Gewerkschaft warnt
Immer mehr Leiharbeiter

Die Zahl der Leiharbeiter hat im Stadtgebiet drastisch zugenommen. 2015 gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 1206 von ihnen - zehn Jahre zuvor waren es gerade einmal 344. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) spricht von einer alarmierenden Tendenz und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.

Amberg. (tk) "Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je", wird Geschäftsführer (Region Oberpfalz) Rainer Reißfelder in einer Presse-Info zitiert.

Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den "Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt" wirklich zu bekämpfen. Hierfür sollten sich jetzt die Bundestagsabgeordneten aus Amberg in Berlin stark machen, fordert Reißfelder. Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, in dem sie für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein. "Missbrauch gibt es aber dann, wenn permanent ein fester Anteil der Arbeitnehmer als Leiharbeiter beschäftigt ist", sagt Rainer Reißfelder. Das nutzten Chefs letztlich allein zur Lohn-Drückerei. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken.

Außerdem seien Leiharbeiter bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft, kritisiert der Gewerkschafter. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg dieser "Jobs zweiter Klasse" endlich einen Riegel vorschieben. Betroffen von Leiharbeit seien auch Teile der Lebensmittelindustrie - mit 106 000 Beschäftigten einer der größten Industriezweige des Freistaats. Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sehe im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer solle auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gilt laut Reißfelder nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze: "Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden." Auch Betriebsräte sollten nach dem geplanten Gesetz lediglich Informationsrechte bekommen, aber keine Mitbestimmungsrechte.

"Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt", betont Reißfelder. "Deshalb darf es im Bundestag auch auf keinen Fall scheitern." Die heimischen Parlamentarier seien in der Pflicht, die Interessen der Leiharbeitern zu vertreten. Dafür müsse das Gesetz so scharf wie möglich formuliert sein. Erst dann werde sich der Negativ-Trend umkehren - und der Leiharbeiter von heute zum Stammbeschäftigten von morgen.

Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden.Rainer Reißfelder von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten
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