Flucht ins Handwerk

Zu Gast in der Handwerker-Hochburg Amberg (von links): Handwerkskammerpräsident Georg Haber, Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger, Handwerkstags-Präsident Georg Schlagbauer und Lothar Semper, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstages. Bild: jrh

Heiter ist die konjunkturelle Lage des Handwerks nur vordergründig, erklärt Präsident Georg Schlagbauer bei der Mitgliederversammlung des Bayerischen Handwerkstages (BHT) in Amberg. Dahinter zeichnen sich dunkle Wolken ab: internationale Krisenherde und Fachkräftemangel.

"Die Welt war noch nie so unfertig", sagt Schlagbauer, "die Unsicherheiten in Europa und der Welt raten zur Vorsicht." Noch laufe es ganz gut in Deutschland. Aber: "Umso mehr sollten wir die Zeit nutzen, die Bedingungen wetterfest zu machen." Das Themenspektrum, mit dem sich die Handwerkspolitik zu beschäftigen habe, reiche von der Digitalisierung über die Energieeffizienz bis zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Zum Glück sei das bayerische Handwerk multitasking-fähig.

Integration durch Arbeit

Der Initiative der Staatsregierung, "Integration durch Ausbildung und Arbeit", habe sich sein Gremium gerne angeschlossen, sagt der Präsident des Bayerischen Handwerkstages. Dabei investiert alleine das Bayerische Arbeitsministerium zwölf Millionen Euro. Staatssekretär Johannes Hintersberger erläutert die Lösungsansätze der Staatsregierung zur "größten Herausforderung seit Ende des Zweiten Weltkriegs".

Um Ministerpräsident Horst Seehofers Position zu verdeutlichen, sprintet der Schwabe überraschend vom Rednerpult zum Flipchart, um die zwei Säulen bayerischer Flüchtlingspolitik zu visualisieren: "Zuwanderung begrenzen und gleichzeitig eine lebendige Umsetzung der Integration - beide Dinge gehören zusammen." Kein Thema sei so geeignet, diese Gesellschaft zu radikalisieren. "Schauen Sie nur auf die Regionalwahlen nach Österreich."

Aber eines sei auch klar: "Die Flüchtlinge allein können das Facharbeiterproblem nicht lösen." Nach vielen Jahren mit sinkenden Ausbildungszahlen sei es gelungen, den Trend umzukehren: "Wir versuchen Abiturienten zu gewinnen, fordern eine Stärkung der Praxisseminare, kümmern uns um Studienabbrecher, sprechen Realschüler wie auch schwervermittelbare Jugendliche an - wir geben jedem und vielen eine Chance."

Schlagbauer kann auch Erfolge vermelden: "Wir haben in enger Abstimmung mit der Staatsregierung die Erhaltung des Handwerksbonus durchgesetzt." Die Reform der Erbschaftssteuer sei für Schlagbauer eine gesellschaftspolitische Diskussion: "Will ich den deutschen Mittelstand nach vorne bringen oder will ich es ihm schwer machen?"

Wettbewerbsverzerrung

Bei der Neuregelung der Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand habe man eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung zulasten des Handwerks befürchten müssen. Man habe erreicht, dass dieser Aspekt im Gesetz berücksichtigt und handwerkliche Leistungen im Bereich Gebäudereinigung, Grünpflegearbeiten sowie Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an Straßen und Gebäuden von der Umsatzsteuerfreistellung ausgenommen worden seien.
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