Die Luitpoldhütte AG setzt jetzt auf Kurzarbeit
20 bis 30 Prozent weniger Absatz

Auch wenn die Lage alles andere als rosig ist, das Lachen hat die neue Führungsspitze der Luitpoldhütte AG noch nicht verlernt (von links): Arbeitsdirektorin Christiane Berger - eine gebürtige Regensburgerin - und Vorstandsvorsitzender Thomas Lehner. Er stammt ursprünglich aus Weickenricht in der Gemeinde Freihung. Bild: Hartl

Als das Duo am 20. September - "ein Samstag, aber wir sind immer da" - das Zepter bei der Luitpoldhütte AG (LH) übernahm, waren die düsteren Wolken längst gegenwärtig. Fest stand, dass der Gießerei ab November Kurzarbeit ins Haus steht. Aber der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Lehner (48) und Arbeitsdirektorin Christiane Berger (52) wollen sich der Verantwortung stellen.

Gestern noch gab es ein kurzes Händeschütteln an der Sulzbacher Straße, als sich der bisherige LH-Vorstandsvorsitzende, Dr. Thomas Fessl (49), verabschiedete. Doch sein Nachfolger als Chief Executive Officer (CEO), Thomas Lehner, hat spätestens seit seinem Amtsantritt die Ärmel hochgekrempelt, ebenso wie die seit 1. Juni als Arbeitsdirektorin und Vorstandskollegin agierende Christiane Berger.

Resturlaub und Konten

Die ersten Aufgaben des Führungsduos bestanden darin, sich mit der schwierigen Situation nach den Werksferien im August auseinanderzusetzen und entsprechend zu handeln. "Wir erwarten in den nächsten Monaten 20 bis 30 Prozent weniger Absatz", verdeutlichte Lehner im Gespräch mit der AZ. Deshalb wurde für Oktober an die Belegschaft die Losung ausgegeben, Resturlaube zu nehmen und Arbeitszeitkonten abzubauen.

Dass dies alleine nicht reichen wird, hatte Christiane Berger schon vor einigen Tagen angekündigt: "Inzwischen habe ich bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit ab November angemeldet." In diesem Zusammenhang wird das Prinzip Hoffnung bemüht, und zwar dergestalt, dass mit dem Frühjahr auch die Auftragslage wieder freundlicher wird. Deshalb will Vorstandsvorsitzender Lehner nun auch mit Augenmaß reagieren, wenn er sagt: "Wir dürfen jetzt nicht überdrehen, sondern müssen vorbereitet sein, wenn es wieder nach oben geht." Will heißen, im Augenblick ist nicht an betriebsbedingte Kündigungen gedacht.

Dies, obwohl die Erkenntnis vorliegt, "dass wir im Moment eigentlich zu viele Leute an Bord haben", wie die Arbeitsdirektorin unmissverständlich betonte. Die Lösung soll in der natürlichen Fluktuation liegen. Und so strebt das LH-Management laut Christiane Berger an, die Belegschaftsstärke von aktuell rund 480 Kräften (ohne die 26 Auszubildenden) "in den nächsten drei bis fünf Jahren auf 450" abzubauen. Angesichts der Altersstruktur - "wir haben einen großen Berg von Leuten, die zwischen 50 und 60 Jahre alt sind" - sollte dieses Ziel erreichbar sein, schilderte sie ihre Einschätzung.

Einen etwas kleineren Berg mache der Anteil der 20- bis 35-Jährigen im Unternehmen aus, und: "Das ist unsere Zukunft." Diese Leute sollen nach bereits erfolgter Ausbildung kontinuierlich weiter geschult werden, letztlich auch, um aus eigenen Reihen Kräfte für die mittlere Führungsebene rekrutieren zu können.

Lieferanten ins Gebet

An dieser Stelle schließt sich dann der Kreis, den Vorstandsvorsitzender Lehner für die Zukunft der LH vorgezeichnet hat: "Wir müssen kundenorientiert agieren, damit unsere Produkte qualitativ noch hochwertiger werden." Die Erwartungen bei den Abnehmern seien hoch und dem gelte es, Rechnung zu tragen. Dies sei Aufgabe der nächsten Wochen und Monate. Zum Handlungspaket für das Management gehöre aber auch, die Lieferanten ins Gebet zu nehmen, um auf dieser Seite zu Kostenreduzierungen zu gelangen.

Von der Belegschaft erwartet Lehner noch mehr Flexibilität, insbesondere mehr personelle Durchlässigkeit zwischen den Abteilungen - etwa dergestalt, dass bei Engpässen in einem Teilbereich Kräfte aus anderen Abteilungen unterstützend eingreifen. Das verknüpfte Lehner mit dem Ziel, wirtschaftlicher zu arbeiten, "um unseren Kunden attraktivere Preise bieten zu können". Die Zukunft liege in komplexen Gussprodukten, beispielsweise bei Motoren. Dabei müssten Wände dünner und das Gewicht reduziert werden. Gleichzeitig gelte es qualitativ hochwertigeres Ausgangsmaterial zu verwenden, um die Robustheit von Gehäusen zu steigern.(Angemerkt)
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