Chancen auf dem Arbeitsmarkt
60 Jahre und trotzdem begehrt

Geschäftsführer Thomas Bösl (links) führte durch die Näherei von PI-Concept. Franz Elsner, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit, Sonja Schleicher (Jobcenter-Geschäftsführerin) und deren Mitarbeiter waren beeindruckt von der Integrationsleistung der Firma. Bild: Huber

Wie können Langzeitarbeitslose wieder eine Stelle bekommen? Leiter und Mitarbeiter der Arbeitsagentur und des Jobcenters besuchten deswegen die Firma PI-Concept. Schnell stellten sie fest: Ihre Angebote werden dort fast nicht benötigt.

Die Integration Arbeitssuchender war das Thema des Europäischen Arbeitgebertags, der am Mittwoch auch im Stadtgebiet eine Rolle spielte. Der Geschäftsstellenleiter der Amberger Agentur für Arbeit, Franz Elsner, Jobcenter-Geschäftsführerin Sonja Schleicher und Mitarbeiter des Arbeitgeber-Services besuchten dafür die Firma PI-Concept. Mit im Gepäck hatten sie verschiedene Angebote. So beraten Arbeitsagentur und Jobcenter etwa bei der Qualifizierung der Mitarbeiter, bieten Umschulungen während der Arbeitszeit und helfen bei der Verbesserung der Unternehmenskultur.

Nähen in Deutschland


Die Vorlagen für die Firma PI-Concept blieben aber erst einmal in der Tasche, denn Geschäftsführer Thomas Bösl startete eine Führung durch das Unternehmen: Mit dem Betrieb sei es seit der Gründung im Jahr 2001 konstant bergauf gegangen. Grund dafür seien auch die motivierten Mitarbeiter: "Wir brauchen alle", sagte Bösl mit Blick auf die Chance von Langzeitarbeitslosen. "Das können qualifizierte Mitarbeiter sein, aber auch solche, die man anlernen kann." Laut Auskunft der Firma bearbeiten die Angestellten Polyurethanen, einen Kunststoff. Aus dem Plastik stellen sie Kissen und Auflagen für Liegen sowie Autoteile her. Auch Poliertücher und Felgenhandschuhe für den Auto-Premiummarkt nähen die Beschäftigten. Den Kunden sei besonders die Herkunft "Made in Germany" wichtig, erklärte Bösl. Er sei froh, dass er viele Näherinnen für seine industriellen Nischenprodukte gewinnen konnte. "Wir nähen wieder in Deutschland. Da braucht man Fachkräfte, die einen Zuschnitt machen können, die auch Design-Erfahrung haben."

60-Jährigen eingestellt


Auch Flüchtlinge einzustellen sei kein Problem: "Er muss ein bisschen was von der Sprache verstehen und er muss ein Geschick mitbringen", erläuterte Bösl. Der Geschäftsführer schwärmte von seinen Integrationsleistungen: "Wir haben einen 60-Jährigen eingestellt. Was meinen Sie, wie der aufgeblüht ist." Außerdem hätten sie einen jungen Mann in der Firma gehabt, der sei ein bisschen auf der Schattenseite gewesen. "Er ist hoch motiviert. Ich hab' ihm einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben. Der hat erst mal gefragt, was das ist."

Franz Elsner zeigte sich beeindruckt von der Arbeit Bösls: "Man weiß nicht, wie gut Unternehmen die Menschen an die Hand nehmen." Bei PI-Concept sei das aber vorbildlich gelaufen. Die Angebote der Arbeitsagentur: Hier und heute zumindest sind sie nach seiner Einschätzung nicht benötigt worden.
Ich hab' ihm dann einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben. Der hat erst mal gefragt, was das ist.Thomas Bösl über die Einstellung eines jungen Mannes in seinem Betrieb
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