, Hauptgeschäftsführerin IHK Oberfranken , fasst die Schlussfolgerung der Kammer nach der Debatte über das Papier zusammen: "Wir müssen in Kategorien von Handlungsoptionen denken", sagt sie, "die Wirtschaft darf nicht allein gelassen werden, sie braucht die Unterstützung von Politik und Verwaltung." Die Tendenz zu hohen Exportquoten werde weiter wachsen, der hohe deutsche Anteil aber sei kein Automatismus. "Um den Wohlstand zu sichern, ist es entscheidend, dass wir uns in Asien halten."

Aber trotz der Wachtumsverlangsamung sei auch das Chinageschäft nicht eingebrochen. "Wir rechnen aber auch mit den Märkten in Afrika, den USA und auch wieder Russland."

Degen fordert von der Politik:

die Vermeidung doppelter Zertifizierungen, die Vereinfachung der Zollabwicklung und die Erleichterung von Geschäftsreisen.

Komplexe Wertschöpfungsketten erschwerten die Situation für kleine und mittlere Unternehmen: "Stichwort Berichtspflichten und die Haftung für das Verhalten Dritter."

Beim Blick auf potenzielle Zukunftsmärkte wie Nigeria, Tansania oder Äthiopien steche das instabile politische Klima ins Auge: "Ein Investitionsschutz des Bundes, der Schutz von geistigem Eigentum, dazu Doppelsteuerabkommen sowie Regelungsmechanismen mit Einigungszwang sind dringend erforderlich."

Optimistisch macht Degen die Qualität der Auslandsnachfrage: "Wenn im Ausland der Wohlstand steigt, hat auch die bayerische Wirtschaft etwas davon." Besonders der Maschinenbau profitiere von Wachstumsmärkten. Der Know-how-Transfer und die Förderung der Ausbildung ausländischer Arbeitskräfte könne so zu Frieden und Wohlstand in den Herkunftsländern beitragen. "Vielleicht hilft das auch in der Flüchtlingskrise."

VW-Krise weggewünscht


Zu den Hausaufgaben der Unternehmen zählt sie: "Wir müssen Potenziale aktivieren." Menschen mit Migrationshintergrund aber auch bildungsferne Schichten müssten in den Arbeitsmarkt integriert werden. "Und wir müssen an unserer Technologieführerschaft arbeiten - die größten Fehler macht man in guten Zeiten." Apropos Fehler: "Zweifellos würden wir uns alle gerne diese VW-Krise wegwünschen", sagt Professor Felbermayr, "ob die aber langfristig den Nimbus schädigen kann, bezweifle ich - VW baut nicht nur Dieselmotoren und nicht nur in den USA."
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