Dicke Luft bei der Deprag

Die Geschäfte gehen gut, der Umsatz stieg im vergangenen Jahr noch einmal deutlich an. Bei der Deprag scheint die Welt in Ordnung. Doch nun hat die Geschäftsführung die Bombe platzen lassen.

Die Deprag mit ihren rund 300 Beschäftigten war seit jeher im Arbeitgeberverband und zahlte von daher auch Tariflöhne. Allerdings galt seit 2009 ein sogenannter Ergänzungstarifvertrag. Die Deprag stellte damals die Weichen neu, investierte sehr viel Geld, um ihr Angebotsspektrum zu erweitern. Die Beschäftigten seien daher auch gerne bereit gewesen, ihren Anteil zu leisten, sagte Betriebsratsvorsitzender Thomas Kohlhofer am Freitag in einer Pressekonferenz im Gewerkschaftshaus.

Deprag wollte Fortsetzung

Ende 2014, so schilderte es der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Udo Fechtner, sei diese Vereinbarung ausgelaufen. "Die Geschäftsführung der Deprag wollte aber eine Fortführung dieser Regelung." Aufseiten der Gewerkschaft würden aber zwei absolute Grundregeln gelten, wenn es um die Abänderung der geltenden Flächentarifverträge gehe, so Fechtner: Die Beschäftigten müssten das wollen und der Betrieb sehr triftige Gründe vorlegen.

"Aber die gibt es bei der Deprag nicht." Im Gegenteil: 2014 habe das Unternehmen zusätzlich an 30 Samstagen gearbeitet, um die Nachfrage befriedigen zu können, und der Umsatz sei deutlich gewachsen. Die Geschäftsführung der Deprag habe auch ein von der IG Metall eingefordertes Wirtschaftsgutachten abgelehnt, um nachweisen zu können, dass er ihr schlecht geht. "Am Geld liegt es mit Sicherheit nicht", sagte BR-Vorsitzender Kohlhofer dazu.

Als Kompromiss habe man der Deprag-Geschäftsführung angeboten, sie solle schriftlich versichern, dass sie die verzichteten Stunden zumindest teilweise jährlich in Geld zurückzahlen werde. Auch das sei abgelehnt worden, die IG Metall habe daraufhin festgestellt, es gebe keinen Grund für eine Abweichung vom Tarifvertrag, so Fechtner. "Erst da hat uns die Geschäftsführung mitgeteilt, dass die Deprag seit Jahren nicht mehr im Arbeitgeberverband und damit auch nicht mehr tarifgebunden ist", sagt Udo Fechtner.

Bis hin zum Arbeitskampf

Die Geschäftsführung wolle jetzt stattdessen mit jedem Mitarbeiter eine einzelvertragliche Regelung machen. Das wollen Betriebsrat und IG Metall aber unbedingt verhindern. Sie wollen zurück zum Flächentarifvertrag. "Schlimmstenfalls muss man eben Aktionen machen", schildert Fechtner das weitere Vorgehen. Von der kämpferischen Mittagspause bis zum Arbeitskampf reichen seiner Aussage nach die möglichen Instrumente, um die Deprag zum Einlenken zu bringen. "Aber die Beschäftigten müssen es auch wollen."

Bis Montag läuft die Frist, die die Gewerkschaft der Geschäftsführung des Unternehmens gestellt hat. Dann wird laut Fechtner entweder verhandelt oder aber gehandelt.
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