Gewerkschaft mobilisiert 9000 Menschen
Dauergrinsen bei Metallern

Die Einschläge kommen immer näher.
 
Da sind wir schon schweinestolz drauf.

Das erste Angebot der Arbeitgeber war keines: null Prozent. Die IG Metall sprach von einer Frechheit und forderte fünf Prozent. Innerhalb von nur sieben Tagen mobilisierte die Amberger Verwaltungsstelle 7500 Streikende und rechnet nach dem Pilot-Abschluss in Nordrhein-Westfalen mit einer Einigung für Bayern. Ob das so sein wird, darf Horst Ott mitentscheiden.

Der Chef der Amberger IG Metall hatte Mitte der vergangenen Woche für Pfingstsamstag zur Pressekonferenz ins Gewerkschaftshaus eingeladen, um die Medienvertreter über die nächsten Schritte im Arbeitskampf zu informieren.

Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. In den frühen Morgenstunden des Freitags kam es in Nordrhein-Westfalen zur Einigung: Für Juni gibt es eine Einmalzahlung von 150 Euro (Auszubildende bekommen 65 Euro), ab 1. Juli 2,8 Prozent mehr Geld und ab 1. April 2017 weitere 2,0 Prozent - bei einer Laufzeit bis Ende 2017. "Das Verhandlungsergebnis ist für uns akzeptabel", sagte Ott und kündigte an, als Mitglied der Bayerischen Tarifkommission bei der Tagung am Donnerstag, 2. Juni, dafür zu stimmen, den Abschluss zu übernehmen. Der 50-Jährige sagte mit Blick auf die vom Arbeitgeberverband ins Spiel gebrachte Nullrunde: "Wenn wir sehen, wo wir hergekommen sind, hat sich das gelohnt, dass wir auf die Straße gegangen sind."

Innerhalb von sieben Tagen sei es gelungen, in 23 Betrieben 7500 Frauen und Männer zu mobilisieren. Eine Grammer-Schicht habe sich sogar zu 100 Prozent beteiligt. Horst Ott: "Da haben wir einfach mal zugemacht." Rechne man die 1500 Menschen hinzu, die am Tag der Arbeit (1. Mai) zur Kundgebung mit Verhandlungsführer Jürgen Wechsler auf den Schrannenplatz gekommen waren, seien es sogar 9000: "Da sind wir schon schweinestolz drauf. Da kommst du aus dem Grinsen nicht mehr raus."

Vor allem, weil der Abschluss aus Nordrhein-Westfalen auf den Kontos der 19 000 Beschäftigten im Zuständigkeitsbereich der Amberger IG-Metall-Verwaltungsstelle nicht zu übersehen sein würde: Die Entgeltgruppe der Angelernten verdiene auf die gesamte Laufzeit gerechnet mindestens 2200 Euro brutto mehr, die der Facharbeiter 2500. In der Summe sei die Übernahme der Einigung in Bayern 1,5 Milliarden Euro schwer.

Ein Bestandteil ist laut 2. Bevollmächtigtem Udo Fechtner eine Differenzierungsklausel. Soll heißen: Krisen-Firmen, die Mitglied im Verband der Metall- und Elektro-Arbeitgeber sind, können die Einmalzahlung und die zweite Stufe der Erhöhung verschieben. Die Betriebe müssten dann aber ihre Bücher offenlegen: "Das muss nachgewiesen werden." Verhandelt werden muss mit der IG Metall, nicht hausintern. Manuel Stöbig, Leiter des Vertrauenskörpers am Siemens-Standort Amberg und wie Ott in der Tarifkommission, atmete auf: "Ein Betriebsrat ist eher erpressbar als die Gewerkschaft." Die Entwicklung bei Siemens sah er trotz einer Dividendenerhöhung mit Sorge. In Ruhstorf bei Passau würden rund 2000 Stellen abgebaut, ein Teil der Chamer Produktion werde zudem nach Tschechien verlagert. Aus Amberger Sicht lasse sich das so zusammenfassen: "Die Einschläge kommen immer näher." (Kommentar)
Die Einschläge kommen immer näher.Betriebsrat Manuel Stöbig über die Entwicklung bei Siemens aus Amberger Sicht
Da sind wir schon schweinestolz drauf.Ambergs IG-Metall-Chef Horst Ott über die Streikbeteiligung
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