Dienstleistungszentrum auf dem ehemaligen Baumann-Gelände erhält Zuwachs
Mit Gesundheit nach oben

Ein Winkelbau ist das neue Büro- und Geschäftshaus Emailfabrikstraße 13 und 15. Dahinter liegen Arbeitsamt und Sparkasse. Die Teile rechts und in der Mitte bilden den ersten Bauabschnitt. Bei genügend Kundeninteresse zieht die Gewerbebau den zweiten Bauabschnitt (links) gleich in einem Stück mit hoch. Grafik: Gewerbebau
 

"Wir sind hier bis 2018 beschäftigt", ließ Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik keinen Zweifel daran, dass sich das neue Büro- und Geschäftshaus an der Emailfabrikstraße in den kommenden Jahren komplett mit Mietern füllen wird. Diejenigen zukünftigen Nutzer, die am Donnerstag beim Spatenstich dabei waren, machten schon deutlich, welche Branchen sich hier gerne ansiedeln: Mediziner und Dienstleister mit Bezug zu diesem Metier.

Verwunderlich ist das nicht. Hat sich doch das fünf Hektar große Gelände der 1986 in Insolvenz gegangenen Emaillierfabrik Baumann in den vergangenen 20 Jahren zu "einem der bedeutendsten Facharztzentren, auch über die Oberpfalz hinaus" (Brandelik) entwickelt. Als Kennzahlen nannte der Geschäftsführer: 10 Gebäude, 50 Ärzte, 1200 Arbeitsplätze, 30 000 Quadratmeter Nutzfläche und 100 000 Patienten pro Monat. "Wir können stolz drauf sein, was hier entstanden ist", fasste Brandelik zusammen. Zumal es sich hier um ein Areal unmittelbar am Altstadtrand und nicht auf der grünen Wiese handle. Allerdings müsse man auch sehen, dass hier zu Beginn der Entwicklung im Jahr 1994 noch für 2000 Euro pro Quadratmeter gebaut werden konnte, während man jetzt 3000 einplanen müsse. So sehr seien die Anforderungen an Statik, Brand- oder Wärmeschutz gestiegen. Von den Kosten für die Beseitigung der Umweltlasten auf dem Areal ganz zu schweigen. Der Stadtrat habe hier mit Bedacht ein Dienstleistungszentrum geschaffen, um in Sachen Arbeitsplätze "nicht nur dem produzierenden Sektor ausgeliefert zu sein".

OB Michael Cerny sah das Thema Gesundheit in diesem Stadtteil gut verortet. Es werde sicher noch für weiteres Wachstum sorgen. Bereits heute brauche man an der Marienstraße ein Parkdeck mit 1200 Stellplätzen. "Mit dieser Zahl wären wir 1994 für größenwahnsinnig gehalten worden." (Angemerkt)

In ZahlenDaten zum neuen Büro- und Geschäftshaus Emailfabrikstraße 13 und 15 der Gewerbebau:

Gesamtkosten: 12 Millionen Euro

Grundstücksgröße: 6100 m2

Geschossfläche: 5250 m2

Mietfläche: 4600 m2

Stellplätze Tiefgarage: 120

Stellplätze Parkdeck: 80

Stellplätze im Freien: 8

Fertigstellung: 1. BA Juli 2017

2. BA Juli 2018

Laut Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik sind im ersten Bauabschnitt vier Einheiten bereits belegt; eine ist noch frei. (ll)

Wir raten zum Spaten

Von Markus Müller

Am Sinn eines Spatenstichs könnte man ja grundsätzlich zweifeln. Es wird ein Erdhaufen aufgeschüttet, damit ein paar Leute ein Schäufelchen voll nehmen und in die Luft werfen können. Danach muss man alles wieder aufräumen - Dreck und Spaten. Auf der anderen Seite ist der Spatenstich als Symbol unverzichtbar - dafür, dass der offiziellen Worte genug gewechselt sind und der Schweinebraten der Aufmerksamkeit bedarf.

Bloß schiefgehen sollte halt nichts. So wie am 27. Oktober 1994, als der Baubeginn am Dienstleistungszentrum in der Marienstraße den Auftakt zur neuen Nutzung des alten Baumann-Geländes markierte. OB Wolfgang Dandorfer war so euphorisch, dass er auf einen Spaten verzichtete und sich mit einem Bagger ans Lochbuddeln machte. Doch dann lief etwas schief. Die AZ blieb dezent, sprach von "Schwierigkeiten" des OB mit dem Bagger. Was war passiert? Hatte das Stadtoberhaupt gar sein Gefährt umgelegt, wie 2012 Innenminister Joachim Herrmann? Eher nicht. "Zu ruckartig hat er allem Anschein nach die Hebel bewegt", bot die AZ als Erklärung für das nicht näher Erläuterte an. Doch sei es dem OB mit Hilfe des Baggerführers noch gelungen, ein Loch in den Boden zu kratzen.

Während Innenminister Herrmann aus Schnittwunden und einem verstauchten Knöchel die Erkenntnis gewann, wieder auf den guten alten bayerischen Spaten zu setzen, nahm Dandorfer den Vorfall als Ansporn, das Großgerät besser zu meistern. Er ging später keinem Bagger aus dem Weg. Michael Cerny setzt mehr auf Sicherheit. "Der Trend geht wieder weg vom Bagger, hin zum Spaten", verkündete er gestern augenzwinkernd zur Zeremonie. Ihm dürfte klar sein: Wer heutzutage als OB einen Bagger flachlegt oder nur in Schieflage bringt, braucht mit keiner Schonung mehr zu rechnen.

markus.mueller@zeitung.org
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.