Geplantes Lokal am Marktplatz beschäftigt Familie Königseder und Stadträte
Abgabe bremst Gastronomie

Das Bekleidungshaus im Gebäude am Marktplatz 9 gehört nach dem bevorstehenden Wochenende der Vergangenheit an. Die Eigentümerfamilie Königseder konzentriert sich für diese Branche auf den an der Regensburger Straße vorhandenen Standort und möchte im Herzen der Stadt eine hochwertige Gastronomie schaffen. Bild: Steinbacher

Klamotte raus, Gastronomie rein - das Herz der Innenstadt soll noch mehr pulsieren: Geht es nach der Familie Königseder, dann werden in ihrem Haus am Marktplatz Nummer 9 künftig keine Textilkunden ein- und ausgehen, sondern sich hungrige und durstige Gäste in einem hochwertigen Lokal bedienen lassen. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen.

Dass es für dieses Vorhaben keine Sonderbehandlung geben kann, dessen ist sich Jürgen Königseder durchaus bewusst. Andererseits: 72 000 Euro zusätzliche Kosten für die Stellplatzabgabe an den Stadtsäckel abdrücken zu müssen, wenn es eventuell auch günstiger ginge, das will wohl überlegt sein. Schließlich bewegt sich das Investitionsvolumen für die publikumsträchtige Umwidmung ohnehin im oberen sechsstelligen Euro-Bereich. Aktueller Hemmschuh ist die städtische Satzung zur Stellplatzabgabe. Sie sieht vor, dass pro 30 Quadratmeter Ladenfläche für den Einzelhandel 5000 Euro fällig werden. Im Bereich der Gastronomie hingegen ist das Dreifache zu bezahlen - sprich, die Berechnungsgrundlage geht hier von jeweils zehn Quadratmetern aus.

Neigung zu Gastronomie


Dass es hier einer Änderung bedürfe, dies bestätigte auf Anfrage auch Oberbürgermeister Michael Cerny. Er verwies darauf, dass sich der Stadtrat mit diesem Thema zuletzt in nichtöffentlicher Sitzung unterhalten habe. Und zwar nicht nur bezogen auf den Fall Königseder, sondern im Hinblick auf eine allgemeingültige Regelung für die Zukunft. "Die Neigung hin zur Gastronomie ist inzwischen da", fasste er die Stimmung der einzelnen Fraktionen zusammen.

Allerdings seien die Rathaus-Parteien noch nicht zu einer Beschlussfassung gelangt, weil man allenthalben Beratungs- und Informationsbedarf gesehen habe. Der Trend gehe dahin, noch vor der Sommerpause zu einer Lösung zu kommen. So werde darüber im Hauptausschuss am Donnerstag, 14. Juli, gesprochen. Sollte dies zu einer Empfehlung an den Stadtrat führen, werde das Gesamtgremium am Montag, 25. Juli, wohl darüber hinter verschlossenen Türen beschließen.

Die Hausbesitzerfamilie sieht diesem Termin gespannt entgegen, wobei Jürgen Königseder meint: "Mein Wunsch wäre es, die Sache zurückzustellen, bis eine neue Regelung greift." Triftige Gründe für sein Drängen auf eine Änderung bei der Stellplatzabgabe meint er dabei durchaus geltend machen zu können. Zum einen habe seine Familie bereits 1996 bei der Kernsanierung des Gebäudes Stellplätze nachgewiesen, weitere drei bis vier seien 2006 bei der Erweiterung des Ladengeschäfts gefolgt.

Außerdem meint Königseder, dass hochwertige Gastronomie - ein Betreiber aus Amberg stehe Gewehr bei Fuß - zur Stärkung der Innenstadt beitragen werde. Diese sei angesichts der Entwicklungen an der Peripherie in den zurückliegenden Jahren ohnehin ins Hintertreffen geraten. Zusammenfassend kommt Königseder in seiner Mitteilung zu der Erkenntnis: "Im heutigen wirtschaftlichen Umfeld müsste sich die Stadt die Frage stellen, inwieweit man Investoren bei ihrem Entschluss, in der Innenstadt Geld auszugeben, unterstützen kann, anstatt die Investitionskosten durch Abgaben in die Höhe zu treiben."

Am Amt liegt's nicht


Am Bauamt der Stadt habe es bis dato nicht gelegen, wenn es bei der Verwirklichung des Vorhabens zu Verzögerungen gekommen sei, legte Königseder am Telefon nach. Einen Eröffnungstermin für das Lokals aber konnte er unter Hinweis auf die bremsende Stellplatzabgabe noch nicht nennen.

Samstag letzter Tag für KBK am MarktplatzÜber 40 Jahre war KBK mit seinem Bekleidungssortiment in der Amberger Altstadt vertreten. Damit ist nach dem Samstag, 2. Juli, Schluss: KBK schließt seine Pforten im Ladenlokal am Marktplatz 9 für immer. Wie bereits im Vorfeld berichtet, konzentriert sich der überregionale Fashion-Filialist mit seinen 17 weiteren Niederlassungen fortan in Amberg auf sein über 500 Quadratmeter großes Geschäft an der Regensburger Straße, direkt neben dem Siemes-Schuhcenter. Dort, so beschreibt es Inhaber Jürgen Königseder in einer Pressemitteilung, "gibt es weiterhin, neben 100 kostenlosen Parkplätzen, eine große Auswahl an Young Fashion und modischen Accessoires". Der Verkauf dort werde verstärkt vom Team der Filiale am Marktplatz. (ben)


Mein Wunsch wäre es, die Sache zurückzustellen, bis eine neue Regelung greift.Jürgen Königseder


Der Mix macht's aus- Angemerkt von Erich LobenhoferInternet- und Versandhändler zahlen in Amberg weder Stellplatzabgabe noch Straßengebühren - obwohl die von ihnen und ihren Kunden auf die Reise geschickten Auslieferungsfirmen über kommunale Straßen und Plätze rollen. Besonders auch in der Fußgängerzone.

Das Wissen darum macht den Stadträten die Diskussion um eine wahrscheinlich inzwischen längst antiquierte Stellplatzabgabe in der bestehenden Form nicht leichter. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass andere Interessenten aus dem gastronomischen Bereich - davon soll es durchaus noch einige geben - ein sehr waches Auge darauf werfen werden, wie es in der Causa Königseder weitergeht. Und auch Lokalbesitzer und Wirte verfolgen das Geschehen drumherum durchaus interessiert.

Andererseits dürften die Zeiten vorbei sein, in denen man die Gastronomie bei der Kostenbemessung für die kommunale Abgabe gegenüber dem Einzelhandel deutlich schlechter gestellt hat. Schließlich ist ein Mix der Branchen aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung ja durchaus erwünscht zur weiteren Belebung der Innenstadt. Ein Zuwachs dort bedeutet Steigerung der Attraktivität. Denn nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen lassen ihr Geld in den schon vorhandenen Lokalen am Marktplatz in der Stadt.
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Benedikt Wolf aus Amberg in der Oberpfalz | 30.06.2016 | 21:56  
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