Berufsschullehrer lobt bei IHK-Treffen Asylbewerber
Arbeitseinstellung der Flüchtlinge ist top

Vorsitzender Rolf Pfeiffer, Ambergs Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik, Ausländeramtsleiter Edgar Schott, Berufsschullehrer Martin Grill sowie Harald Fellner, Silke Auer und Johann Schmalzl von der IHK (von links) sprachen im IHK-Gremium über Flüchtlinge und andere Themen. Bild: Burdack

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der auch die regionale Wirtschaft gefordert ist". Daran gibt es für Dr. Rolf Pfeiffer, den Vorsitzenden des Industrie- und Handelsgremiums, keinen Zweifel. Aber er dämpft zu hohe Erwartungen.

-Sulzbach. Diese Haltung wird nach seinen Worten vor allem in der Politik an den Tag gelegt. "Dabei müssen die Betriebe oft schon ihre Auszubildenden ohne Migrationshintergrund nachqualifizieren", umriss Pfeiffer bei einer Sitzung des Gremiums im Amberger Congress Centrum die Lage, um zu verdeutlichen, dass mit Flüchtlingen auch nicht alle Sorgen beim regionalen Fachkräftemangel beseitigt werden könnten.

"Probleme bei der Integration von Flüchtlingen liegen momentan nicht an der Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarkts", bestätigte Joachim Ossmann, der Leiter der Arbeitsagentur Schwandorf. Denn in der mittleren Oberpfalz rangierte die Erwerbslosenquote 2015 nach seinen Worten auf einem historischen Tiefstand von 3,4 Prozent. Firmen meldeten immer mehr offene Stellen, und immer mehr Personal in der Region kam aus dem Ausland - aus EU-Nachbarländern genauso wie aus anderen Teilen der Welt. "Ohne Ausländer wäre der Zuwachs bei der Beschäftigtenzahl in der Region gar nicht zu schaffen", schilderte Ossmann diese Seite der Medaille. Er rechnet heuer mit 700 erwerbsfähigen anerkannten Flüchtlingen und Asylbewerbern im Jobcenter Amberg-Sulzbach, wobei Syrien, Irak und Afghanistan die Hauptherkunftsländer seien.

Super Abitur bis Schafhirte


Laut Ossmann sind die Betroffenen größtenteils unter 35 Jahre alt, was positiv sei, weil Investitionen wie Sprachkurse, Betriebspraktika und ausbildungsbegleitende Hilfen oder Einstiegsqualifizierung sinnvoll eingesetzt werden könnten. "Die jungen Menschen sollen so fit gemacht werden, dass sie eine Ausbildung in den Unternehmen machen können", sagte Ossmann und warb gleichzeitig um Praktikumsplätze.

Einblick in den Alltag gab Berufsschullehrer Martin Grill dem Gremium. Er betreut Übergangsklassen und bereitet innerhalb von zwei Jahren junge Migranten auf die Arbeitswelt vor. Seine Aufgabe beschrieb er so: "Deutsch beibringen, Mathematik vermitteln, für interkulturelle Unterschiede sensibilisieren, schulische Struktur im hiesigen Sinn vermitteln." Außerdem gehe es darum, über Betriebspraktika die Arbeitssituation kennenzulernen. Seine Schüler, darunter viele unbegleitete Minderjährige, hätten unterschiedliche Startvoraussetzungen: "Der eine hat in Syrien bereits ein super Abitur hingelegt und mit einem Medizinstudium begonnen, der andere ist afghanischer Schafhirte und kann nicht mal in seiner Sprache schreiben."

Grill freut sich über viele schnelle Fortschritte seiner Zöglinge. "Anfang des Schuljahrs konnten sie kein Wort Deutsch, jetzt zum Halbjahr kann man sich mit jedem von ihnen gut unterhalten." Das motiviere den Lehrer, zeige aber auch die große Motivation der Schüler; obendrein kämen positive Rückmeldungen von den Praktikumsbetrieben.

Insgesamt sehr gute Erfahrungen gibt es laut Grill ferner mit den Flüchtlingen, die nach der Sprachförderung an der Berufsschule im Herbst eine Ausbildung begonnen haben. Sie erlernen Berufe wie Einzelhandelskaufmann, Heizungsbauer, Systemelektroniker, Maler, Altenpfleger, Kfz-Mechatroniker und Fleischer. Mit nur einer Ausnahme seien alle relativ erfolgreich.

Einstiegsqualifikation hilft


Grill legte den Unternehmern die Maßnahme Einstiegsqualifikation ans Herz: "Sie lernen die Flüchtlinge mit ihren Fähigkeiten und ihrer Motivation kennen und die Schule verbessert in dieser Zeit deren Sprachkompetenz." Die Arbeitseinstellung der jungen Leute sei top, lediglich mit dem Oberpfälzer Dialekt in manchen Firmen gebe es gewisse Probleme, schmunzelte Grill. (Hintergrund/Im Blickpunkt)

So klappt es mit der Anstellung

Amberg-Sulzbach. Wer gilt überhaupt als Flüchtling und wann kann ein Asylbewerber in einem Unternehmen beschäftigt werden? Über die Rechtslage und Eingruppierung informierte Edgar Schott, der Leiter des Amberger Ausländeramts, die Mitglieder des Industrie- und Handelsgremiums bei ihrer Sitzung im ACC. Harald Fellner von der IHK ergänzte, dass Firmen im konkreten Fall von den Ausländerbehörden rasch Auskunft bekommen, ob sie jemanden beschäftigen dürfen oder nicht.

Die IHK biete ihren Mitgliedsunternehmen neben der Kontaktvermittlung außerdem Unterstützung bei der Integration an; zum Beispiel gebe es eine Reihe interkultureller Seminare für Firmen. Geschäftsführer Johann Schmalzl informierte, dass die IHK-Geschäftsstelle in Amberg am 14. Juni den Workshop "Interkulturelle Kompetenz für Ausbilder" veranstaltet. Dass so etwas sinnvoll ist, bestätigte Gremiumsmitglied Dagmar Kierner vom Wohnungsbau und Siedlungswerk: "Wir werden interkulturelle Kurse für unsere Hausmeister anbieten, um sie für die neuen Bewohner zu sensibilisieren."

Ein neuer Ausbildungsakquisiteur der IHK soll in den Firmen bald offene Ausbildungsstellen und Praktikumsplätze abfragen. Darüber hinaus gebe es regionale Jobbörsen, "mit einem Casting auf beiden Seiten", schilderte Fellner. Die Arbeitsagentur fühlt nach seinen Worten bei den Flüchtlingen, die IHK bei interessierten Firmen vor. "Das verbessert die Chancen fürs Matching." Infos unter 0941/5694-367 oder migration@regensburg.ihk.de.

Im Blickpunkt

141 Millionen durch Verwandtenbesuch

Amberg-Sulzbach. Silke Auer, die Tourismusexpertin der IHK, stellte auf der Gremiumssitzung die Ergebnisse der Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus" für den Raum Amberg-Sulzbach vor. Neben den Umsätzen der Urlauber, Geschäftsreisenden und Tagestouristen seien erstmals auch die Umsätze durch Besuche bei Verwandten und Bekannten untersucht worden. Demnach gaben diese Leute 2014 rund 141 Millionen Euro in der Region aus, so Auer. "Profitiert haben davon nicht nur Tourismusbetriebe, sondern auch der Einzelhandel und viele Dienstleister."

Der Tourismus sichere damit rund 2700 Arbeitsplätze in Amberg-Sulzbach. Gremiumsgeschäftsführer Johann Schmalzl berichtete, dass die Übernachtungszahlen im Raum Amberg allein 2015 um 28 000 gestiegen sind. "Betriebe, die in die Qualität ihres Angebots investieren, verbuchen deutlich steigende Übernachtungszahlen", so Schmalzl.

Lob für Forum-Plan

Amberg-Sulzbach. Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik präsentierte dem IHK-Gremium die aktuelle Planung für die Revitalisierung der Storg-Forum-Immobilie in Amberg. Mit einem Nutzungsmix aus Handel, Dienstleistung, Bewirtung und Wohnen soll das ehemalige Kaufhaus zu einem neuen Treffpunkt im Stadtzentrum werden. "Das ist ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Innenstadt", würdigte Vorstandsmitglied Markus Frauendorfer und Vorsitzender Rolf Pfeiffer lobte die Schaffung zusätzlicher Parkmöglichkeiten.
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