Gewerkschaft warnt
Vollzeitjobs die Ausnahme

Trübe Aussichten im Rentenalter. Da viele Frauen über Jahre nur in Teilzeit- oder Mini-Job gearbeitet haben, sind sie besonders von Altersarmut bedroht, warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Bild: hfz

Unsichere Jobs sind offenbar meist Frauensache: In der Amberger Region arbeiteten Ende vergangenen Jahres 9917 Frauen in Teilzeit, Mini-Job oder Leiharbeit.

Amberg. (tk) Damit machten sie 74 Prozent der sogenannten atypischen Beschäftigung aus, wie eine gleichnamige Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in einer Presse-Information mit und warnt zugleich vor einer zunehmenden Altersarmut: "Prekäre Jobs führen zu niedrigeren Rentenansprüchen." Dabei seien Zeiten der Schwangerschaft oder Kindererziehung noch nicht berücksichtigt.

3480 Mini-Jobberinnen


"Wenn Politik und Wirtschaft nichts unternehmen, dann werden Frauen bei der Rente immer öfter zu Verliererinnen", wird Stefan Königsberger, Bezirkschef der IG BAU Oberpfalz, in dem Schreiben zitiert. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass Teilzeit immer mehr zum Normalarbeitsverhältnis für Frauen werde. So gab es nach Angaben der Böckler-Studie in Amberg zuletzt gut 6000 Teilzeit-Arbeiterinnen - 55 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Demgegenüber haben am Ende des Vorjahres nur knapp 900 Männer in Teilzeit gearbeitet. Außerdem waren mit insgesamt 3480 Mini-Jobberinnen 65 Prozent aller geringfügig Beschäftigten in der Stadt weiblich. Vor dem Hintergrund der aktuellen Rentendebatte fordert die IG BAU, die Situation der Frauen stärker in den Blick zu nehmen. "Gerade in der Gebäudereinigung, im Gartenbau und in der Floristik bekommen sie kaum Vollzeitstellen, sondern Teilzeit- oder Mini-Jobs. Die Folge ist, dass Frauen trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter zum Sozialamt gehen müssen", kritisiert Königsberger. Zudem fehlten Frauen wegen Erwerbsunterbrechungen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen. Auch nach einer Scheidung stünden viele Betroffene mit leeren Händen - aber oft mit dem alleinigen Sorgerecht - da.

"Die Folge davon ist eine weiter zunehmende Altersarmut bei Frauen", ist Stefan Königsberger sicher. Unternehmen und Politik müssten deshalb gleichermaßen gegensteuern. "Statt Frauen nur für wenige Wochenstunden einzustellen, sollten Firmen vollwertige Jobs schaffen - für Frauen und Männer." Weniger zu arbeiten, müsse eine individuelle Entscheidung sein und kein Zwang. Für Reinigungskräfte sei Vollzeit mittlerweile fast eine Seltenheit, obwohl sich das viele Beschäftigte wünschten.

"Richtige Richtung"


Eine zentrale Voraussetzung für höhere Renten sei die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, ergänzt der Gewerkschafter. Mittlerweile habe die Politik die Bedeutung erkannt und ein Lohngerechtigkeitsgesetz auf den Weg gebracht. Königsberger spricht von einem "Schritt in die richtige Richtung", kritisiert jedoch, dass Beschäftigte erst in Betrieben ab 200 Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch über die Bezahlung der Belegschaft haben. Damit greife das geplante Gesetz nur in Teilen des Handwerks und der Reinigungsbranche. Eine entscheidende Maßnahme wäre es für Königsberger, Phasen der Erwerbslosigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung aufzuwerten: "Zeiten der Schwangerschaft und Erziehung müssen endlich anerkannt werden. Zum Beispiel durch Extra-Rentenpunkte."
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